Analyse

Probleme für Flüchtlinge bei ärztlicher Versorgung

Ein Bericht von Ärzte der Welt zeigt auf, dass selbst in Europa nicht alle Gesellschaftsschichten den Zugang zu medizinischer Versorgung haben können.

Eine Erstversorgung ist längst nicht mehr selbstverständlich. (Foto: Flickr/Christian C/CC BY-SA 2.0)

Eine Erstversorgung ist längst nicht mehr selbstverständlich. (Foto: Flickr/Christian C/CC BY-SA 2.0)

In Brüssel wurde am 15. November 2016 in einer Pressekonferenz der jährlich erscheinende Bericht von Ärzte der Welt vorgestellt, der den Zugang zur Gesundheitsversorgung für Menschen am Rande der Gesellschaft, etwa für Menschen ohne Krankenversicherung, in Europa untersucht. Die humanitäre Organisation unterhält in Europa medizinische Anlaufstellen und wertet Daten von Patienten in elf europäischen Ländern sowie in der Türkei aus. Prägend für die Arbeit von Ärzte der Welt in Europa und in Deutschland war 2016 die medizinische Hilfe für Flüchtlinge.

2015 wurden in 31 Städten in zwölf Ländern 9.601 Patienten befragt. Der Bericht zeigt, dass 43,6 Prozent der schwangeren Frauen keinen Zugang zu Geburtsvorsorge hatten, bevor sie zu einer Praxis von Ärzte der Welt oder eine Partnerklinik kamen. Für die werdenden Mütter und ihre Kinder stellt dies ein hohes Gesundheitsrisiko dar. Erschreckenderweise waren 40 Prozent der Kinder, die in den Ambulanzen von Ärzte der Welt behandelt wurden, nicht gegen Mumps, Masern und Röteln geimpft und ein Drittel (29,8 Prozent) nicht gegen Tetanus. Auch bei anderen Krankheiten wie Hepatitis B lag ein schlechter Impfstatus vor.

Von den Befragten hatten 12,8 Prozent eigene Gewalterfahrungen, was Gewalt durch die Polizei oder bewaffnete Kräfte einschließt. 26 Prozent der Menschen berichten von psychischer Gewalt. Von den Menschen, die in Europa interviewt worden waren, kamen 43,2 Prozent aus einem Kriegsgebiet. Über ein Viertel der Befragten (26,7 Prozent) litten an Hunger.

Der Bericht bringt die hohen Barrieren zur deutschen Gesundheitsversorgung ans Licht. Hierfür wurden alle Patienten aus den Praxen in München und Hamburg befragt: Von diesen verzichten 35 Prozent auf den Gang zum Arzt, weil sie sich einen Arztbesuch, Medikamente oder eine Krankenversicherung nicht leisten können. Besonders besorgniserregend ist die Situation von Schwangeren und Minderjährigen: In München zum Beispiel erfolgen 26 Prozent der Untersuchungen bei Frauen aufgrund einer Schwangerschaft.

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