Forschung

Studienerfolg: Bayer-Mittel senkt offenbar Schlaganfall-Risiko

Der Chemie und Pharmakonzern Bayer hat einen weiteren Studienerfolg mit seinem wichtigsten Mittel Xarelto erzielt.

In einer großangelegten klinischen Studie konnte das Risiko von Schlaganfällen und Infarkten bei chronisch herz- und gefäßkranken Patienten deutlich gesenkt werden, teilte Bayer mit. Analysten trauen dem Blutgerinner allein in diesem Bereich weitere Milliardenumsätze zu.

„Es ist die größte Studie, die Bayer je gemacht hat“, sagte Studienleiter Frank Misselwitz der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Sie umfasse dabei eine immer größer werdende, wichtige Patientenpopulation. Denn mit der zunehmenden Alterung in der Gesellschaft steigt auch die Zahl von Herz-Kreislauferkrankungen.

An der sogenannten Compass-Studie nahmen knapp 27 400 Patienten in mehr als 60 Ländern teil. Die Studie hat den Einsatz von Xarelto zur Prävention schwerer kardiovaskulärer Ereignisse untersucht wie Schlaganfälle oder Infarkte bei bestimmten chronischen Herz- bzw. Gefäßkrankheiten. 2013 initiiert, war sie ein Jahr früher als geplant beendet worden, da sich Xarelto erfolgreich zeigte.

Bei der untersuchten Dosierung von 2,5 Milligramm Xarelto zweimal täglich kombiniert mit 100 Milligramm Aspirin einmal täglich habe das Risiko von Schlaganfällen, kardiovaskulären Todesfällen sowie Infarkten um 24 Prozent gesenkt werden können, hieß es. Das Risiko von Schlaganfällen alleine sank demnach um 42 Prozent.

Die Blutungsraten, ein wichtiger Faktor bei Gerinnungshemmern, waren laut Misselwitz „erfreulich gering“. Zwar traten schwere Blutungskomplikationen etwas häufiger auf. „Sie waren jedoch deutlich geringer, als wir das zu Beginn der Studie angenommen haben.“ Erfreulich sei zudem gewesen, dass es keine Erhöhung bei tödlichen Blutungen oder Blutungen in lebenswichtigen Organen gegeben habe.

Bayer arbeitet nun an den nötigen Genehmigungen für die Markteinführung. „Wir streben an, den Zulassungsantrag noch in diesem Jahr zu stellen“, sagte Misselwitz. Untersucht wurde auch die Gabe von zweimal 5 Milligramm Xarelto täglich ohne Aspirin, jedoch waren die Unterschiede zu der geringeren Dosierung nicht statistisch signifikant, so der Studienleiter. Deswegen will der Konzern dies nicht zur Zulassung bringen.

Analysten versprechen sich viel von der Compass-Studie. Im Vorfeld etwa hatten die Experten der schweizerischen Bank Credit Suisse die potenziellen Mehreinnahmen durch diese Indikation auf jährlich 1,5 Milliarden US-Dollar allein für die USA geschätzt. Die Analysten der US-Großbank JPMorgan sehen ein zusätzliches Umsatzpotenzial von 0,7 bis 3,5 Milliarden Euro. Xarelto ist bereits für sieben Krankheitsbilder und in 130 Ländern zugelassen.

Bayer entwickelt Xareto zusammen mit dem US-Partner Janssen Research, einer Tochter des US-Gesundheitskonzerns Johnson & Johnson. Bayer besitzt die Vermarktungsrechte außerhalb den USA. Xarelto hat Bayer im vergangenen Jahr weltweit bereits fast 3 Milliarden Euro Umsatz in die Kassen gespült und ist damit das umsatzstärkste Medikament. Der Konzern traut dem Mittel einen Spitzenumsatz von mehr als 5 Milliarden Euro im Jahr zu.

In den USA sieht sich Bayer jedoch auch tausenden Patientenklagen gegenüber, die dem Medikament die Schädigung der Gesundheit vorwerfen. Bayer hat die Anschuldigungen stets zurückgewiesen. Eine erstes Urteil im Mai fiel zu Gunsten von Bayer und seinem Partner Janssen aus.

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