Wirtschaft

Arzneimittelversand: Kein Fortschritt ohne Veränderungen

Versandapotheken geben regulären Apotheken die Möglichkeit, den Markt nach eigenen Vorteilen gestalten zu können

Versandapotheken stützen den Handel in infrastrukturschwachen Regionen. (Foto: © BVDVA)

Versandapotheken stützen den Handel in infrastrukturschwachen Regionen. (Foto: © BVDVA)

Der Arzneimittelversand steht derzeit im Fokus und er bietet Vorteile für alle, auch wenn Boni auf verschreibungspflichtige Medikamente gewährt werden dürfen. Er ist Teil der Digitalisierung des Gesundheitswesens und wird von mehr als der Hälfte der deutschen Internetnutzer im Alltag praktiziert. Im Zusammenspiel mit dem kommenden digitalen Rezept ist er ein wichtiger Baustein unseres Gesundheitswesens und trägt zu dessen Weiterentwicklung bei.

Deutschland will und muss das Gesundheitssystem modernisieren, was ohne den Versandhandel mit seinen digitalisierten Prozessen einem Rückschlag gleichkäme.

Patienten können sich komfortabel Medikamente zusenden lassen, auch wenn sie ihre Wohnung nur mit Hilfe verlassen können. Wer mit dem Internet nicht umgehen kann, bestellt per Telefon. Dazu ist die Fachberatung per Telefon, Mail oder Chat durch die Versandapotheken sichergestellt. Viele speziell ausgebildete Ansprechpartner stehen zur Verfügung.

Krankenkassen könnten mit Boni auf verschreibungspflichtige Medikamente Kosten einsparen. Damit wird das soziale Sicherungssystem in Deutschland finanziell eher gefördert als gefährdet.

Versandapotheken stützen die Versorgung in strukturschwachen Regionen, wo die Unterversorgung mit Präsenzapotheken bereits Gegenwart ist. Präsenzapotheken haben Niederlassungsfreiheit und es gibt bisher wenig Anreize, sich nicht in einer guten Lage anzusiedeln. Das gleichen Versandapotheken aus.

Apotheken erhalten mit einer freieren Preisgestaltung Anreize, sich in Regionen niederzulassen, in denen sie aufgrund geringer Konkurrenz bessere Margen erzielen können. So wirkt sich Wettbewerb – der in fast allen Branchen zugelassen ist – positiv auf die Apotheken vor Ort aus. Außerdem schafft der 2013 eingeführte Nacht- und Notdienstfonds vielerorts einen fairen Ausgleich.

Kommentare

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  1. Abgesehen davon, dass Präsenzapotheken gerade auf dem Land schon seit Jahrzehnten täglich „komfortabel Medikamente nachhause liefern“ und zur Beratung mit „speziell ausgebildetem“ Fachpersonal (auch telefonisch oder per Internet) jederzeit Ansprechpartner sind, sind die Folgerungen des Autors, die wirtschaftlichen Folgen des Boni-Gerichtsurteil betreffend, vollkommener Humbug.Die Krankenkassen bekommen von den Apotheken bereits einen Bonus, den sogenannten „Kassenrabatt“, das Gerichtsurteil hat jetzt weitere Begehrlichkeiten bei den Kassen geweckt. Als Inhaber einer kleinen Landapotheke sage ich Ihnen, eine weitere noch so kleine Verringerung der „Margen“ bei verschreibungspflichtigen Arzneien würde uns das Genick brechen. Die Apotheke im Nachbardorf schließt gerade. Wir wären die nächste. Zehn teilzeitbeschäftigte Angestellte, vorwiegend junge Mütter, wären arbeitslos. Aber wir haben ja den Notdienstfonds. Für 8 bis 9 Notdienste im Quartal 2000 Euro. Das wird uns sicher retten.

  2. Fachgerechte und persönliche Beratung auf höchstem Niveau scheint im Gesundheitssystem nicht mehr gefragt zu sein. Schade für unser Land!!!!!!

  3. Das hört sich gut an. Allerdings ist es eine Tatsache, dass jede Präsensapotheke nicht nur die gleichen Leistungen anbieten kann, sondern sogar einige mehr wie die Belieferung mit starken Schmerzmitteln, Kühlartikeln und Rezepturen. Außer einem leichten Preisvorteil bieten Versandapotheken also nichts Neues. Dafür können sie aber dazu beitragen, die Infrastruktur in ländlichen Gebieten weiter zu verschlechtern. Ich sehe also in der Abwägung der Vor- und Nachteile die Nachteile überwiegen.

  4. Es wurde Zeit, dass die Apotheken ihren Monopolstatus verlieren. Denn in der Qualität sind sie schon seit Jahren nur Mittelmaß. Gerade die Tests bei der Beratung haben das eindrucksvoll gezeigt.