Medizin

Medizinsoftware-Firma Compugroup wendet sich von Agfa ab

Aus der Übernahme des Grafik- und Druck-Spezialisten Agfa durch Medizinsoftware-Firma Compugroup wird nichts.

Mit Agfa hatte Compugroup offenbar nicht das fehlende Puzzle im Portfolio finden können. (Foto: Flickr/Thiago Jacomasso/CC by nd 2.0)

Mit Agfa hatte Compugroup offenbar nicht das fehlende Puzzle im Portfolio finden können. (Foto: Flickr/Thiago Jacomasso/CC by nd 2.0)

Man habe sich geeinigt, die Verhandlungen nicht fortzuführen, teilten beide Unternehmen am Abend mit. Eine Begründung für das Scheitern wurde nicht genannt. Agfa hatte sich vor drei Wochen auf Gespräche mit dem Koblenzer Unternehmen eingelassen, sich aber vorbehalten, parallel nach anderen Käufern zu suchen. Compugroup bekam deshalb nur begrenzten Einblick in die Agfa-Bücher.

Das ehemals deutsche, mittlerweile im belgischen Mortsel ansässige Unternehmen ist an der Börse 725 Millionen Euro wert. Compugroup kommt auf einen Börsenwert von zwei Milliarden Euro.

Der Spezialist für Software für Ärzte und Apotheker mit 4300 Mitarbeitern war Ende Oktober auf die deutlich umsatzstärkere Agfa zugegangen. Allerdings hatten Analysten gefürchtet, dass sich das Koblenzer Familienunternehmen mit dem Zukauf übernehmen könnte. Agfa-Gevaert kam in den ersten neun Monaten auf einen Umsatz von 1,87 Milliarden Euro (minus fünf Prozent). Das Geschäft mit der Gesundheitsbranche, das zu Compugroup gepasst hätte, macht davon aber nur 800 Millionen Euro aus. Compugroup erwirtschaftete in den ersten drei Quartalen einen Umsatz auf 407 Millionen Euro, ist aber deutlich profitabler.

Aktionäre der Medizinsoftware-Schmiede CompuGroup Medical atmeten nach dem Platzen der Übernahme von Agfa-Geveart auf. Die Titel des Koblenzer Unternehmens legten am vergangenen Freitag um ein Prozent zu, nachdem Compugroup das Aus für die Gespräche mit dem belgischen Druck- und Grafik-Spezialisten verkündet hatte. Agfa-Aktien brachen dagegen um 18 Prozent ein. Investoren hätten der geplanten Übernahme des weit größeren Unternehmens von Beginn an skeptisch gegenübergestanden und befürchtet, dass die hohen Pensionsverpflichtungen von Agfa eine Bürde für Compugroup werden, sagte ein Börsianer. Eine vollständige Übernahme wäre für Compugroup strategisch unsinnig gewesen, erklärten die Analysten von KBC Securities. Agfa wäre aber wohl nicht bereit gewesen, mit der Medizintechnik-Sparte sein renditeträchtigstes Geschäft allein abzugeben.

Beide Unternehmen äußerten sich nicht zu den Gründen für das Scheitern. Compugroup ist auch jetzt für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Das Unternehmen gehört zu fast 47 Prozent der Familie von Vorstandschef Frank Gotthardt.

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