Wirtschaft

EU hat Bedenken gegen Monsanto-Übernahme durch Bayer

Der deutsche Chemiekonzern Bayer muss bei der geplanten Übernahme von Monsanto mit Widerstand aus Brüssel rechnen.

Die Vorbehalte gegen Monsanto sind gewaltig. Immer wieder gehen Umweltschützer auf die Straßen. (Foto: Flickr/titouan russo/CC BY 2.0)

Die Vorbehalte gegen Monsanto sind gewaltig. Immer wieder gehen Umweltschützer auf die Straßen. (Foto: Flickr/titouan russo/CC BY 2.0)

EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis befürchtet, dass Monsanto nach der Übernahme durch Bayer einen enormen Einfluss auf das Saatgut- und Pestizidgeschäft und auf die Bauern habe. In einem Gespräch mit dem Tagesspiegel kündigt er an, dass Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager sich das „sehr, sehr genau ansehen“ werde. Bayer setzt seinerseits offensichtlich auf einen guten Draht zum neuen US-Präsidenten Donald Trump, so die AFP.

Ob das umstrittene Monsanto-Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat in der EU weiter eingesetzt werden darf, ist noch offen. Die Entscheidung will Andriukaitis von der Einschätzung der EU-Chemikalienagentur Echa abhängig machen. Diese soll bewerten, ob Glyphosat krebserregend ist oder nicht.

„Die Frage ist: Wie wahrscheinlich ist es, dass Glyphosat Krebs erzeugen kann?“, so Andriukaitis im Tagesspiegel. „Kann man das Risiko managen oder nicht?“ Seine Aufgabe sei es, „eine Entscheidung auf Basis der Fakten zu fällen“.

Bayer will die Übernahme von Monsanto bis zum Jahresende abschließen. Es stehen noch die Genehmigungen durch diverse Regulierungsbehörden aus – auch in den USA. Was das Verfahren dort angeht, äußerte sich Bayer-Vorstandsmitglied Liam Condon allerdings optimistisch. Er wies darauf hin, dass die Chefs von Bayer und Monsanto den neuen US-Präsidenten Trump noch vor dessen Amtsantritt getroffen und ihm versprochen hätten. Dies sei „ein produktives Gespräch“ gewesen.

Die geplante Fusion hat große Kritik vor allem von Umweltschützern ausgelöst. Sie fürchten, dass das fusionierte Unternehmen zu viel Macht gegenüber Landwirten in aller Welt haben wird. Insbesondere gegenüber Monsanto gibt es ohnehin vielerorts Vorbehalte, weil das Unternehmen neben dem umstrittenen Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat auch gentechnisch veränderte Pflanzen herstellt.

Wie Reuters berichtet, werben unterdessen sowohl Bayer als auch Monsanto in den USA mit dem Versprechen von Milliardeninvestitionen und neuen Jobs für ihre geplante Fusion. In den kommenden sechs Jahren sollten etwa 16 Milliarden Dollar in die Forschung und Entwicklung im Agrarbereich fließen, davon mindestens acht Milliarden Dollar in den USA, so die Unternehmen in einer gemeinsamen Mitteilung. Die Summe von acht Milliarden Dollar wurde zuerst vom Team des künftigen US-Präsidenten Donald Trump verbreitet.
Die Konzerne, die bei der 66 Milliarden Dollar schweren Fusion auf das Wohlwollen der Aufsichtsbehörden angewiesen sind, kündigten zudem die Schaffung von Tausenden High-Tech-Jobs in den USA an. Ein Sprecher Trumps bezifferte die Zahl auf 3000. Zudem erhalte Bayer alle 9000 Jobs in den USA.

Donald Trump hatte sich in den vergangenen Wochen wiederholt damit gebrüstet, Konzerne zur Schaffung neuer Jobs in den USA bewegt zu haben. Bei der Ankündigung ihrer Fusionspläne im September hatten Bayer und Monsanto ihr gemeinsames jährliches Forschungs- und Entwicklungsbudget im Agrarbereich auf rund 2,5 Milliarden Euro beziffert. Über sechs Jahre gerechnet entspricht das in etwa den nun genannten 16 Milliarden Dollar.

Bayer würde mit der Übernahme des Konzerns aus St. Louis der weltgrößte Anbieter von Pflanzenschutzmitteln und Saatgut mit einem Marktanteil von rund 28 Prozent. Die Aufsichtsbehörden in der EU und den USA müssen die Fusion aber noch genehmigen. In den USA liegt die Entscheidung beim Justizministerium und der Federal Trade Commission. Trump kann also nicht allein eine Genehmigung verhindern, mit der Nominierung seiner Kandidaten für die Chefposten beider Behörden aber die Richtung vorgeben. Er hatte angekündigt, dem Schutz der heimischen Wirtschaft und den dortigen Arbeitsplätzen Vorrang einzuräumen und Unternehmen bei einer Verlagerung von Jobs und Produktionsteilen ins Ausland mit finanziellen Nachteilen gedroht.

Kommentare

Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.