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Anlegerliebling: Darum sind deutsche Biotech-Firmen gefragt

Bei einigen Biotech-Firmen wirft die jahrelange Forschung endlich erste Früchte ab. Doch Vorsicht ist weiterhin geboten.

Biotech-Aktien sind ein heißes Eisen. Mal steigen die Kurse rasant, nur um dann genauso rasant wieder zu fallen. So hatte die Diskussion über stärkere Einschnitte in das US-Gesundheitssystem die Notierungen im vergangenen Jahr purzeln lassen. Nun aber erreichen die Aktien der deutschen Branchenvertreter Evotec, Morphosys und Qiagen teilweise Rekordstände. Was macht diese Unternehmen bei den Anlegern plötzlich so beliebt? Und wie schnell kann die Party wieder zu Ende sein?

Schon einmal hatten Börsianer ein Auge auf die deutschen Biotechs geworfen, berichtet die dpa: Wer um die Jahrtausendwende den richtigen Riecher hatte und in Biotechnologie-Aktien einstieg, konnte bald sprichwörtlich im Geld schwimmen. Der Zweig der Pharmaindustrie steckte damals noch in den Kinderschuhen, erste Start-Ups gingen an die Börse und schon bald explodierten deren Kurse. Fast noch schneller brachen sie beim Platzen der Technologieblase am Neuen Markt wieder in sich zusammen, auch, weil Hoffnungen auf einen schnellen Therapiedurchbruch sich als völlig unrealistisch erwiesen. „Die Erfolgsaussichten einiger Medikamente waren massiv überbewertet“, sagt Fondsmanager Rudi Van den Eynde vom Vermögensverwalter Candriam Investors.

Mittlerweile hat sich in der Medizin und insbesondere in der Gentechnik einiges getan. Doch der Biotechnologiesektor ist seit den Goldgräberjahren extrem schwankungsanfällig geblieben. Nachdem US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton im Wahlkampf erstmals die hohen Medikamentenpreise anprangerte, ging es auch für Biotechs abwärts. Im vergangenen Jahr verlor der Nasdaq Biotechnology Index mehr als ein Fünftel an Wert. Allerdings schneiden die einzelnen Sektor-Vertreter innerhalb des Index sehr uneinheitlich ab: Einer Untersuchung von Candriam zufolge lag in den vergangenen fünf Jahren die sogenannte Dispersion, die die Abweichung von der durchschnittlichen Jahresrendite misst, im Biotech-Index mehr als drei Mal so hoch wie im breiten US-Börsenindex S&P 500.

Dafür gibt es einen einfachen Grund: Das sogenannte „Stockpicking“, also das gezielte Setzen auf einzelne Aktien, ist insbesondere in der Biotechbranche ein Muss. Dabei spielen Unternehmensnachrichten wie etwa die Zulassung eines neuen Medikaments oder vielversprechende Daten aus klinischen Studien eine wichtige Rolle. „Die Performance einer Aktie steckt in der Pipeline des Unternehmens“, sagt Fondsmanager Van den Eynde.

Hiervon haben in der jüngsten Vergangenheit insbesondere die deutschen Biotech-Vertreter im TecDax profitiert. Bei einigen wenigen wirft die jahrelange Forschung nun endlich erste Früchte ab. Beispiel Morphosys: Weit mehr als zehn Jahre hat das TecDax-Unternehmen gebraucht, um seinen ersten Durchbruch feiern zu können. Die Johnson-&-Johnson-Tochter Janssen stellte jüngst in den USA den Zulassungsantrag für ihr Schuppenflechtemittel Guselkumab. Den verwendeten Antikörper lieferten die Münchener. Nach dem Marktstart des Mittels wird Morphosys am Umsatz mitverdienen. Der Morphosys-Aktie haben solche Nachrichten gut getan, sie hatte zuletzt in etwa wieder das Niveau von August 2015 erreicht.

Evotec-Papiere sind gar zurück auf dem Niveau von 2001. Das Hamburger Unternehmen habe sich als stabiler Dienstleister bei der Medikamentenentwicklung etabliert, sagt Patrick Fuchs, der für die Fondsgesellschaft Allianz Global Investors als Analyst die europäischen Pharmaaktien im Blick hat. Bei Qiagen stünden wiederum nach einer Zeit rückläufiger Umsätze in der HPV-Diagnostik (Humane Papillomviren), die die Aktie belastet hatten, die Aussichten durch die Gen-Sequenzierung im Vordergrund.

Doch damit seien die deutschen Biotechs im TecDax für den gesamten Sektor durchaus nicht repräsentativ, gibt Fuchs zu bedenken. Die Stimmung im Sektor sei keineswegs nur optimistisch. „Wir haben hier eine politische Börse, die davon abhängt, wie es in der amerikanischen Gesundheitspolitik weitergeht und ob die US-Regierung Preisbeschränkungen durchsetzt.“ Wer wiederum nur auf deutsche Werte setze, habe keine große, aber immerhin eine solide Auswahl an Unternehmen. Da der US-Markt aber für die Branche extrem wichtig sei, sei auch für die deutschen Biotechwerte in naher Zukunft nicht zu viel zu erwarten.

Und dass Enttäuschungspotenzial auch weiterhin besteht, liegt auf der Hand: „Es wird in unserer Branche immer Rückschläge geben. Das liegt in der Natur der klinischen Wirkstoffforschung“, sagte erst kürzlich Morphosys-Finanzvorstand Jens Holstein in einem Interview der „Börsen-Zeitung“.

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