Analyse

Hohe Pflegekosten in Heimen fördern die häusliche Pflege

Fast drei Millionen Menschen sind derzeit auf Pflege angewiesen. Annähernd drei Viertel von ihnen werden zuhause versorgt. Ihr Anteil ist zuletzt deutlich gestiegen.

Bis 2060 soll die Zahl der Pflegebedürftigen auf 4,7 Millionen steigen. (Foto: Flickr/Myfuture.com/CC by nd 2.0)

Bis 2060 soll die Zahl der Pflegebedürftigen auf 4,7 Millionen steigen. (Foto: Flickr/Myfuture.com/CC by nd 2.0)

Im Dezember 2015 waren in Deutschland 2,86 Millionen Menschen pflegebedürftig im Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes (SGB XI). Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, hat die Zahl der Pflegebedürftigen im Vergleich zum Dezember 2013 um 234.000 (+ 8,9 Prozent) zugenommen. 83 Prozent der Pflegebedürftigen waren 65 Jahre und älter, mehr als ein Drittel (37 Prozent) war mindestens 85 Jahre alt. Die Mehrheit der Pflegebedürftigen war weiblich (64 Prozent).

Annähernd drei Viertel (73 Prozent oder 2,08 Millionen) aller Pflegebedürftigen wurden zu Hause versorgt. Davon wurden 1,38 Millionen Pflegebedürftige in der Regel allein durch Angehörige gepflegt. Weitere 692.000 Pflegebedürftige lebten ebenfalls in Privathaushalten, sie wurden jedoch zusammen mit oder vollständig durch ambulante Pflegedienste versorgt. Gut ein Viertel (27 Prozent oder 783.000 Pflegebedürftige) wurde in Pflegeheimen vollstationär betreut.

Im Vergleich mit Dezember 2013 ist die Zahl der in Heimen vollstationär versorgten Pflegebedürftigen um 2,5 Prozent (+ 19 000) gestiegen. Bei der Pflege zu Hause ist die Zunahme mit + 11,6 Prozent (+ 215.000 Pflegebedürftige) deutlich höher, was auch auf die Reformen der Pflegeversicherung zurückzuführen ist.

Viele Bürger sind zudem verunsichert, ob ihre Familienangehörigen in deutschen Pflegeeinrichtungen wirklich qualitativ gut versorgt werden. Das geht aus einer Studie des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP) hervor. 70 Prozent der über 2.000 Befragten glauben, dass sich die Pflegequalität je nach Einrichtung sehr stark unterscheidet. Als möglichen Grund für fehlende Qualität gaben 71 Prozent fehlendes Personal und daraus resultierende Arbeitsüberlastung als Hauptursache für Missstände verantwortlich.

„Den mit Abstand größten Verbesserungsbedarf schätzen die Befragten im Bereich der persönlichen Zuwendung und Kommunikation, für die aus ihrer Sicht mehr Zeit zur Verfügung stehen sollte“, so die Studie.

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