Wirtschaft

Novartis wartet mit Verkauf von Roche-Paket

Novartis denkt weiterhin über einen Verkauf seiner milliardenschweren Beteiligung am Rivalen Roche nach

Die Frühphase der biotherapeutischen Forschung wird am Konzernsitz in Basel und am US-Standort Cambridge nahe Boston zusammengeführt. (Foto: Flickr/Novartis AG/CC by nc nd 2.0)

Die Frühphase der biotherapeutischen Forschung wird am Konzernsitz in Basel und am US-Standort Cambridge nahe Boston zusammengeführt. (Foto: Flickr/Novartis AG/CC by nc nd 2.0)

Konzernchef Joseph Jimenez macht diesen Schritt allerdings davon abhängig, dass der Erlös reinvestiert werden kann. „Beim Timing kommen viele Dinge ins Spiel“, sagte der Amerikaner. „Die Dinge stimmen nicht immer perfekt überein im Hinblick darauf, dass das richtige Ziel oder einige ergänzende Zukäufe bereitstehen, um dieses Mittel umzuschichten.“ Novartis werde entscheiden, wenn es an der Zeit sei.

Der Konzern aus Basel besitzt knapp ein Drittel der stimmberechtigten Roche-Inhaberaktien, die an der Börse aktuell 12,5 Milliarden Franken (11,5 Milliarden Euro) wert sind. Der frühere Novartis-Lenker Daniel Vasella hatte das Paket in der Hoffnung schnüren lassen, einen Schulterschluss der beiden Pharmariesen aus Basel erzwingen. Allerdings kam es nie zu einer Fusion. Denn die Erben der Roche-Gründerfamilie Hoffmann-Oeri, die den Konzern mit einer hauchdünnen Mehrheit von 50,01 Prozent der Stimmrechte kontrollieren, stehen hinter dem Unabhängigkeitskurs, den das Roche-Management verfolgt.

Novartis sehe sich Jimenez zufolge fortlaufende nach ergänzenden Zukäufen um. Das Unternehmen würde zwei bis etwa fünf Milliarden Dollar ausgeben, um seine Produktpipeline zu verstärken oder geografisch zu expandieren.

Der Umsatz soll dieses Jahr weitgehend auf dem Niveau von 2015 liegen, der um Sonderfaktoren bereinigte Betriebsgewinn dürfte in etwa stabil bleiben oder um einen niedrigen einstelligen Prozentbetrag sinken, bekräftigte das Unternehmen aus Basel am Dienstag seine bisherige Prognose. Die Vorgaben gelten unter Ausschluss von Wechselkursschwankungen.

Im Zeitraum Juli bis September lag der Umsatz mit 12,13 Milliarden Dollar leicht unter dem Vorjahresniveau, operativ stand ein Minus von drei Prozent auf 3,38 Milliarden Dollar zu Buche. Analysten hatten im Schnitt 12,25 Milliarden Dollar Verkaufserlös und 3,28 Milliarden Dollar bereinigten Betriebsgewinn prognostiziert. Unter dem Strich stand im dritten Quartal mit 1,95 Milliarden Dollar um sieben Prozent mehr Nettogewinn als ein Jahr zuvor.

Der seit März amtierende neue Forschungschef James Bradner muss dafür sorgen, dass Novartis im Milliardenmarkt der Krebs-Immuntherapie nicht den Anschluss verpasst. Zudem kämpfte der weltgrößte Hersteller von verschreibungspflichtigen Medikamenten in seinem Kerngeschäft mit Rückschlägen: Wegen der Kosten zur Ankurbelung der Verkäufe des Herzmedikaments Entresto und Umsatzeinbußen bei einem wichtigen Blutkrebsmittel droht dieses Jahr ein Gewinnrückgang. Im Mai brachte Konzernchef Joseph Jimenez einen Umbau der größten Geschäftssparte auf den Weg.

Anfang Oktober war bekannt geworden, dass Novartis Stellen streichen wollte. Die Frühphase der biotherapeutischen Forschung wird am Konzernsitz in Basel und am US-Standort Cambridge nahe Boston zusammengeführt. Eine Einrichtung in Schlieren bei Zürich mit 73 Mitarbeitern wird geschlossen und ein Forscherteam in Shanghai aufgelöst, wie ein Novartis-Sprecher am Mittwoch erklärte. In Basel will der Arzneimittel-Hersteller dafür 20 bis 25 neue Stellen in der Entwicklung schaffen.

Zudem verlegt Novartis sein Forschungsinstitut für Tropenkrankheiten, in dem rund 100 Beschäftigte arbeiten, von Singapur nach Emeryville. In der Kleinstadt in der Nähe von San Francisco arbeiten die Schweizer bereits an Arzneien gegen Infektions-Erkrankungen. Wie vielen Stellen in Shanghai und Singapur gestrichen werden, teilte Novartis nicht mit. Im August hatte Novartis seine Zell- und Gentherapie-Einheit aufgelöst und in andere Teile des Unternehmens zu integrieren, was den Abbau von rund 120 Stellen bedeutet.

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