Gesundheit

Nach dem Urlaub kommt der Stress

Fast jeder zweite Deutsche ist schon unmittelbar nach dem Urlaub wieder unentspannt.

Ein gezielter Stressabbau im Joballtag ist unabdingbar, um auch gesundheitlich nicht aus dem Gleichgewicht zu geraten. (Foto: Flickr/Sodanie Chea/CC BY 2.0)

Ein gezielter Stressabbau im Joballtag ist unabdingbar, um auch gesundheitlich nicht aus dem Gleichgewicht zu geraten. (Foto: Flickr/Sodanie Chea/CC BY 2.0)

Mit dem Ende der Sommerferien in Bayern Mitte September war die Haupturlaubszeit in ganz Deutschland endgültig vorbei. Nicht nur für die Schüler, sondern auch für viele berufstätige Erwachsene begann wieder der Ernst des Lebens. Aber bringt „die schönste Zeit des Jahres“ überhaupt immer die ersehnte und für den Ausgleich benötigte Entspannung? Und falls ja, wie lange hält sie an?

Gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut Innofact ist der Nürnberger Kreativ- und Schreibwarenhersteller Staedtler in einer repräsentativen Befragung der Frage nachgegangen, ob die Deutschen im Urlaub ihren Alltag vergessen und ausspannen können und wenn ja, wie lange dieses Gefühl auch über die Auszeit hinaus anhält. Das Ergebnis: Fast die Hälfte der berufstätigen Deutschen (47 Prozent) ist bereits innerhalb der ersten zwei Arbeitstage nach dem Urlaub wieder gestresst. 35 Prozent, also mehr als ein Drittel, kehren sogar schon gestresst an den Arbeitsplatz zurück. Fragt man nach den Ursachen dafür, so gibt jeder Zweite die generellen Anforderungen im Job und den hohen Workload an. Aber auch zu viel angestaute Arbeit (44 Prozent) und die Tatsache, dass der Urlaub schlichtweg zu kurz war (35 Prozent) sind maßgebliche Gründe. Und mehr als einem Viertel der Befragten (27 Prozent) fehlen im Arbeitsalltag laut eigener Aussage schlichtweg die Möglichkeiten, ausreichend erholsame Pausen zwischendurch zu machen.

Die allgemeine Arbeitsbelastung sowie die Menge der angestauten Aufgaben nach dem Urlaub lassen sich nicht immer beeinflussen und für viele ist der Urlaub gefühlt oft ohnehin zu kurz. Es gibt aber Punkte, die Arbeitnehmer sehr wohl kontrollieren können: die sinnvolle und vor allem erholsame Nutzung von Pausen. Wie die TK-Stressstudie von 2016 belegt, sind gezielt gesetzte Pausen im Arbeitsalltag besonders wichtig, um den nötigen Ausgleich zur hektischen Betriebsamkeit zu schaffen. Von rund 15 Fehltagen pro Kopf und Jahr entfallen heute bereits 2,5 Tage auf psychische Beschwerden wie Depressionen, Angst- und Belastungsstörungen. Einer der Hauptstressfaktoren: der Beruf. Ein gezielter Stressabbau im Joballtag ist daher unabdingbar, um auch gesundheitlich nicht aus dem Gleichgewicht zu geraten. Dabei sollte man sich allerdings nicht allein auf den nächsten Urlaub fokussieren und versuchen, sich mit letzter Kraft in die verdiente Auszeit zu retten. Viel wichtiger ist es, kontinuierlich zwischendurch ganz bewusst kleine Pausen zu machen. Das fördert die langfristige Ausgeglichenheit und sorgt für Entlastung am Arbeitsplatz.

Die meisten Arbeitnehmer in Deutschland entspannen laut Umfrage am besten während einer Tasse Kaffee oder Tee (52 Prozent), bei einem gemütlichen Plausch mit Kollegen (41 Prozent) oder beim Surfen im Internet (36 Prozent). Nur ein Bruchteil dagegen wird am Arbeitsplatz sportlich aktiv z.B. beim Yoga (8 Prozent), gönnt sich kurze Power Naps (7 Prozent) oder wird kreativ (7 Prozent). Dabei lassen sich gerade kreative Tätigkeiten sehr gut und mit vergleichsweise wenig Aufwand als kleine Pausen in den Arbeitsalltag integrieren, z.B. über das Ausmalen von Malvorlagen, auch Adult Colouring genannt.

Das Kolorieren von inspirierenden Vorlagen ist eine schnelle und einfache Möglichkeit, Denkblockaden zu lösen und Stress abzubauen, positive Effekte, die sich vor allem im Beruf als Vorteil erweisen. Schon wenige Minuten Ausmalen täglich tragen zur Entspannung und einer höheren Motivation bei, ob beim Kritzeln am Telefon, beim Warten auf die Kollegen vor dem nächsten Meeting oder einfach kurz zwischendurch, um den Kopf freizubekommen und die Batterien wieder aufzuladen. Zudem ist Ausmalen kinderleicht, es unterbricht den digitalen Arbeitsalltag und ist jederzeit und überall möglich. Besondere künstlerische Erfahrung braucht es nicht, denn die Kreativität liegt im Umgang mit der Farbe und ihren Facetten. Dr. Jürgen Hettler, Facharzt für Innere Medizin und Psychotherapie im Gezeiten Haus Klinikum, ist von der medizinischen Wirksamkeit des Ausmalens überzeugt: „Ein Vorteil des Ausmalens ist, dass jeder dabei in seiner ganz eigenen Geschwindigkeit vorgehen kann, nicht getrieben durch Zeitvorgaben. So entsteht rasch das Gefühl, dass eine beruhigende Ordnung vorliegt. Der Anwender lernt, wieder zu fokussieren, der diffuse Gedankenfluss lässt nach und weicht einer konzentrierten Gelassenheit.“

 

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