Analyse

Achtsamkeitsstudie 2017: Kommen unsere Kinder zu kurz?

Eine aktuelle Untersuchung zeigt: ast jedes dritte Kind und jeder fünfte Jugendliche fühlen sich von ihren Eltern nicht beachtet.

Die aktuelle Studie „Achtsamkeit in Deutschland: Kommen unsere Kinder zu kurz?“ wurde von der Universität Bielefeld im Auftrag der Bepanthen-Kinderförderung durchgeführt. Prof. Dr. Holger Ziegler, Sozialpädagoge und Studienleiter, hat untersucht, wie die Achtsamkeit der Eltern von Kindern (6 bis 11 Jahre) und Jugendlichen (12 bis 16 Jahre) empfunden wird und welche Auswirkungen das Fehlen von Beachtung haben kann. Das Ergebnis: Fast jedes dritte Kind (31 Prozent) und jeder fünfte Jugendliche (17 Prozent) fühlen sich von ihren Eltern nicht beachtet. Das sind insgesamt 1,9 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland. Mit gravierenden Folgen: Nicht beachtete Kinder und Jugendliche weisen Defizite in ihrem Selbstbewusstsein, Vertrauen, ihrer Lebenszufriedenheit und Empathiefähigkeit auf. Prof. Dr. Holger Ziegler: „(…) nicht vorhandene Achtsamkeit ist für die Entwicklung von Kindern so gravierend wie ein Leben in Armut.“

Die Studie zeigt jedoch auch: Achtsamkeit gegenüber Kindern wird unabhängig vom sozioökonomischen Status, der Familienkonstellation und vom Migrationshintergrund gelebt. Die Achtsamkeitsunterschiede zeigen sich im Alltäglichen. Eine Nachfrage, wie der Tag war, gemeinsame Unternehmungen und Zuneigungsbekundungen wie „Ich hab dich lieb“ zeigen die für Kinder so wichtige Aufmerksamkeit und Zuwendung. Dies scheint aber nicht überall die Regel zu sein, denn mehr als zwei Drittel (71 Prozent) der empfunden unbeachteten Kinder stimmen der Frage, ob ihre Eltern sich gerne mit ihnen beschäftigen, nicht zu.

Die Befragung zeigt auch die besondere Eigenschaft der Familie, Geborgenheit zu schenken, was die meisten der beachteten Kinder bestätigen: Nur 2 Prozent äußern diesen Mangel. Dagegen ist es bei den nicht beachteten Kindern fast ein Fünftel (19 Prozent), dem ein Gefühl von Geborgenheit fehlt. Bei den Jugendlichen geht die Schere noch weiter auseinander: 11 Prozent der beachteten und fast die Hälfte (46 Prozent) der nicht beachteten Jugendlichen empfinden keine Geborgenheit bei ihren Eltern.

 

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