Krankenkassen

Pflegeangebote für den Alltag zu wenig bekannt

Pflegebedürftige sollen möglichst lange selbstständig zu Hause leben können. Der Bedarf für solche Modelle wird wachsen.

Die Angebote der Pflegeversicherung für die Betreuung im Alltag sind Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen noch viel zu wenig bekannt. Der Vorstand des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), Gernot Kiefer, sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Das muss sich ändern: Versicherte und Pflegebedürftige sollten sich gezielt und direkt an ihre Pflegekassen wenden.“

Nach dem Sozialgesetzbuch steht allen Pflegebedürftigen aller fünf Pflegegrade ein Entlastungsbetrag von bis zu 125 Euro im Monat zu. Dieser müsse beim Betreuungsdienstleister vorgestreckt werden und wird dann von der Pflegekasse erstattet. Beispiele für niedrigschwellige Entlastungsangebote sind stundenweise Betreuung, Unterstützung bei sozialen Kontakten, Unterstützung im Haushalt, Begleitung zu Aktivitäten außerhalb der Wohnung wie Einkauf oder Kinobesuch.

Der GKV-Spitzenverband geht davon aus, dass der Bedarf an niedrigschwelligen Pflegeangeboten weiter steigen wird. Der Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes des GKV-Spitzenverbandes, Peter Pick, sagte der dpa: „Niedrigschwellige Betreuungsdienste ergänzen die Leistungsangebote der ambulanten, teilstationären und stationären Pflege.“

Anfang des Jahres wurde Pflegebedürftigkeit neu definiert und in fünf Pflegegrade (bisher drei Pflegestufen) unterteilt. Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) geht mittelfristig von zusätzlich 500.000 Menschen aus, die nun in den Genuss von Pflegeleistungen kommen können.

Niedrigschwellige Angebote können gerade für Menschen im Pflegegrad 1 eine sinnvolle Unterstützung im Alltag sein. Denn die Betroffenen könnten ihren Alltag noch überwiegend selbstständig meistern. Sie brauchten aber oft stundenweise Unterstützung im Haushalt oder bei der Betreuung. „Ich gehe davon aus, dass der Bedarf an solchen Angeboten steigen wird“, sagte Pick.

Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hatte mit seiner dreistufigen Pflegereform in der zu Ende gehenden Legislaturperiode auch das Ziel verfolgt, dass Pflegebedürftige möglichst lange zu Hause gepflegt werden sollen, statt stationär.

Nach den Worten Kiefers können Leistungen ambulanter Pflegedienste heute deutlich flexibler als früher in Anspruch genommen werden. „Pflegebedürftige und ihre Angehörigen entscheiden selbst, ob sie verstärkt körperbezogene Pflege abrufen, Hilfe im Haushalt brauchen oder eher Unterstützung im Alltag, um zum Beispiel gemeinsam spazieren zu gehen. All das soll helfen, Pflegebedürftigen recht lange ein Leben im eigenen Zuhause zu ermöglichen.“

Nach den Worten von Jörg Veil, Chef eines dieser ambulanten Pflegedienste mit niedrigschwelligen Betreuungsangeboten, wird seine Unternehmensgruppe HomeInstead (etwa Besser Zuhause) in diesem Jahr mehr als 40 Millionen Euro Umsatz machen. Im vergangenen Jahr seien es noch 20 Millionen Euro gewesen, sagte Veil.

Daran sei zu sehen, „wie stark wir aktuell wachsen. Das liegt einerseits daran, dass wir noch viele junge Betriebe haben, die immer mehr Kunden versorgen. Das liegt aber auch daran, dass sich die Anzahl der Betriebe innerhalb der letzten 18 Monate verdoppelt hat. Der Markt und der Bedarf sind da. Wir werden da auch gut angenommen“, unterstrich Veil.

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