Biotech

Investitionen in Food-Tech-Branche 2015 um zwei Drittel gestiegen

Die Studie konzentriert sich auf die Entwicklungen im Bereich der Food-Tech-Start-ups im weiteren Sinne.

Start-ups sollen etablierten Unternehmen helfen, ihre notwendige Innovationskraft wieder zu erlangen. (Foto: Flickr/Tim Bartel/ CC by sa 2.0)

Start-ups sollen etablierten Unternehmen helfen, ihre notwendige Innovationskraft wieder zu erlangen. (Foto: Flickr/Tim Bartel/ CC by sa 2.0)

 

Junge Firmen mit den Spezialgebieten Crop Science (Acker- und Pflanzenbau), AgTech (Agrartechnologie), Digital Farming (digitale Landwirtschaft) sowie Food Processing (Lebensmittelverarbeitung) drängen auf den Markt, fordern traditionelle Produktionsmodelle heraus und haben sich der Revolutionierung des Marktes verschrieben. Die Food-Tech-Industrie verlagert sich mehr und mehr auf nachhaltige Innovationen, die ökologische Faktoren verbessern.

Da die Weltbevölkerung ständig wächst, wird es immer deutlicher, dass technologische Neuerungen dringend gebraucht werden. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass sich die Investitionen in diesem Sektor im letzten Jahr im Vergleich zu 2014 um fast zwei Drittel erhöht haben. So stieg die Finanzierungsaktivität im Food-Tech-Segment im Jahresvergleich deutlich an: plus 65 Prozent Volumen und 58 Prozent mehr Finanzierungsrunden. Das gesamte Investmentvolumen stieg 2015 auf über 2 Milliarden US-Dollar. Dies verdeutlicht, dass das Interesse von großen Unternehmen und Investoren an der Food Tech-Branche insgesamt stark zugenommen hat. Mit der aktuellen Studie liefert CUBE eine detaillierte Einsicht in Entwicklungen und Trends in diesem lebenswichtigen globalen Wirtschaftszweig.

Der Branchenüberblick konzentriert sich auf die vier großen Segmente von der Saat bis zur fertigen Nahrung: Crop Science, AgTech, Digital Farming und Food Processing. Gewinner in Bezug auf Investitionsvolumen sowie Finanzierungsrunden im Jahr 2015 ist der Bereich AgTech, gefolgt von Digital Farming und Food Processing. Einzig im Bereich Crop Science sank das Investmentvolumen aufgrund geringerer Gesamt- sowie kleinerer individueller Investments in Crop & Soil-Tech. Investments in Spezialgebiete der Crop-Science-Branche – Biotech und Biomaterials – stiegen jedoch an und erzielten höhere individuelle Finanzierungen.

Das jährliche AgTech-Investmentvolumen hat sich 2015 fast verdreifacht auf 1,2 Milliarden US-Dollar. 67 Prozent der Start-up-Finanzierungsrunden im Jahr 2015 gingen an Anbieter digitaler Lösungen für Landwirte in Form von AgTech und Digital-Farming-Anwendungen (2014: 44 Prozent). Die Anzahl der Finanzierungsrunden nahm besonders stark im Bereich AgTech mit +58 Prozent zu. Zudem gab es hier das höchste Durchschnittsvolumen von 10,3 Millionen US-Dollar. Der Investmentanstieg im Bereich AgTech um +266 Prozent wurde hauptsächlich von größeren Investments in Bewässerungs- und Wasser-Tech-Start-ups (56 Prozent) bestimmt. Darüber hinaus erhielt das Spezialgebiet Drohnen und Robotik (32 Prozent) etwas mehr als ein Drittel der 2015er-Finanzierungen in diesem Bereich.

Als ein spannendes Beispiel der AgTech-Branche führt CUBE in der Studie die Berliner Firma ECF Farmsystems an, ein Spezialist im Bereich Aquaponik Farming. Aquaponik bezeichnet ein Verfahren, das Techniken der Aufzucht von Fischen in Aquakultur mit Gemüseanbau in Hydrokultur verbindet. Hierbei wird das Fischaufzuchtwasser für die Versorgung von gleichzeitig angebautem Gemüse mit Wasser und Naturdünger verwendet. Der Effekt: Wassereinsparung um bis zu 90 Prozent bei Fischzucht und Gemüseanbau, Einsparung von Nutzflächen und geringere Kosten für Dünger und Transport gegenüber herkömmlichen Ansätzen.

