Politik

Wanka will Künstliche Intelligenz aus Elfenbeinturm holen

Plattform soll Forschung, Wirtschaft und Politik vernetzen. Erste Schwerpunkte sind Mobilität und Gesundheit.

In der Krebstherapie werden bereits erste Erfahrungen mit KI-Datenanalysen gesammelt. (Foto: Flickr/ Many Wonderful Artists/ Public Domain Mark 1.0)

In der Krebstherapie werden bereits erste Erfahrungen mit KI-Datenanalysen gesammelt. (Foto: Flickr/ Many Wonderful Artists/ Public Domain Mark 1.0)

Bundesforschungsministerin Johanna Wanka will mit Künstlicher Intelligenz (KI) der deutschen Wirtschaft einen Vorsprung im globalen Wettbewerb sichern. „Wir müssen mehr aus dem Thema KI machen“, sagte die CDU-Politikerin in einem kürzlich veröffentlichten Interview der Nachrich-tenagentur Reuters. Die deutsche KI-Forschung sei zwar exzellent. „Aber wir müssen diese Wis-sens-PS auch auf die Produktionsstraße bringen.“ Am 11. September nahm deswegen die Platt-form „Lernende Systeme“ ihre Arbeit auf. Sie soll den Weg für KI in Industrie und Wirtschaft bereiten, denn nach Digitalisierung und Vernetzung gilt sie als nächste Innovationsstufe.

Unter Künstlicher Intelligenz versteht man selbstlernende Maschinen. Diese können eigenständig Probleme lösen und ihre Handlung aufgrund von Erfahrungen anpassen. Manche Autofahrer profi-tieren bereits davon. Automatisches Einparken ist ein Beispiel für KI. Der Branchenverband Bit-kom hält KI für eine Schlüsseltechnologie, die sich maßgeblich auf Wirtschaft, öffentliche Hand und das tägliche Leben auswirken wird. Mindestens vier Milliarden Euro sollte der Staat aus Bit-kom-Sicht in die KI-Forschung stecken und eine Strategie entwickeln, wie die gesamte Wirtschaft davon profitieren kann. Auch Union und SPD haben bereits einen KI-Masterplan gefordert.

Wanka macht nun einen ersten Schritt. „Unsere Forschung hat einen Reifegrad erreicht, der das große Potenzial dieser neuen Technologie auch für die Wirtschaft offenbart“, erklärt sie. „Wir müssen bei KI jetzt in Kategorien denken, die wie bei Industrie 4.0 von weitreichenden Verände-rungen ausgehen.“ Deshalb würden auf der Plattform Wirtschaft, Forschung und Politik zusam-mengebracht. Am 11. September wurde ein Lenkungskreis berufen und eine Geschäftsstelle einge-richtet, zudem ging eine Webseite an den Start. Erste Schwerpunktthemen stehen mit Mobilität und Gesundheit bereits fest. Von Oktober an sollen Experten in sieben Arbeitsgruppen Vorschläge erarbeiten, wie beispielsweise Datenanalyse-Werkzeuge ausgebaut werden können.

In der Krebstherapie werden bereits erste Erfahrungen mit KI-Datenanalysen gesammelt. Dabei werden der Krebs eines Patienten mit den Akten Millionen anderer Krebserkrankter verglichen. In kurzer Zeit findet sich die erfolgversprechendste Therapieform, und zugleich werden die neuesten Forschungsaufsätze berücksichtigt. Von KI versprechen sich die Experten auch viel in anderen Bereichen wie Dienstleistung, Mobilität und Produktion. Neben der Abstimmung von Forschung und Wirtschaft hat Wanka auch Universitäten im Blick: „Wir wollen die Hochschulen stärken, die bereits über eine große KI-Kompetenz verfügen.“ Deshalb sollten diese Standorte die Möglichkeit erhalten, modernste Technik anzuschaffen.

Der Gefahr, dass durch KI Arbeitsplätze überflüssig werden, hält Wanka entgegen: „Ich sehe da auch Chancen für zukünftige Jobs, weil der Bedarf an qualifizierten Fachkräften durch KI wächst.“ Die CDU-Politikerin warnt davor, die neue Technologie zu verteufeln. „Zu oft bleiben Potenziale in Deutschland ungenutzt, weil wir interessengesteuerten Trugbildern mehr Glauben schenken als belegten Fakten.“

Skeptiker fürchten, KI könne sich irgendwann verselbstständigen und gegen Menschen richten. So warnte der Chef des Elektroauto-Bauers Tesla, Elon Musk, davor, KI-Roboter könnten Menschen töten. Wanka hält diese Gefahr für beherrschbar: „Wir werden auch die Diskussion durch die Plattform anstoßen, wo wir aus ethischen Gründen Grenzen für den Einsatz von KI ziehen müs-sen.“ Ihr Fazit: „Wir müssen lernen, damit richtig umzugehen.“

 

Kommentare

Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.