Analyse

Migranten gehen seltener in Reha als Deutsche

Migranten nehmen angebotene Reha-Leistungen viel seltener in Anspruch als Deutsche. Der Grund: Im Ausland ist diese Leistung oft überhaupt nicht bekannt.

Reha-Angebote sind meist mit vielfältigen Angeboten verbunden. (Foto: Flickr/Michael Panse/CC BY-ND 2.0)

Reha-Angebote sind meist mit vielfältigen Angeboten verbunden. (Foto: Flickr/Michael Panse/CC BY-ND 2.0)

Reha-Leistungen der Rentenversicherung werden von Ausländern seltener in Anspruch genommen als von Deutschen. Rund 1,5 Prozent der Versicherten mit einer ausländischen Staatsangehörigkeit hätten 2015 medizinische Rehabilitationsleistungen genutzt, bei Deutschen waren es rund drei Prozent, wie der Deutsche Rentenversicherung Bund mitteilt. Von rund 4,4 Millionen ausländischen Versicherten hätten rund 62.900 Versicherte von so einem Angebot Gebrauch gemacht. Von 32 Millionen deutschen Versicherten waren es rund 950.000. Beispielsweise nahmen 2015 1,7 Prozent Türken, 2,1 Prozent Italiener, 1,3 Prozent Spanier und ein Prozent Polen die Leistungen in Anspruch.

Sprachbarrieren und Informationsdefizite seien häufig Gründe, warum Zuwanderer weniger oft in die Reha gingen, so die Rentenversicherung. Migranten wissen teilweise zu wenig darüber, wie ihnen im Fall einer gesundheitlichen Einschränkung geholfen werden kann. Auch religiöse oder kulturelle Barrieren oder ein unterschiedliches Krankheitsverständnis spielen eine Rolle. Dazu ist „Reha“ aus den Ursprungsländern häufig nicht bekannt. „Gelingt es, Migranten stärker für die Rehabilitationsleistungen zu sensibilisieren, bringt dies den Betroffenen eine stabilere Gesundheit und trägt damit dazu bei, dass sie länger im Erwerbsleben bleiben und damit auch im Alter besser versorgt sind“, so Direktorin Brigitte Gross.

Vor diesem Hintergrund hat die Deutsche Rentenversicherung zusammen mit dem Ethno-Medizinischen Zentrum e. V. und der Medizinischen Hochschule in Hannover die mehrsprachige Aufklärungskampagne „MiMi – Mit Migranten Für Migranten“ gestartet. Ziel ist die verstärkte muttersprachliche Information von Migranten über die Rehabilitationsleistungen der Rentenversicherung. Im Rahmen des Projekts werden etwa Migranten, die über gute Deutschkenntnisse verfügen, zu interkulturellen Gesundheitslotsen ausgebildet. Nach dieser Ausbildung führen sie Informationsveranstaltungen in den jeweiligen Lebensräumen und in der Muttersprache der Migranten durch.

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