Im Bereich Digital Farming sorgte ein großer Finanzierungsdeal für den Anstieg des Investment-Volumens. Die Anzahl der Runden und das durchschnittliche Volumen stiegen ebenfalls an. Decision-Support-Systeme für die Landwirtschaft zogen 128 Prozent mehr Finanzierungsvolumen an als noch 2014. Digital-Farming-Start-ups, die Landwirten den Zugang zu Big Data und zu Cloud-Anwendungen geben, erhielten 2015 Finanzierungen in Höhe von 295 Millionen US-Dollar. Die Start-ups entwickelten intelligente Lösungen, um Daten von Satelliten, Kameras, Sensoren sowie aus Netzwerken zu ziehen und zu nutzen. Diese dienen dazu, Landwirte bei Entscheidungen und in der Präzisionslandwirtschaft zu unterstützen.

Zu den beispielhaften Vertretern der Digital Farming-Branche gehört die US-amerikanische Firma Planet Labs. Sie bietet eine Technologie, die Informationen über die sich verändernde Erde via Satellitenbildaufnahmen sammelt. Die Hochfrequenzbilder liefern einen konstanten Strom aktueller Informationen, um Veränderungen an Ernte und Böden zu identifizieren. Der Datenstrom ist über eine Cloud-basierte Plattform zugänglich und ermöglicht Landwirten, fundiertere Entscheidungen zu treffen, Einsatzmengen zu optimieren, die Profitabilität zu steigern sowie nachhaltige Landwirtschaftsmethoden zu verbessern.

Im Bereich Food Processing bestimmten Investments in Food-Tech- und Nahrungsmittelsicherheits-Start-ups den Gesamtanstieg. Das Segment „Nachhaltiges Protein“ erhielt 44 Prozent der Investitionssumme und zog hohe Einzelfinanzierungen an. Dies ist ein Spezialgebiet der Branche, das sich mit der Ersetzbarkeit von Eiern und Fleisch durch Pflanzenproteine beschäftigt – eine wichtige globale Herausforderung.

Etablierte Unternehmen aus der Lebensmittelindustrie und dem Landwirtschaftssektor investieren in Start-ups, um mit Konkurrenten Schritt zu halten oder um neue Wachstumsfelder zu erschließen. Dazu gehört die Schweizer Firma Syngenta, ein Agrar-Riese für Saatgut und Pflanzenschutz mit einem Gesamt-Investmentvolumen von 100 Millionen US-Dollar, das u. a. in Technologien rund um Crop Science und Digital Farming fließt. Andere bekannte Firmen wie Bayer (Deutschland) investieren in erster Linie in die eigenen Kernbranchen. Im Fokus der Investitionen steht dabei die Pflanzenforschung. Bei einem Gesamt-Investmentvolumen von 175 Millionen Euro investiert BASF (USA) u. a. in Biotechnologie.

Auch Internet-Unternehmen investieren in AgTech-Anwendungen wie Smart Equipment. Dazu gehört der Internet- und Werbegigant Google, der in weitere Branchen vorstößt, in denen Nutzerdaten relevant sind. Bei einem Gesamt-Investmentvolumen von 960 Millionen US-Dollar gehört die Robotik zu seinen Investitionsfeldern. Auch Spieler außerhalb der Industrie entdecken neue Weidegründe für ihre Anwendungen – darunter SAP. Im Fokus bei einem Gesamt-Investmentvolumen von 650 Millionen US-Dollar steht für SAP der Bereich Digital Farming. Das deutsche Unternehmen entwickelt auch eigene Lösungen für die Präzisionslandwirtschaft mit ERP-Technologien, Big Data- und Cloud-Anwendungen.

„Unsere Studie zeigt, dass Food-Tech immer wichtiger wird und vor allem die Bereiche Agtech und Digital Farming stark gewachsen sind. Das zeigt die Zahl der Investitionen deutlich. Wir gehen davon aus, dass diese Entwicklung in den nächsten Jahren weiter zunehmen wird und zukünftig weitere Start-ups in den Markt einsteigen werden“, kommentiert Dr. Torsten Oelke, Executive Chairman CUBE, die Ergebnisse.

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