Wirtschaft

Pfizer: Millionenstrafe für überhöhte Preise

Rekordstrafe für Pfizer in Großbritannien nach Arznei-Preiserhöhung.

 Im zweiten Quartal kletterte der Umsatz um elf Prozent auf knapp 13,2 Milliarden Dollar. (Foto: Flickr/ AnToonz/CC by nc nd 2.0)

Im zweiten Quartal kletterte der Umsatz um elf Prozent auf knapp 13,2 Milliarden Dollar. (Foto: Flickr/ AnToonz/CC by nc nd 2.0)

Die britischen Wettbewerbsaufseher haben dem US-Pharmakonzern Pfizer wegen drastisch gestiegener Preise für ein Epilepsie-Medikament eine Strafe von umgerechnet rund 100 Millionen Euro aufgebrummt. Hintergrund seien um 2600 Prozent höhere Preise, teilte die Aufsichtsbehörde CMA mit.

„Das ist die höchste Strafe, die die CMA verhängt hat und sendet eine klare Botschaft an die Branche aus, dass wir entschlossen sind, bei solchem Verhalten hart durchzugreifen.“ Die Preiserhöhungen waren möglich, weil das Mittel durch die Entscheidung, auf die Markenrechte zu verzichten, nicht mehr preisgebunden war. Pfizer widersprach den Vorwürfen und kündigte Berufung an.

Auch die britische Firma Flynn Pharma, die die Rechte von Pfizer an dem Epilepsie-Mittel im September 2012 übernommen hatte, wurde mit einer Strafe von mehr als sechs Millionen Euro belegt. „Die Unternehmen nutzten vorsätzlich die Möglichkeiten durch den Wegfall der Markenrechte aus, um den Preis für ein Medikament zu erhöhen, auf das sich viele Tausend Patienten verlassen“, kritisierte die Behörde. Während die Kosten für das Mittel im britischen Gesundheitswesen 2012 noch bei zwei Millionen Pfund lagen, kletterten sie im Jahr danach auf 50 Millionen.

Die Behörde kritisierte zudem, dass die Preise für die Arznei in Großbritannien um ein Vielfaches höher gewesen seien als in anderen europäischen Ländern. Pfizer teilte dagegen mit, das Mittel habe Verluste eingefahren und deshalb habe der Konzern abwägen müssen, es weiter anzubieten. Der von Flynn gesetzte Preis habe sogar noch um bis zu 40 Prozent weniger betragen als die Kosten für eine vergleichbare Tablette von einem anderen Anbieter.

Pfizer hatte im September die Übernahme des US-Krebsspezialisten Medivation angekündigt. Pfizer will mit dem Zukauf sein Angebot an Krebsmedikamenten ausbauen. Das Unternehmen will nach eigener Auskunft 81,50 Dollar in bar je Medivation-Aktie zahlen. Die Offerte liegt damit mehr als 21 Prozent über dem Medivation-Schlusskurs von letzter Woche. Im vorbörslichen Handel schossen die Papiere um 20 Prozent in die Höhe auf 80,70 Dollar.

Die Übernahme des Medizinprodukte-Herstellers Hospira und ein florierendes Geschäft mit neuen Arzneimitteln gaben Pfizer einen Schub. Im zweiten Quartal kletterte der Umsatz um elf Prozent auf knapp 13,2 Milliarden Dollar, wie der Viagra-Konzern mitteilte. Dabei verhinderten negative Wechselkurseffekte durch den starken Dollar ein noch größeres Plus. Ohne den 16 Milliarden Dollar schweren Zukauf von Hospira, den Pfizer im vergangenen Herbst abgeschlossen hatte, wäre der Umsatz nur um vier Prozent gewachsen.

Das bereinigte Ergebnis kletterte um elf Prozent auf 3,9 Milliarden Dollar. Unter dem Strich sank der Gewinn jedoch wegen Restrukturierungskosten und Aufwendungen für Übernahmen um mehr als ein Fünftel auf rund zwei Milliarden Dollar. Für das Gesamtjahr bekräftigte Pfizer seine im Frühjahr angehobenen Prognosen.

Anfang August gab Pfizer zudem die Übernahme des Gentherapie-Entwicklers Bamboo Therapeutics in Höhe von 645 Millionen Dollar bekannt. Durch die Akquisition bekommt der Viagra-Anbieter unter anderem Zugang zu Gentherapien für die Behandlung von selten auftretenden Formen von Muskelschwund oder auch Erkrankungen des Nervensystems. Bisher befinden sich die Bamboo-Mittel noch in der Entwicklung.

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