Analyse

Jedes dritte neue Medikament hat keinen Zusatznutzen

Krankenkassen und Pharma-Unternehmen streiten sich über den Mehrwert bestimmter Medikamentengruppen. Die Kassen halten 60 Prozent der Arzneien für wertlos.

Kassen und die Pharmaindustrie streiten über den Nutzen zugelassener Medikamente. (Foto: Flickr/cg\ v/CC BY 2.0)

Kassen und die Pharmaindustrie streiten über den Nutzen zugelassener Medikamente. (Foto: Flickr/cg\ v/CC BY 2.0)

Nur jedes dritte neue Medikament hat nach einer Auswertung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) einen Zusatznutzen im Vergleich zu herkömmlichen Therapien. Von 129 Medikamenten, für die seit 2012 Preisverhandlungen zwischen Herstellern und GKV-Verband geführt wurden, sei dies gerade mal bei 44 der Fall, wie aus einer Reuters vorliegenden Zwischenbilanz hervorgeht. 41 neue Arzneien seien komplett ohne medizinischen Mehrwert im Vergleich zu herkömmlichen Therapien. Ein weiteres Drittel (44 Präparate) hatte den Angaben zufolge nur für einen Teil der Patienten einen Zusatznutzen.

Niedergelassene Ärzte müssten rasch Informationen über den Nutzen neuer Medikamente bekommen, sagte der Vizechef des GKV-Verbands, Johann-Magnus von Stackelberg, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, die zuerst über die Auswertung berichtet hatten. Dies könne alle zwei Wochen über ein Update der Praxissoftware geschehen.

Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) monierte, die GKV-Darstellung sei „irreführend und falsch“. Bei mehr als 70 Prozent der Patientengruppen, für die der Gemeinsame Bundesausschuss von Ärzten, Kassen und Kliniken den Zusatznutzen als nicht belegt ansehe, sei die Bewertung aus rein formalen Gründen erfolgt, sagte Hauptgeschäftsführer Henning Fahrenkamp. „Über den therapeutischen Stellenwert des Medikaments für einen einzelnen Patienten sagt diese Beurteilung nichts aus.“

Auch der Verband forschender Pharma-Unternehmen (vfa) verwies darauf, das Urteil „kein Zusatznutzen“ werde oft aus rein formalen Gründen gefällt. Die Mittel seien im Vergleich mit bestehenden Therapien aber „mindestens gleichwertig, sonst hätten sie gar keine Zulassung bekommen“, erklärte Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer. Weil kein Patient dem anderen gleiche, brauche die Medizin ein breites Spektrum gleichwertiger Arzneien.

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