Wirtschaft

Johnson&Johnson sagt Übernahme von Actelion ab

Bei der Übernahme des Biotech-Unternehmens Actelion wird hart verhandelt. J&J war dies offenbar zu viel

Ein Kauf-Interessent geht, ein neuer kommt: Der US-Konzern Johnson & Johnson (J&J) gibt seine Pläne auf, das Biotech-Unternehmen Actelion zu übernehmen. Stattdessen ist der Schweizer Konzern nun in Gesprächen mit einem anderen Interessenten über „eine mögliche strategische Transaktion“, wie Actelion in der Nacht auf Mittwoch mitteilte. Namen nannte die Firma nicht. Medienberichten zufolge handelt es sich dabei um den französischen Pharmakonzern Sanofi. Er wurde bereits zuvor als möglicher Käufer für das Biotech-Unternehmen genannt. An der Börse belastete das Ende der Verhandlungen mit J&J die Actelion-Aktien: Sie rutschten um rund sieben Prozent auf 194 Franken ab.

Mit J&J hatten die Schweizer Insidern zufolge über eine Übernahme im Volumen von rund 27 Milliarden Dollar verhandelt. Das „Wall Street Journal“ und die „Financial Times“ berichteten nun, Sanofi könnte bis zu 30 Milliarden Dollar für das Biotech-Unternehmen auf den Tisch legen. Ein Sanofi-Sprecher wollte sich dazu nicht äußern.

Einem Insider zufolge zeigte sich Actelion gegenüber J&J zuversichtlich, eine Offerte zu bekommen, die deutlich über dem J&J-Angebot von rund 250 Franken pro Aktie liege. Er begründete das Scheitern der Gespräche auch damit, dass es unterschiedliche Auffassungen über die Struktur des Deals gegeben habe.

Geld allein scheint bei einer Übernahme nicht entscheidend zu sein: Als ein Schlüsselfaktor gilt die Haltung von Actelion-Chef Jean-Paul Clozel. Der 61-jährige Kardiologe, einer der Firmengründer und größten Aktionäre, war in der Vergangenheit ein entschiedener Verfechter eines eigenständigen Kurses. Der Ausstieg von J&J zeigt, dass Clozel mit harten Bandagen kämpft. Denn bereits eine Offerte von 27 Milliarden Dollar würde einem Aufschlag von rund 60 Prozent im Vergleich zum Firmenwert vor dem Aufkommen der Übernahmespekulationen entsprechen.

Entsprechend kritisch äußerten sich Börsianer zum Ende der Gespräche. „Es kann nicht sein, dass die Firma ein Angebot zurückweist, das eine so hohe Prämie beinhaltet“, sagte ein Händler. „Ich kann mir gut vorstellen, dass einige Aktionäre inzwischen etwas stinkig geworden sind“, sagte ein anderer Börsianer.

Die 1997 gegründete Actelion mit Sitz in Allschwil nahe Basel gilt seit längerem als Übernahmekandidat. Das Unternehmen ist spezialisiert auf Medikamente zur Behandlung von lebensbedrohlichem Bluthochdruck im Lungenkreislauf (PAH). Im Vorjahr stand bei zwei Milliarden Franken Umsatz unter dem Strich ein Gewinn von 552 Millionen Franken. Das weckt Begehrlichkeiten, doch bislang konnte Actelion sämtliche Übernahmeversuche wie etwa den des Finanzinvestors Elliott abwehren. Auch dem US-Rivalen Amgen und dem Pharmakonzernen Shire aus Großbritannien wurde bereits Interesse nachgesagt.

Für Sanofi stünde mit einem Einstieg in das Rennen um Actelion viel auf dem Spiel: Der französische Konzern zog bereits im Rennen um den US-Krebsspezialisten Medivation den Kürzeren. Hier war letztlich Pfizer mit einem 14 Milliarden Dollar schweren Angebot erfolgreich. Nach Einschätzung von Analysten kann sich Sanofi-Chef Olivier Brandicourt eine weitere Niederlage in einem hochkarätigen Bieterrennen nicht leisten. Er hatte Zukäufe bereits in Aussicht gestellt und Ende Oktober gesagt: „Wir werden in der Lage sein, schnell zu handeln, wenn sich attraktive Gelegenheiten bieten.“

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