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Haushalt EU-Regeln steigern Gesundheitsrisiken im Haus

Bauprodukte werden offenbar nicht mehr ausreichend auf gesundheitliche Risiken kontrolliert – weil die EU es nicht zulässt.

Die europäischen Standards seien unzureichend, warnt das Umweltbundesamts in Deutschland in ihrer Publikation „Schwerpunkte 2017“. Unter anderem geht es um Stoffe in Fußbodenbelägen, Lacken oder Dichtstoffen, die Kopfschmerzen oder Schwindel auslösen können, sogenannte flüchtige organische Verbindungen (VOC), berichtet die dpa.

„Die hohen deutschen Standards sind in Gefahr. Da wir uns über 80 Prozent der Zeit in Innenräumen aufhalten, sehen wir das sehr kritisch“, sagte die Präsidentin des Umweltbundesamts (UBA), Maria Krautzberger. „Ob Parkett im Wohnzimmer oder Teppich im Kindergarten: Die EU darf bei Bauprodukten keine Abstriche bei der Gesundheit und beim Umweltschutz machen.“ Einen Vorschlag der EU-Kommission zur Ergänzung der EU-weiten Kennzeichnung von Bauprodukten um gesundheitliche Aspekte hält das UBA für unzureichend, weil er Emissionen von VOC aus Lösemitteln und anderen chemischen Hilfsstoffen zulasse, ohne dies zu kennzeichnen.

Im vergangenen Herbst war ein Urteil (Rechtssache C-100/13 vom 16.10.2014) des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) in Kraft getreten, nach dem EU-Staaten nicht mehr eigene, strengere Gesundheitsanforderungen an Bauprodukte stellen dürfen. Das Urteil soll Markthemmnisse abbauen und untersagt nationale Zusatzanforderungen an harmonisierte europäische Bauproduktnormen. Deutschland muss sein Bauordnungsrecht anpassen, die Verhandlungen mit der EU-Kommission sind dazu noch nicht abgeschlossen.

„Es ist nicht mehr klar erkennbar, welche Bauprodukte den hierzulande bisher gültigen hohen Anforderungen an Gesundheits- und Umweltschutz entsprechen und welche nicht“, sagt Dr. Wolfgang Plehn, Leiter des Fachgebiets „Stoffbezogene Produktfragen“ am Umweltbundesamt. „Es ist zu befürchten, dass künftig Schadstoffe oft erst dann auffallen, wenn das Gebäude bereits steht und die Bewohner sich beschweren. Insofern sollte das neue Baurecht nicht zu unkalkulierbaren Risiken für Handwerker, Architekten und Bauherren, zu mehr gerichtlichen Auseinandersetzungen und teuren Sanierungen führen.“

Doch wie kann man sich künftig orientieren? „Eine gute Orientierung bieten Prüfsiegel wie der Blaue Engel des Umweltbundesamts. Solche Siegel fallen nicht in den Geltungsbereich des EU-Rechts und kennzeichnen Bauprodukte, die strengen Anforderungen im Gesundheits- und Umweltschutz entsprechen“, so Dr. Plehn. „Allerdings finden sich diese Label nicht auf allen Produkten. Bis die CE-Kennzeichnung die fehlenden Eigenschaften abdeckt, könnten Produktprüfzeugnisse eine Zwischenlösung sein.“ Besonders wichtig sei, Verbraucherinnen und Verbrauchern die Auswahl umweltfreundlicher und wohngesunder Produkte weiterhin zu ermöglichen. Besonders der Regelsetzer, aber auch die Produkthersteller seien gefordert, Lösungen anzubieten.

 

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