Wirtschaft

Bonus für Gesundheit: Daimler zahlt Prämie für Anwesenheit

Der Autobauer will die Gesundheit seiner Mitarbeiter mit einer unkonventionellen Maßnahme fördern.

Flickr/Cassandra Rae/CC BY 2.0

Daimler will in die Gesundheit seiner Mitarbeiter investieren. (Foto: Flickr/Cassandra Rae/CC BY 2.0)

Der Autobauer Daimler zahlt Mitarbeitern laut dpa-AFX nach einer neuen Betriebsvereinigung einen Bonus, wenn sie selten krank sind. Daimler und der Betriebsrat einigten sich auf einen Anwesenheitsbonus von maximal 200 Euro brutto pro Jahr. Den vollen Bonus erhalten Mitarbeiter, die innerhalb eines Jahres keinen Tag arbeitsunfähig waren. Er verteilt sich demnach auf maximal 50 Euro pro Quartal. In der Industrie ist diese Aktion Neuland.

Der Bonus ist Teil einer größeren Vereinbarung zum Thema Mitarbeiter-Gesundheit. Hinzu kommt ein freiwilliger und kostenloser Gesundheitscheck für alle Mitarbeiter, der etwa der Früherkennung von gesundheitlichen Risiken dienen soll.

Daimlers Betriebsratschef Michael Brecht sagte: „In der Abwägung der Interessen, haben wir uns letztlich entschieden, für die Einführung des Gesundheitschecks den Anwesenheitsbonus befristet in Kauf zu nehmen. Wir konnten erreichen, dass er nach zwei Jahren automatisch ausläuft, der Gesundheitscheck aber bleibt.“ Er fügte hinzu: „Wir gehen auch davon aus, dass die Summen, um die es dabei geht, niemanden veranlassen, sich krank ins Geschäft zu schleppen.“

Das Institut für Fortbildung von Betriebsräten sieht die Maßnahme positiv. In einer Analyse schreiben die Experten:

Zwei Jahre lang testete Daimler den neuen „Anwesenheitsbonus“ in einem großen Pilotprojekt. Jetzt wird es ernst: Jeder Mitarbeiter, der ein Jahr lang krankheitsbedingt nicht fehlt, erhält eine Extra-Prämie von 200 Euro auf sein Gehalt. Gerade wurde mit dem Betriebsrat eine neue Betriebsvereinbarung geschlossen.

Bereits im Vorfeld schlugen die Wellen hoch. Eine Prämie fürs Nichtkranksein? Was soll das? Welche Anreize werden da gesetzt? Und welche Auswüchse könnte das nach sich ziehen? Kommen Mitarbeiter krank zur Arbeit, um ihren Anspruch nicht zu verlieren? Zumindest eins ist offensichtlich: Die Prämie wird auf 50 Euro pro Quartal geviertelt und ist allein dadurch vermutlich viel zu niedrig, um wirklich Kranke aus dem Bett zu holen. Aber ist sie auch niedrig genug, um zumindest nicht doch mal verschnupft ins Büro oder in die Produktion zu gehen? Hier werden dann die gesunden Kollegen angesteckt, die sich bedanken. Aber das ist wieder eine andere Sache.

Die Gesundheitsprämie ist sowohl bei Belegschaften als auch bei Gesundheitsexperten umstritten. Das betrifft nicht nur Daimler, sondern alle Unternehmen, die hier aktiv sind. Der Autobauer tat gut daran, die Sache über Jahre zu testen. Das Ergebnis führte jedenfalls nicht dazu, dass man die Sache wieder abschaffen wollte.

Die Stuttgarter Nachrichten zitieren den Betriebsratsvorsitzenden Michael Brecht. Er stellt die Zustimmung des Betriebsrats als Teil einer Interessenabwägung dar. Die Mitarbeiter erhielten zukünftig unbefristet einen umfassenden, kostenlosen Gesundheitscheck, wohingegen der Anwesenheitsbonus in zwei Jahren wieder auslaufen werde. Wahre Überzeugung drückt man anders aus.

Gesundheitsförderung und Prävention – es sind gute und richtige Wege im betrieblichen Gesundheitsmanagement. Die Regelung bei Daimler selbst ist tatsächlich viel differenzierter, als sie hier dargestellt wurde. So sind etwa auch Härtefallregelungen vorgesehen.

Beim Stuttgarter Autobauer werden traditionell vergleichsweise hohe Gehälter gezahlt. 50 Euro mehr im Quartal werden da als Antrieb bei den meisten nicht viel bewirken. Darum ist klar: Es geht nicht so sehr um das Geld und die Prämie, sondern um etwas anderes: Die Signalwirkung. „Bleib gesund“ sagt das Unternehmen „und wir geben dir dafür etwas – mehr oder weniger symbolisch“. Dazu gibt es äußerst reale Vorsorgeprogramme, hochwertige medizinische Checks und Gesundheitskurse. Nicht schlecht.

Die Gesundheit der Mitarbeiter scheint bei Daimler weit oben zu stehen – gerade auch wegen dieser umstrittenen Anwesenheitsprämie. Ob sie der Gipfel der Erkenntnis ist, wird sich noch zeigen. Als Teil eines größeren Pakets wird man sie verkraften können.

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