Gesundheitswirtschaft

Tuberkulose-Test sorgt für Gewinnschub bei Qiagen

Ein Test auf latente Tuberkulose hat dem Biotech-Konzern Qiagen Millionen beschert. Der Gewinn stieg um zehn Prozent.

Tuberkulose stellt in Südafrika die häufigste Todesursache dar, sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen. (Foto: Flickr/Trocaire/CC BY 2.0)

Tuberkulose stellt in Südafrika die häufigste Todesursache dar, sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen. (Foto: Flickr/Trocaire/CC BY 2.0)

Hohe Nachfrage nach dem Tuberkulose-Test „Quantiferon“ hat dem größten deutschen Biotechunternehmen Qiagen zum Jahresstart einen deutlichen Gewinnanstieg beschert. Der bereinigte operative Gewinn kletterte im ersten Quartal um zehn Prozent auf 60 Millionen Dollar, wie der Konzern mitteilte. Unter dem Strich verdiente Qiagen knapp 18 Millionen Dollar, ein Zuwachs von zwölf Prozent. Der Umsatz erhöhte sich um drei Prozent auf knapp 308 Millionen Dollar, berichtet Reuters. Wechselkursbereinigt stand ein Plus von fünf Prozent zu Buche.

„Qiagen ist gut in das Jahr 2017 gestartet“, sagte Vorstandschef Peer Schatz. „Die Fortschritte unterstützen unsere Ambitionen, bis 2020 das Umsatzwachstum beschleunigen, den Gewinn zweistellig steigern und den Cashflow erhöhen zu können.“

Qiagen profitierte im ersten Quartal vor allem von einem starken Geschäft mit einem Test auf latente Tuberkulose, der sich inzwischen als Zugpferd für das Unternehmen erweist. Rund lief auch das Geschäft mit begleitenden Tests für die personalisierte Medizin, mit denen etwa erkannt werden kann, ob Patienten von bestimmten Arzneimitteln profitieren. Für das laufende Jahr rechnet Qiagen unverändert wechselkursbereinigt mit einem Umsatzwachstum von sechs bis sieben Prozent und einem bereinigten Gewinn je Aktie vor Restrukturierungskosten von 1,25 bis 1,27 Dollar. Im ersten Quartal war dieser um fast 16 Prozent auf 0,22 Dollar gestiegen.

Eine aktuelle Lancet-Studie belegte kürzlich das Potenzial des Tests zur Prognose aktiver Tuberkulose bei Kleinkindern. Demnach könnte latente Tuberkulose (TB) bei ansonsten gesunden Kleinkindern nicht nur erkannt, sondern auch vorhergesagt werden, welche Kinder mit großer Wahrscheinlichkeit die aktive Form dieser lebensbedrohlichen Atemwegserkrankung entwickeln werden, so das Unternehmen in einer Mitteilung vom vergangenen Februar. Die Studie wurde in der neuesten Ausgabe der Fachzeitschrift The Lancet Respiratory Medicine veröffentlicht. Kleinkinder sind laut der Studie besonders anfällig für TB und entwickeln in 20 Prozent der Infektionsfälle eine aktive Tuberkulose.

Die Studie wurde von Forschern der Stanford University School of Medicine, der South African Tuberculosis Vaccine Initiative, der London School of Hygiene & Tropical Medicine, dem Desmond Tutu HIV Centre, dem Jenner Institute der Oxford University und Aeras, einer gemeinnützigen Organisation zur Entwicklung neuer TB-Impfstoffe, verfasst. Analysiert wurden Daten von über 2.500 gesunden südafrikanischen Kleinkindern, die keine HIV-Infektion aufwiesen und keinen bewussten Kontakt zu TB-Patienten hatten.

In Südafrika und vielen anderen Ländern würden die meisten Kinder nie auf eine latente TB-Infektion getestet, obschon die Entwicklung einer aktiven Form der Krankheit noch verhindert werden könne, heißt es. Stattdessen werde die aktive TB erst dann diagnostiziert, wenn aufgrund fortgeschrittener Symptome bereits ärztliche Hilfe gesucht werde. „Tuberkulose stellt in Südafrika die häufigste Todesursache dar, sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen. Die Forscher untersuchen jetzt, inwieweit TB-Screenings von Kindern in Südafrika für eine bessere Prävention ausgeweitet werden können“, schreibt das Unternehmen.

Tuberkulose ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die sich hauptsächlich über die Luft verbreitet. Patienten mit der aktiven, pulmonalen Form dieser Erkrankung können diese auch durch Husten übertragen. Die WHO geht von weltweit etwa 10,4 Millionen neuen Fällen aktiver TB und 1,8 Millionen Todesfällen im Jahr 2015 aus. Patienten mit latenter TB wurden zwar mit dem Erreger infiziert, weisen aber bis zum Fortschreiten der Krankheit zur aktiven TB keine Symptome auf. Etwa ein Drittel der Weltbevölkerung ist mit TB infiziert. Bei ungefähr 5-10 Prozent dieser Patienten schreitet die Erkrankung fort und entwickelt sich, wenn keine Behandlung erfolgt, zu einer aktiven Tuberkulose. Das Screening von Risikogruppen und die Behandlung von Patienten mit latenter Infektion spielt im Rahmen der TB-Kontrolle eine immer größere Rolle.

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