Analyse

Preise patentgeschützter Arzneien steigen weiter

In Deutschland werden einer Studie zufolge immer mehr teure Medikamente verschrieben.

Patentgeschützte Wirkstoffe machen Medikamente teuer. (Foto: Flickr/Procsilas Moscas/Cc by 2.0)

Patentgeschützte Wirkstoffe machen Medikamente teuer. (Foto: Flickr/Procsilas Moscas/Cc by 2.0)

Die Arzneiausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) seien im vergangenen Jahr um 3,9 Prozent auf rund 38,5 Milliarden Euro gestiegen, während das Verordnungsvolumen lediglich um 2,1 Prozent gestiegen sei, heißt es im Arzneiverordnungs-Report, den das Wissenschaftliche Institut der AOK und die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft in Berlin vorstellten. „2016 wurden mehr, aber vor allem auch teurere Arzneimittel verordnet“, zitiert Reuters Experte Ulrich Schwabe. „Hauptursache dafür war die überproportionale Kostensteigerung bei den patentgeschützten Wirkstoffen.“

Der anhaltende Trend zu neuen teuren Arzneien im patentgeschützten Markt zeige sich unter anderem an der Entwicklung der höchsten Bruttoumsätze je Verordnung. Das teuerste Prozent aller Produkte habe im Jahr 2006 mindestens einen Bruttoumsatz von 946 Euro je Verordnung gehabt. 2016 seien es mindestens 3979 Euro gewesen.

Insbesondere gentechnologisch hergestellte Biologika trieben die Ausgaben in die Höhe. Ihr Umsatz hat sich dem Report zufolge von 2006 bis 2016 auf 7,8 Milliarden Euro erhöht. Durch die konsequente Verordnung sogenannter Biosimilars könnten mittelfristig beträchtliche Einsparungen für das Gesundheitssystem erzielt werden. Bei Biosimilars handelt es sich um Präparate, die einem Biologikum strukturell ähnlich sind und die gleiche pharmakologische Wirkung ausüben, aber preisgünstiger sind.

Der Verband forschender Pharma-Unternehmen (vfa) verwies auf wichtige therapeutische Durchbrüche wie die Heilung von Hepatitis C-Patienten durch die neuen Arzneien. Es liefen zudem in Kürze viele Patente von Medikamenten mit weltweit Milliardenumsätzen aus, etwa bei Krebs und Rheuma. Bewährte Therapien stünden dann zu erheblich niedrigeren Preisen zur Verfügung.
Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) erklärte, der Anteil der Pharmabranche an den Ausgaben der GKV liege bei rund acht Prozent und sei gesunken. Damit werde deutlich, dass die Ausgabenentwicklung kein Risikofaktor für die Finanzierung der Krankenversicherung darstelle.

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