Gesellschaft

Zahl der Organspenden ist weiterhin niedrig

Die Zahl der Organspender in Deutschland ist zu gering. Dabei steht ihr die Mehrheit der Bundesbürger positiv gegenüber.

Das Thema Organspende verdient mehr gesellschaftliche Anerkennung. (Foto: Flickr/Karen Roe/CC BY 2.0)

Das Thema Organspende verdient mehr gesellschaftliche Anerkennung. (Foto: Flickr/Karen Roe/CC BY 2.0)

857 Menschen haben im Jahr 2016 nach ihrem Tod Organe für schwer kranke Patienten gespendet. Damit liegt die Zahl der Organspender in etwa auf dem Niveau von 2014 (864 Spender) bzw. 2015 (877 Spender). Demgegenüber stehen nach wie vor über 10.000 Patienten auf den Wartelisten, die in Deutschland dringend auf ein Spenderorgan warten.

Die Anzahl der postmortal gespendeten Organe lag 2016 bei insgesamt 2.867 gegenüber 2.901 Organen im Vorjahr. Insgesamt konnten bundesweit 3.049 Organe transplantiert werden, im Jahr zuvor waren es 3.084 Transplantationen. Die Differenz zur Zahl der jeweils gespendeten Organe ergibt sich aus dem internationalen Organaustausch über die Vermittlungsstelle Eurotransplant.

Im Vergleich der sieben Regionen der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) entwickelten sich die Organspendezahlen unterschiedlich. Die höchsten Spenderraten verzeichnen die DSO-Region Ost (Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen) und die DSO-Region Nord-Ost (Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern) mit 14,2 Spendern pro eine Million Einwohner gegenüber 10,4 Spendern im bundesweiten Durchschnitt.

Einen wichtigen Partner in den Bemühungen um steigende Spenderzahlen sieht die DSO, deren Hauptaufgabe die bundesweite Koordinierung der postmortalen Organspende ist, nach wie vor in den Krankenhäusern. Der bundesweite Einsatz von Transplantationsbeauftragten in jedem Entnahmekrankenhaus sei ein grundlegender Schritt des Gesetzgebers, die Rahmenbedingung für die Organspende zu verbessern. Entscheidend sei jedoch, dass die strukturellen Voraussetzungen in den Krankenhäusern auch flächendeckend umgesetzt würden, so der Medizinische Vorstand der DSO, Dr. med. Axel Rahmel. „Das betrifft vor allem die Ausgestaltung der Aufgaben der Transplantationsbeauftragten, ihre kontinuierliche Weiterbildung, aber auch die Entlastung von anderen Aufgaben und die Wertschätzung ihrer Tätigkeit – nicht zuletzt durch die Klinikleitung.“

Angesichts der im europäischen Vergleich niedrigen Organspendezahlen erinnert Rahmel daran, die Organspende als gesamtgesellschaftliche Aufgabe wahrzunehmen und das Schicksal der Patienten auf den Wartelisten nicht aus dem Blick zu verlieren. Wichtig sei, dass sowohl die Organspende als Akt der Nächstenliebe als auch das Engagement der Transplantationsbeauftragten in den Krankenhäusern zukünftig mehr Wertschätzung und gesellschaftliche Anerkennung in Politik und Öffentlichkeit erhalte, sagt der Mediziner.

„Eine Organspende ist das größte Geschenk, das ein Mensch an einen anderen Menschen über seinen Tod hinaus weitergeben kann. Deshalb werden wir als Koordinierungsstelle für die Organspende alles dafür tun, um dem Willen der Verstorbenen zu folgen und die Zusammenarbeit zwischen Entnahmekrankenhäusern und Transplantationszentren bestmöglich zu unterstützen“, so DSO-Vorstand Rahmel. Dazu hat die Koordinierungsstelle ein umfassendes Unterstützungsangebot aufgebaut: Von umfangreichen Fachinformationen wie Verfahrensanweisungen und Leitfäden über zahlreiche Fortbildungsveranstaltungen bis zur personellen Unterstützung vor Ort. Der DSO-Bereitschaftsdienst steht den Kliniken rund um die Uhr zur Verfügung. Der entscheidende erste Schritt sei jedoch, dass auf den Intensivstationen mögliche Organspender erkannt würden und nach Feststellung des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls das Gespräch mit den Angehörigen gesucht werde. „Im stressigen Klinikalltag gelingt das jedoch oft nur durch das außergewöhnliche Engagement einzelner Ärzte und Pflegekräfte“, bringt es Rahmel auf den Punkt.

Gemeinsam mit Landesministerien zeichnet die DSO jährlich einzelne Krankenhäuser aus, die sich dieser Aufgabe besonders vorbildlich annehmen. „Diese Kliniken können stolz auf ihre Expertise sein“, betont Rahmel. Eine Organspende sei aufgrund der Vielzahl an benötigten intensivmedizinischen Maßnahmen ein Qualitätsmerkmal jeder Intensivstation. Zudem zeige die Klinik damit, dass sie sich dem Willen ihrer verstorbenen Patienten annimmt, wenn sich diese dafür entschieden haben, Organe für schwer kranke Menschen zu spenden.

Acht von zehn Bundesbürgern stehen der Organspende positiv gegenüber, das belegt die jüngste Umfrage* der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). „Damit haben wir in Deutschland eine gute Voraussetzung, um Transplantationen zu ermöglichen“, so der Medizinische Vorstand der DSO. „Wir wünschen uns jedoch, dass noch mehr Menschen ihre Entscheidung in einem Organspendeausweis und möglichst auch in ihrer Patientenverfügung festhalten und dokumentieren“, erklärt Rahmel. Dies sei ein wichtiger Schritt, damit der eigene Wille umgesetzt werde und gleichzeitig die Angehörigen entlastet würden.

Die DSO ist die Koordinierungsstelle für die postmortale Organspende gemäß Transplantationsgesetz und bietet den rund 1.300 Entnahmekrankenhäusern in Deutschland umfassende Serviceangebote bei den Abläufen der Organspende an. Dazu gehören die organisatorische Unterstützung zur Durchführung der Feststellung des Todes durch irreversiblen Ausfall der Gesamtfunktionen des Gehirns, die Teilnahme am Gespräch mit den Angehörigen, die medizinischen Maßnahmen zur Erhaltung von Organen und zum Schutz der Organempfänger sowie die Koordinierung der Organentnahme und des Transports der Organe zum Transplantationszentrum.

Alle Zahlen aus dem Jahr 2016 sind vorläufige Zahlen, Stand: 12.01.2017

*Repräsentativbefragung im Auftrag der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): „Wissen, Einstellung und Verhalten der Allgemeinbevölkerung zur Organ- und Gewebespende in Deutschland 2016“.

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