Wirtschaft

Kommunale Kliniken können nicht mehr investieren

Viele Kliniken in Deutschland stehen vor der Pleite – besonders kommunale Häuser in strukturschwachen Regionen

Viele Kliniken besitzen überteuerte Wartungsverträge für Medizintechnik. (Foto: Flickr/Eelke/CC BY 2.0)

Viele Kliniken besitzen überteuerte Wartungsverträge für Medizintechnik. (Foto: Flickr/Eelke/CC BY 2.0)

Vor wenigen Wochen hat das Evangelische Krankenhaus Zweibrücken geschlossen. Grund: Finanzielle Probleme. „Die Investitionsfähigkeit der rund 2000 Kliniken in Deutschland sinkt dramatisch“, sagt Kai Hafermann, Geschäftsführer der Ingenieurs- und Projektmanagementgesellschaft Curatis GmbH aus Eschborn bei Frankfurt, die bundesweit seit mehr als 15 Jahren die Kostenstrukturen von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen untersucht. „Es sind zu wenig Eigenmittel vorhanden, um dringend anstehende Sanierungsmaßnahmen in den Häusern voranzutreiben. Drei von vier Kliniken in Deutschland sind nicht ausreichend investitionsfähig.“

Die Ursachen liegen laut Hafermann nicht nur in der stetig rückläufigen öffentlichen Förderquote, mit der die Bundesländer den Häusern unter die Arme greifen sollen. Stichwort: duale Finanzierung. Auch die häufig vorgeschobene „mangelnde Auslastung“ sei kein Grund, Kliniken schließen zu müssen. Die Ursachen für den dramatisch wachsenden Investitionsstau seien vielmehr in der betriebswirtschaftlichen Betrachtung der „Spezialimmobilie Krankenhaus“ zu suchen.

Alle haben die Behandlungskosten auf dem Schirm, aber nur wenige denken auch an die Betriebskosten“, so Hafermann. „Dabei gehört die Bewirtschaftung des Gebäudes und der damit verbundenen Unterhaltskosten zu den größten Kostenfressern im Klinikbudget.“

Energie, Küche, textile Versorgung, Reinigung, Medizintechnik: Rund ein Viertel der laufenden Kosten, die Kliniken zu tragen haben, müssen für die Bewirtschaftung der Immobilie aufgewendet werden.

Der Ruf nach Investitionshilfen macht deutlich, wie dramatisch die Situation an vielen Standorten bereits ist. Marktexperten beziffern den Investitionsstau der Krankenhäuser in Deutschland auf aktuell 27,8 Milliarden Euro. Da nur jeder zweite Euro für Investitionen aus Fördermitteln stammt – die öffentliche Förderquote der Bundesländer liegt derzeit bei 2,7 Milliarden Euro pro Jahr –, müssen die Kliniken selbst aktiv werden, um ihre finanziellen Möglichkeiten zu stärken und ihre Defizite abzubauen.

Curatis hat in mehr als 500 Projekten die häufigsten Ursachen für Defizite im Krankenhausbetrieb analysiert:

Verschwendung in der Küche

In jeder zweiten Krankenhausküche agiert der Einkauf unabhängig von der Bettenbelegung. Benötigte Mengen für einen Beköstigungstag (BKT) werden falsch kalkuliert, Speisepläne schlecht geplant; Lebensmittel wandern in den Müll.

Teure Wartungs- und Versorgungsverträge

In fünf von zehn Fällen arbeiten Kliniken in Deutschland nach CURATIS-Analyse mit überteuerten Wartungsverträgen für medizintechnische Geräte. Auch die Verträge mit Energieversorgen sind oft überteuert.

Fehlplanungen bei Um- und Neubauten

Zu wenig Betten auf der Station, zu lange Wege im Haus: Jede fünfte Klinik macht Fehler bei der Planung von Neu- und Umbauten. Lange Wege kosten Zeit (und Personal), Stationen mit weniger als 30 Betten lassen sich kaum wirtschaftlich betreiben.

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