Studie

Ärzte: Bürokratie senkt Behandlungszeit für Patienten

Klinikärzte fordern Entlastung bei bürokratischen Tätigkeiten, um sich auf ihre eigentliche Arbeit zu konzentrieren

Viele Ärzte klagen über immer weniger Zeit für den Patienten bei wachsenden Anforderungen in der Dokumentation ihrer Arbeit. (Foto: Flickr/ILO in Asia and the Pacific/CC BY NC ND 2.0)

Viele Ärzte klagen über immer weniger Zeit für den Patienten bei wachsenden Anforderungen in der Dokumentation ihrer Arbeit. (Foto: Flickr/ILO in Asia and the Pacific/CC BY NC ND 2.0)

Ein typischer Arzt in einem durchschnittlichen deutschen Krankenhaus geht motiviert zur Arbeit, weil er gern mit Menschen arbeitet und sich freut, seinen Patienten tagtäglich bestmöglich helfen zu können. Das ist nicht immer einfach, denn er verzweifelt an der Büroarbeit. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Marktforschungsinstituts DocCheck, für die in Asklepios-Kliniken bundesweit 100 niedergelassene Ärzte aller Fachrichtungen und 100 in einer Klinik angestellte Ärzte aller Fachrichtungen der Humanmedizin (ohne Zahnmedizin) im August und September 2016 online befragt wurden.

Acht von zehn Krankenhausärzten geben an, dass sie der Spaß an der Tätigkeit mit Menschen und die Hilfe für ihre Patienten motiviert, jeden Tag für sie da zu sein. Aber genau so viele Mediziner wünschen sich nichts mehr, als von bürokratischen Aufgaben entlastet zu werden. DocCheck hat in der Umfrage im Auftrag der Asklepios Kliniken untersucht, welche Herausforderungen Ärzte in ihrem Arbeitsalltag besonders belasten und wie ihrer Einschätzung nach das Gesundheitssystem in Deutschland besser funktionieren könnte.

Die Belastung durch überbordende Bürokratie beeinträchtigt Krankenhausärzte nicht nur in ihrer eigenen Klinik, sondern belastet das gesamte Gesundheitssystem. 77 Prozent von ihnen würden sich „auf jeden Fall“ weniger Bürokratie und Dokumentation wünschen. Das einzige, was den Klinik-Medizinern für das deutsche Gesundheitssystem im Ganzen noch wichtiger wäre, ist mit 80 Prozent eine bessere Entlohnung von medizinischem und Pflegepersonal.

„Nach der Alltagserfahrung der Mediziner ist das Grundübel im deutschen Gesundheitssystem die Fehlbelastung der Ärzte durch eine Vielzahl medizinfremder Tätigkeiten, hervorgerufen vor allem durch den vorgeschriebenen Dokumentationsaufwand“ so Christoph U. Herborn, Medizinischer Direktor bei Asklepios. „Sie sehen darin eine massive Belastung, da ihnen diese Zeit für die Patienten fehlt.“

Die niedergelassenen Ärzte sehen die Problemlage ähnlich wie ihre Kollegen in den Kliniken, sogar noch etwas stärker: 84 Prozent der Praxisärzte sind überzeugt, dass das Gesundheitssystem an der Bürokratie krankt. Dass mehr Geld für medizinisches Personal und für Pflegekräfte gut wäre, meinen 83 Prozent der niedergelassenen Ärzte. An dritter Stelle der Wünsche der Praxisärzte für eine Verbesserung der Gesundheitsversorgung steht eine Reduzierung des Drucks durch die Kostenträger, also vor allem der Krankenkassen, den zwei Drittel „auf jeden Fall“ für notwendig halten.

Bei der Wahl des Arbeitsplatzes stehen für die Klinikärzte mit 97 Prozent die Arbeitsbedingungen im Vordergrund, wie zum Beispiel die Vereinbarkeit von Beruf und Familienleben. 91 Prozent erwarten von einem Krankenhaus als Arbeitgeber gute Möglichkeiten zur fachlichen Weiterbildung. Nachrangig ist für die Mediziner, wie der Träger oder ärztliche Institutionen und Standesvertreter die Klinik einschätzen, sowie die Möglichkeit, klinisch zu forschen. Solche Aspekte spielen nicht einmal für jeden vierten Arzt bei der Wahl eines Krankenhauses als Arbeitgeber eine entscheidende Rolle.

Obwohl sie den Träger bei der Wahl des Arbeitsplatzes für sich selbst als nachranging einstufen, empfinden Klinikärzte aus privat betriebenen Krankenhäusern ihr Arbeitsumfeld verglichen mit den Kollegen in öffentlicher Trägerschaft doppelt so häufig als attraktiv für Nachwuchsärzte: 36 Prozent der befragten Ärzte aus Kliniken mit privater Trägerschaft meinen, junge Mediziner finden als Angestellte in Krankenhäusern das attraktivste Arbeitsumfeld. Unter den befragten Ärzten aus Kliniken in öffentlicher Hand sehen dies lediglich 18 Prozent so. Unter Ärzten aus konfessionellen Krankenhäusern liegt diese Quote bei 32 Prozent.

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