Wirtschaft

Merck erwägt Verkauf von Biosimilar-Sparte

Die Nachahmer-Medikamente könnten Merck auf der jahrelangen Durststrecke helfen. Die Biosimilars sind derzeit im Trend.

Biosimilars sind nicht identisch wie ihre Vorbild-Arzneien, wirken aber ähnlich. (Foto: Flickr/Janels Katlaps/CC BY 2.0)

Biosimilars sind nicht identisch wie ihre Vorbild-Arzneien, wirken aber ähnlich. (Foto: Flickr/Janels Katlaps/CC BY 2.0)

Der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck erwägt nach Reuters-Informationen den Verkauf seines Biosimilar-Geschäfts. Das Unternehmen habe bereits die US-Investmentbank JPMorgan Chase damit beauftragt, mögliche Käufer ausfindig zu machen, sagten mit den Plänen vertraute Personen.

Die Sparte könnte wegen des langfristigen Verkaufspotenzials bis zu einer Milliarde Dollar wert sein. Es gebe keine Garantie, dass die Verhandlungen zu einer Transaktion führten. Grund für die Überlegungen bei Merck sei der starke Wettbewerb, dem das Unternehmen durch größere Konkurrenten ausgesetzt sei. Merck lehnte einen Kommentar dazu ab.

Biosimilars sind Nachahmer-Medikamente einer biotechnologisch hergestellten Arznei. In Europa sind sie bereits seit 2006 erhältlich. In Amerika wurde der Weg für deren Zulassung erst durch eine Gesundheitsreform im Jahr 2010 frei. Anders als herkömmliche Medikamente können Biotech-Arzneien nicht exakt eins zu eins kopiert werden, weil ihre Wirkstoffe – häufig große Proteine und Antikörper – viel zu komplex sind. Da sie aus lebenden Zellen gewonnen werden, lassen sie sich höchstens biologisch ähnlich nachbilden.

In Zeiten sinkender staatlicher Förderung sind Generika und Biosimilars für Krankenkassen und Krankenhäuser heute eine gute Alternative, um die eigenen Kosten zu senken. Allein für den Markt der Biosimilars rechnet die Branche mit einem weltweiten Umsatz von 25 bis 35 Milliarden Dollar bis 2020. „Seit der ersten Biosimilar-Zulassung in der EU 2006 wächst auch dieser Markt stetig. Heute gibt es mehr als 700 Medikamente dieses Typs mit Zulassung bzw. laufendem Verfahren.“ Gleichzeitig kommt es aber immer wieder zu Lieferengpässen, weil die Produktion den Bestellungen hinterherhinkt.

Der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck erwartet in den kommenden Jahren Milliardenumsätze aus neuen Produkten. Alleine neue Medikamente aus der Pharma-Pipeline sollen bis 2022 für rund zwei Milliarden Euro zusätzliche Erlöse sorgen, teilte das Unternehmen anlässlich seines Kapitalmarktages mit. Hinzu sollen jeweils rund eine Milliarde Euro Umsatz aus dem Bereich Life Science, der Produkte für Labore und die Pharmaproduktion anbietet, sowie aus dem Spezialchemikaliengeschäft kommen – unter anderem dank einer neuen Generation von Flüssigkristallen für große TV-Geräte. In diesem Jahr will Merck 14,9 bis 15,1 Milliarden Euro erlösen nach 12,8 Milliarden im Vorjahr.

Die Hessen haben im Pharmageschäft eine längere Durststrecke hinter sich. In den vergangenen 13 Jahren brachte Merck nur zwei neue Medikamente auf den Markt. Sie setzen weniger als 100 Millionen Euro im Jahr um. Nun erhofft sich Merck mit dem Multiple-Sklerose-Mittel Cladribin und der Krebs-Immuntherapie Avelumab die Zulassung von gleich zwei Arzneien im kommenden Jahr. Cladribin befindet sich bereits im Zulassungsverfahren in Europa, für Avelumab will Merck noch in diesem Jahr in den USA und Europa die Zulassung zur Behandlung des metastasierten Merkelzellkarzinoms, eine seltene und bösartige Form des Hautkrebses, beantragen. Ursprünglich war dies in den USA aber schon für das dritte Quartal geplant

Avelumab ist derzeit der größte Hoffnungsträger von Merck. Von dem Krebsmittel solle ein Großteil der neuen Pharmaumsätze kommen, sagte Konzernchef Stefan Oschmann in einer Telefonkonferenz. Ab 2017 wollen die Darmstädter jedes Jahr ein neues Medikament oder eine neue Indikation zur Zulassung bringen, bekräftigte er. Größeren Zukäufen mit einem Volumen von über 500 Millionen Euro erteilte Oschmann erneut eine Absage – es sei denn, sie könnten über Verkäufe finanziert werden. Merck wolle sich zunächst auf seine Entschuldung nach der 17 Milliarden Dollar schweren Übernahme des US-Laborausrüsters Sigma-Aldrich im vergangenen Jahr konzentrieren. Mit jährlich 280 Millionen Euro Synergien soll der Zukauf bis Ende 2018 20 Millionen Euro mehr liefern als ursprünglich erwartet.

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