Übernahme

Niedrigzins zwingt zu Unternehmenskäufen

Die Deutsche PalliativStiftung übernimmt „R.S. Schützen und Helfen“. Dies ist auch dringend nötig, da das aktuelle Niedrigzinsumfeld die Grundvermögen verschiedener Stiftungen schrumpfen lässt.

Vorstandsvorsitzender Dr. Thomas Sitte und seine Stellvertreterin Elke Hohmann haben sich erfolgreich für die Firmenübernahme engagiert. (Foto: obs/Deutsche PalliativStiftung/Annika Vogel)

Vorstandsvorsitzender Dr. Thomas Sitte und seine Stellvertreterin Elke Hohmann haben sich erfolgreich für die Firmenübernahme engagiert. (Foto: obs/Deutsche PalliativStiftung/Annika Vogel)

Der 1. Oktober ist Tag der Stiftungen. Das nimmt die Deutsche PalliativStiftung (DPS) zum Anlass, ihr Unternehmen „R.S. Schützen und Helfen“ vorzustellen. Mit dieser Unternehmensübernahme reagiert die DPS auf die anhaltende Niedrigzinsphase, die Stiftungen dazu zwingt, nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten zu suchen.

Die momentane Anlage- und Zinssituation erschwert den Stiftungen ihre Arbeit. Die Erträge aus dem Grundstockvermögen der Stiftungen sind durch die anhaltende Niedrigzinsphase stark zurückgegangen. Waren vor ein paar Jahren Zinsen in Höhe von sechs Prozent üblich, so liegen sie heute bei kaum einem Prozent. Um weiterhin alle Projekte aufrechterhalten zu können, bedarf es neuer Finanzierungswege. Die Deutsche PalliativStiftung (DPS) hat im September 2016 die Firma R.S. Arbeitsschutz Bedarfshandelsgesellschaft mbH übernommen und dadurch für sich einen unkonventionellen Weg der Stiftungsfinanzierung gefunden.

„Als Gesellschafter der Firma R.S. erhoffen wir uns, unabhängig von Fremdmitteln zu werden. Unser Ziel ist es, nachhaltig Projekte umzusetzen sowie den Stiftungsbetrieb allein durch die Gewinne der Firma zu finanzieren. So können Spenden auch weiterhin zu 100 Prozent in unsere Projekte fließen“, so Thomas Sitte, Vorstandsvorsitzender der DPS.

Im Jahr 1982 gründete Roswitha Seibert die Firma R.S. Arbeitsschutz Bedarfshandelsgesellschaft mbH in Kaltenkirchen (Schleswig-Holstein). Sie importierte Arbeitsschutzhandschuhe aus Südostasien und verkaufte diese vom Zentrallager am Hamburger Hafen aus an Kunden in ganz Deutschland. Nach über 34 Jahren möchte die heute 72-Jährige ihre Firma nun abgeben und gleichzeitig Gutes tun. Warum sie sich entschieden hat, explizit die Hospiz- und Palliativarbeit zu unterstützen, ist für sie ganz klar: „Ich habe mir einige Hospize von innen angeschaut, da ist mir teilweise Angst und Bange geworden. Da besteht noch ein wirklich großer Bedarf. Ich finde die alten Menschen, die jahrzehntelang schwer gearbeitet haben und unter Umständen zwei Kriege hinter sich gebracht haben, die sollen dann auch in den Genuss eines angenehmen Lebensabends kommen.“

Die Firmenübernahme einer Stiftung bringt auch Bedenken mit sich. „Wie bei jeder Firma auch, ist trotz aller Absicherung immer ein Grundrisiko vorhanden. Es gibt nie eine Garantie dafür, wie gut die Firma läuft“, so Sitte. Die DPS gewährleistet, dass die Übernahme im Sinne des Stiftungsgedankens erfolgt. Als Mitglied von Transparency International hat sich die DPS u.a. dazu verpflichtet alle Geldflüsse offenzulegen. So ist für jeden einsehbar, dass alle Erträge aus der Firma R.S. in die Arbeit der DPS fließen.

Des Weiteren erfüllt die DPS ihre sozialen Verpflichtungen als Stiftung. „Es ist uns ein großes Anliegen, dass die Arbeitsbedingungen in den Produktionsstätten, von denen R.S. ihre Produkte bezieht, sozial und ökologisch korrekt sind. Das wurde schon von Frau Seibert regelmäßig kontrolliert und soll auch so beibehalten werden“, verdeutlicht Sitte.

Die DPS plant, die Arbeitsschutzhandschuhe mit einem entsprechenden Label auszeichnen zu lassen.

Nicht allein der finanzielle Aspekt steht bei dieser Übernahme im Vordergrund. Die Firma werde darüber hinaus dazu beitragen, die Stiftungsziele weiter zu verfolgen. So ist ein elementarer Bestandteil der Arbeit der DPS, breite Kreise der Gesellschaft für das Thema Tod und Sterben zu sensibilisieren sowie die Bedeutung von Hospiz- und Palliativarbeit zu verbreiten. Die DPS verkauft die Schutzhandschuhe unter dem neuen Namen „R.S. Schützen und Helfen“ an regionale sowie überregionale Betriebe.

In dem Wissen darum, dass die DPS nach bestem Wissen und Gewissen das weiterverfolgt, was sie begonnen hat, freut sich Frau Seibert nun auf ihren wohlverdienten Ruhestand: „Ich bin jetzt frei für mich und kann jetzt endlich mal alles das machen, was ich möchte. Ich war mein Leben lang nie richtig im Urlaub und musste immer Rücksicht auf die Firma nehmen. Die Zeit für diese Pläne ist jetzt gekommen.“

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