Forschung

Startschuss für weltweit größte Psychotherapie-Studie

Psychotherapie wirkt. Doch wie wirkt sie? Und auf welchen Ebenen? Hierzu ist die größte Studie weltweit gestartet.

Die Medizin weiß immer noch nicht im Voraus, welchem Patienten welche Psychotherapie am besten und schnellsten helfen wird. (Foto: Flickr/missyleone/CC BY 2.0)

Die Medizin weiß immer noch nicht im Voraus, welchem Patienten welche Psychotherapie am besten und schnellsten helfen wird. (Foto: Flickr/missyleone/CC BY 2.0)

Subjektiv empfinden Psychotherapie-Patienten im Idealfall eine Besserung. Doch was ist mit der biologischen Wirkung, lassen sich auch Veränderungen im Labor nachweisen? Das Max-Planck-Institut für Psychiatrie (MPI) stellt genau diese Fragen in einer großen, international einmaligen Studie, die jetzt anläuft.

„Während es bei den Medikamenten während der vergangenen 30 Jahre keine nennenswerten Fortschritte gab, gibt es bei den Psychotherapien dramatische Verbesserungen. Wir wissen nur leider immer noch nicht im Voraus, welchem Patienten welche Psychotherapie am besten und schnellsten helfen wird. Genau hier setzt unsere Studie an“, so Martin Keck, Studienleiter sowie Chefarzt und Direktor der Klinik am MPI.

In die international einmalige Studie sollen innerhalb der nächsten acht Jahre circa 1000 Patienten integriert werden. Sie erhalten neben der Erhebung umfangreicher Blutwerte eine weitreichende Diagnostik mit bildgebenden Verfahren und neuropsychologischen Tests. Und sie durchlaufen ein intensives psychotherapeutisches Gruppen- und Einzelprogramm. Per Zufall ausgewählt, erhält ein Drittel der Patienten eine Schematherapie, ein weiteres Drittel wird mit kognitiver Verhaltenstherapie behandelt, das letzte Drittel bekommt eine individuelle unterstützende Behandlung. In acht Wochen absolvieren die Patienten 32 Sitzungen, die stichprobenartig im Nachhinein analysiert werden: Supervisoren wählen aus den 32 000 Videoaufnahmen, die entstehen werden, per Zufall aus und prüfen, wie die therapeutischen Vorgaben umgesetzt wurden. Nur so lässt sich eine „sprechende“ Therapie evidenzbasiert überprüfen und Ergebnisse verallgemeinern. „Ziel ist, Erkenntnisse über die biologische Wirkung von Psychotherapieverfahren zu gewinnen“, fasst Keck zusammen.

Die Studie soll außerdem neue psychotherapeutische Verfahren wie die Schematherapie auf ihre Wirksamkeit in der Depressionsbehandlung prüfen und Informationen liefern, welche Patienten besonders gut von bestimmten psychotherapeutischen Interventionen profitieren. Die Therapeuten kombinieren bei einer Schematherapie Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie mit Elementen psychodynamischer Konzepte. Dadurch thematisieren sie stärker als bei klassischer Verhaltenstherapie Emotionen, prägende Erfahrungen aus der Vergangenheit und die Beziehung zwischen Patient und Therapeut.

„Die einzigartig enge Verbindung von Forschung und Klinik in unserem Institut ermöglicht uns, eine solch aufwendige Studie durchzuführen“, sagt Elisabeth Binder, Geschäftsführende Direktorin am MPI. „Haben Therapeuten im Vorfeld ihrer Behandlung objektive Anhaltspunkte für den Erfolg oder Misserfolg bestimmter Therapien, lässt sich viel Zeit und Leid für die Betroffenen vermeiden“, so Keck.

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