Politik

Umweltministerium will Gentechnik regulieren

Das Ministerium für Umwelt blickt kritisch auf die geplante Monsanto-Übernahme durch die Bayer AG. Gentechnik bleibt ein umstrittenes Thema in der EU

Monsanto ist weltweit der größte Saatgut-Produzent weltweit. (Foto: Flickr/Liji Jinaraj/CC BY-SA 2.0)

Monsanto ist weltweit der größte Saatgut-Produzent weltweit. (Foto: Flickr/Liji Jinaraj/CC BY-SA 2.0)

Das Umweltministerium sieht neue gentechnische Methoden in der Landwirtschaft skeptisch und fordert strenge Zulassungsprüfungen. „Es ist wichtig, auch hier die GVO-Zulassungskriterien anzuwenden“, sagte Staatssekretär Jochen Flasbarth in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. Der Agrarchemie-Hersteller Bayer Cropscience, der in den neuen Methoden ein großes Potenzial sieht, lehnt dies ab.

Bislang werden konventionelle gentechnisch veränderte Organismen (GVO) in der Europäischen Union nur nach aufwendigen Prüfungen zugelassen. Die EU hat aber noch nicht entschieden, ob auch für neue Techniken wie CRISPR/Cas9 die strengen Prüfkriterien oder ob mit dieser Methode hergestellte Pflanzen nur als neue Züchtungen gelten sollen. In dem Fall wäre ihre Marktzulassung ungleich einfacher.

Mit CRISPR/Cas9 können im Vergleich zu konventionellen Verfahren vergleichsweise einfach und preiswerter Teile der genetischen Informationen eines Organismus‘ verändert werden. Die Technik wird vielfach als „Gen-Schere“ oder „Genom Editing“ bezeichnet, mit der gezielt im Chromosomensatz Gene eingefügt oder herausgeschnitten werden können. Experten gehen davon aus, dass mit CRISPR/Cas9 die nächste Stufe der künstlichen Entwicklung von Nutzpflanzen eingeläutet werden kann. Damit könnten etwa Pflanzen mit Resistenzen oder Eigenschaften wie Lagerfähigkeit oder Geschmack hergestellt werden.

Flasbarth warnt davor, dass etwa CRISPR/Cas9-Pflanzen von ihren in freier Natur vorkommenden Verwandten nicht mehr unterschieden werden könnten: „In der Tat kann man manchen Pflanzen am Ende nicht mehr ansehen, dass sie genmanipuliert sind. Das kann aber nicht bedeuten, dass sie als konventionell zu werten sind.“ Entscheidend sei der Eingriff mittels gentechnischer Verfahren. Deshalb müssten diese Nutzpflanzen sowohl europäischem als nationalem Gentechnikrecht unterliegen.

„Es ist wichtig, auch hier die GVO-Zulassungskriterien anzuwenden, weil die Veränderung der Pflanze gravierende Auswirkungen haben kann und die Rückholbarkeit sonst nicht gewährleistet wäre“, sagte der Staatssekretär. Dahinter steckt die Furcht, Pflanzen mit umweltschädlichen Eigenschaften könnten sich ungehindert verbreiten. Konventionelle Gentechnik ist in Pflanzen nachweisbar, wenn etwa Gen-Sequenzen aus Bakterien in das Genom implantiert wurden. Zudem bleiben in dem Genom von konventionellen GVO-Pflanzen Überbleibsel des Eingriffs bestehen. Mit den neuen Methoden können jedoch Gene aus derselben Art kombiniert werden. Das Ergebnis gleicht dem Resultat konventioneller Züchtung über Kreuzungen.

Die Bayer-Tochter Cropscience sieht gerade in dieser Eigenschaft den Grund dafür, die mit den neuen Techniken hergestellten Pflanzen nicht der geltenden GVO-Gesetzgebung zu unterwerfen. „Nach unserer Ansicht sollte, Pflanzen, die keine Gene aus anderen Organismen oder von nicht kreuzbaren Arten enthalten, nicht unter die Gentechnikgesetzgebung fallen“, heißt es in einer Stellungnahme für Reuters. Es sei nicht nachweisbar, ob eine Veränderung natürlich sei oder mit den neuen Verfahren erreicht worden sei.

„Die neuen Züchtungstechniken haben grundsätzlich ein großes Potenzial, die Züchtung von Nutzpflanzen zu unterstützen“, teilte Cropscience mit. „Es geht um eine verbesserte Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten und Schädlinge, Ertragssicherheit und eine hohe Qualität der Ernte.“ Das Unternehmen setzt nach eigenen Angaben „alle neuen Züchtungstechniken in der frühen Forschung ein“.

Bayer will diese Sichtweise mit der Übernahme des US-Konzerns Monsanto in die Tat umsetzen und sieht sich im Zeitplan. „Wir sehen in dem geplanten Erwerb eine große Chance und gehen davon aus, diesen bis Ende 2017 abschließen zu können“, sagte Bayer-Vorstandschef Werner Baumann der „Bild“. Kritik an der Übernahme wies er zurück: „Bis 2050 werden rund drei Milliarden Menschen mehr auf der Erde leben. Die können mit kleinbäuerlichem Anbau nicht alle ernährt werden. Mit Monsanto können wir schneller neue Produkte entwickeln, um dazu beizutragen, das Ernährungsproblem zu lösen.“ Der Kauf sei kein zu großes Risiko für Bayer. „Es geht doch darum, den Landwirten die bestmöglichen Produkte für die Sicherung ihrer Ernten zu liefern – jetzt und in Zukunft.“

Bayer hatte sich nach monatelangem Ringen im September mit Monsanto auf die Übernahme im Volumen von 66 Milliarden Dollar geeinigt. Damit steigen die Leverkusener zum weltgrößten Anbieter von Pflanzenschutzmitteln und Saatgut auf. Monsanto hat ein schlechtes Image und steht wegen aggressiver Geschäftspraktiken und seiner gentechnisch veränderten Produkte seit langem in der Kritik. Die Amerikaner sind auch Entwickler des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat, das im Verdacht steht, krebserregend zu sein. Umweltverbände hatten sich zu Bayers Übernahme-Plänen entsprechend kritisch geäußert.

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