Gesundheitswirtschaft

Durex-Mutter kauft Hersteller von Babynahrung

Der britische Konzern Reckitt Benckiser sorgt vor und übernimmt einen amerikanischen Hersteller von Babynahrung.

Mit der Säuglingsnahrung erweitert der Konzern sein Geschäftsfeld. (Foto: Flickr/David Precious/CC BY 2.0)

Mit der Säuglingsnahrung erweitert der Konzern sein Geschäftsfeld. (Foto: Flickr/David Precious/CC BY 2.0)

Der britische Konsumgüterkonzern Reckitt Benckiser erschließt sich mit einer milliardenschweren Übernahme in den USA den Markt für Babynahrung. Der Hersteller von Produkten wie Sagrotan-Reiniger, Nurofen-Fiebersaft und Durex-Kondomen teilte am Freitag mit, für 16,6 Milliarden Dollar Mead Johnson Nutrition aus dem Bundesstaat Illinois zu kaufen. Mead ist vor allem für die Säuglingsnahrung Enfamil bekannt. Der Zukauf ist der größte für Reckitt Benckiser überhaupt und 2017 bereits der zweite Mega-Deal in der Gesundheitsbranche, nachdem der US-Pharma- und Konsumgüterriese Johnson & Johnson die Übernahme des Schweizer Biotechunternehmens Actelion für rund 30 Milliarden Dollar angekündigt hatte.

Die Mead-Übernahme solle im dritten Quartal 2017 abgeschlossen werden, teilte Reckitt Benckiser weiter mit. Das Gesamtvolumen des Geschäfts liege einschließlich Schulden-Übernahme bei 17,9 Milliarden Dollar. Mit dem Kaufpreis von 90 Dollar je Aktie in bar zahlt das in Slough bei London ansässige Unternehmen einen Aufschlag von 30 Prozent auf den Mead-Kurs vom Mittwoch vergangener Woche – einen Tag, bevor die Übernahmepläne bekanntwurden. Dem Zukauf müssen noch Aufsichtsbehörden und Aktionäre zustimmen.

Zu den Eignern gehört auch die deutsche Industriellenfamilie Reimann, die an Reckitt Benckiser einen Minderheitsanteil hält. Durch die Reimanns hat das Unternehmen seine Wurzeln auch in Deutschland, weil es 1999 aus einem Zusammenschluss ihres Ludwigshafener Spezialchemiekonzerns Benckiser mit dem britischen Unternehmen Reckitt hervorgegangen ist. Die Reimanns bauten in den vergangenen Jahren ein Kaffee- und Kosmetik-Imperium auf und gehören zu einer der reichsten Familien Deutschlands.

Mead Johnson wurde 2009 vom US-Pharmakonzern Bristol-Myers Squibb abgespalten und galt seitdem wegen seiner starken Präsenz in den rasant wachsenden Märkten Asiens und Lateinamerikas als Übernahmeziel. Reckitt-Benckiser-Chef Rakesh Kapoor erklärte am Freitag, er habe Mead schon seit einigen Jahren im Visier gehabt. Doch auch der französische Danone -Konzern und Nestle aus der Schweiz galten als potenzielle Käufer. Mead setzte 2016 umgerechnet gut 3,5 Milliarden Euro um.

Reckitt kam vergangenes Jahr auf einen Umsatz von 11,6 Milliarden Euro, wie die Briten am Freitag ebenfalls mitteilten. Das auf Reinigungsmittel und freiverkäufliche Arzneien spezialisierte Unternehmen verspricht sich von der Übernahme des Babymilch-Konzerns nicht nur ein ganz neues Geschäftsfeld, sondern auch die Stärkung der eigenen Präsenz in Asien. Binnen drei Jahren nach dem Zukauf soll Mead den Gewinnzuwachs im zweistelligen Prozentbereich nach oben treiben. Ab dem selben Zeitpunkt hoffen die Briten auf Kosteneinsparungen von jährlich 200 Millionen Pfund.

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