Wirtschaft

Neuer Fresenius-Chef stemmt nächsten Milliarden-Zukauf

Fresenius übernimmt das Akorn Generika-Geschäft. Der neue Chef will damit Voraussetzungen für kräftiges Wachstum schaffen.

Der neue Fresenius-Chef Stephan Sturm gibt beim hessischen Gesundheitskonzern ein hohes Tempo vor. Neun Monate nach seinem Amtsantritt tütete der ehemalige Investmentbanker kürzlich eine zweite Milliarden-Übernahme ein. Die Hessen schlucken den US-Konkurrenten Akorn für 4,75 Milliarden Dollar (rund 4,4 Milliarden Euro) und stärken damit ihr Geschäft mit Nachahmer-Medikamenten in den USA. Es ist die zweitgrößte Akquisition in der Fresenius-Geschichte nach dem kürzlich besiegelten Kauf des spanischen Klinikbetreibers Quironsalud für 5,8 Milliarden Euro.

Zudem kauft die Fresenius-Generika-Sparte Kabi dem Darmstädter Pharmakonzern Merck dessen Geschäft mit Biosimilars ab, also mit Nachahmer-Medikamenten von Biotech-Arzneien. „Mit diesen Akquisitionen stellen wir bei Fresenius Kabi die Weichen für ein noch breiter angelegtes und dauerhaft kräftiges Wachstum über das laufende Jahrzehnt hinaus“, sagte Sturm. Bei Analysten kamen die Zukäufe gut an. „Der Akorn-Deal macht für Fresenius finanziell und strategisch Sinn, weil der Konzern damit sein bestehendes Geschäft ausbaut“, so die Analysten von Berenberg. Noch spannender sei allerdings die Übernahme der Biosimilars von Merck, weil Fresenius damit in einen völlig neuen Markt einsteige.

Der Konzern hat viele Jahre einen Bogen um dieses Geschäft gemacht, sieht nun jedoch den richtigen Zeitpunkt für einen Markteintritt gekommen. „Wir haben immer gesagt, das regulatorische Umfeld muss sich klären, bevor wir in Biosimilars investieren“, sagte Sturm der Nachrichtenagentur Reuters. „Da hat sich in der jüngeren Vergangenheit eine ganze Menge getan.“

Fresenius zahlt Merck für seine Geschäftssparte anfänglich 170 Millionen Euro. Abhängig vom Erreichen von Entwicklungszielen können in den kommenden Jahren weitere 500 Millionen Euro fließen. „Biosimilars sind ein schnell wachsendes Segment des Pharma-Markts“, so Fresenius-Manager Mats Henriksson. „In den nächsten Jahren werden einige der größten Marken-Biopharmazeutika ihren Patentschutz verlieren.“ Merck will sich bei Investitionen auf andere Geschäftsbereiche konzentrieren und hatte sein Biosimilars-Geschäft deshalb zum Verkauf gestellt. Beide Unternehmen wollen die bestehenden Produkte zusammen weiterentwickeln. Wenn es Nachahmer-Medikamente am Ende auf den Markt schaffen, winkt Merck eine Umsatzbeteiligung im einstelligen Prozentbereich.

Bis Fresenius in dem Bereich schwarze Zahlen schreibt, wird es aber noch einige Zeit dauern. Erst ab 2023 rechnet der Konzern mit einem deutlich positiven Ergebnisbeitrag und Umsätzen im hohen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich. Bis dahin sollen in die Entwicklung der Biotech-Nachahmer-Medikamente bis zu 1,4 Milliarden Euro fließen – Kaufpreis und Meilensteinzahlungen bereits eingerechnet.

Fresenius ist aus der Frankfurter Hirsch-Apotheke hervorgegangen und durch mehrere Milliarden-Zukäufe zu einem globalen Konglomerat in der Gesundheitsbranche gewachsen. Sturm kam 2005 von der Schweizer Großbank Credit Suisse als Finanzchef zu Fresenius. Er war damit der erste Investmentbanker in Deutschland, der direkt in den Vorstand eines Großunternehmens aus der Realwirtschaft einzog. Im Juli 2016 trat er dann die Nachfolge von Ulf Schneider an, der überraschend zum Schweizer Lebensmittelkonzern Nestle wechselte. Schon als Finanzchef gestaltete Sturm den Akquisitionskurs des Unternehmens maßgeblich mit. Als Vorstandschef hat er die Schlagzahl nun noch einmal erhöht.

Nach dem Kauf von Quironsalud bestätigte er Anfang April, sich in fortgeschrittenen Gesprächen mit Akorn zu befinden. Akorn beschäftigt mehr als 2.000 Mitarbeiter und ist für Fresenius auch deshalb interessant, weil die Firma einen guten Zugang zu kleineren amerikanischen Kliniken und Apotheken bringt. Nun bietet Fresenius 34 Dollar je Akorn-Aktie, was einem Kaufpreis von 4,3 Milliarden Dollar entspricht. Zudem übernehmen die Hessen Verbindlichkeiten von 450 Millionen Dollar. Die Spitze des US-Generikakonzerns und der größte Akorn-Aktionär unterstützen die Offerte.

Die Berenberg-Analysten halten den Preis für angemessen und glauben nicht, dass sich Investoren wegen des steigenden Schuldenbergs von Fresenius Sorgen machen müssen. Das Unternehmen will die Übernahmen nämlich mit Fremdkapital finanzieren und auf eine Kapitalerhöhung verzichten. „Fresenius blickt auf eine lange Geschichte von Übernahmen zurück – und macht das relativ gut“, sagten die Analysten. Sie empfehlen die Fresenius-Aktie deshalb zum Kauf.

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