Pharma

Rezeptfreie Medikamente bereiten Bayer Kopfschmerzen

Sparsame Amerikaner machen Consumer-Health-Sparte zu schaffen. Auch das Agrargeschäft schwächelt vor dem Monsanto-Deal.

Der Bayer-Betriebsgewinn steigt insgesamt um gut vier Prozent. (Foto: Flickr/Conan/CC BY 2.0)

Der Bayer-Betriebsgewinn steigt insgesamt um gut vier Prozent. (Foto: Flickr/Conan/CC BY 2.0)

Bayer muss vor der Übernahme des Saatgutriesen Monsanto Rückschläge in der Agrarsparte sowie im Geschäft mit frei verkäuflichen Medikamenten einstecken. Der Aspirin-Hersteller steigerte seinen bereinigten Betriebsgewinn (Ebitda) im dritten Quartal zwar insgesamt um 4,1 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro, wie Bayer mitteilte. Doch im Geschäft mit nicht verschreibungspflichtigen Präparaten schrumpfte der operative Gewinn mit 16,5 Prozent überraschend stark, so Reuters. Schwung brachten dagegen erneut verschreibungspflichtige Kassenschlager wie der Blutgerinnungshemmer Xarelto. Die Leverkusener wollen den Monsanto-Deal trotz EU-Bedenken weiter Anfang 2018 abschließen.

„Das Geschäft mit unseren rezeptfreien Gesundheitsprodukten entwickelte sich erwartungsgemäß schwach“, räumte Konzernchef Werner Baumann ein. Weniger Absatz und höhere Herstellungskosten ergaben demnach eine ungesunde Kombination. So brach der Umsatz beim Sonnenschutzmittel Coppertone fast 45 Prozent ein, was Bayer auf den harten Wettbewerb in den USA zurückführte. Dort greifen auch die Kunden für frei verkäufliche Arzneien nicht mehr so tief in die Tasche und wechseln zum Ärger von Bayer zur günstigeren Konkurrenz. Zugleich setzen große Drogerieketten, die in den USA auch rezeptfreie Medikamente verkaufen, die Pharmakonzerne unter Preisdruck.

Kopfschmerzen bereitet Bayer damit jene Consumer-Health-Sparte, die beim US-Rivale Pfizer inzwischen vor dem Verkauf steht. Die Veräußerung des Pfizer-Geschäfts mit Centrum-Vitaminen und Baldriparan-Schlafmitteln könnte im November starten, sagten Insider zu Reuters. Bei Bayer könnte bald der gesamte Pharma-Bereich durch den Monsanto-Deal in den Hintergrund rücken, denn zusammen mit dem Entwickler des Unkrautvernichters Glyphosat steigt der Konzern zum weltgrößten Anbieter von Saatgut und Pflanzenschutzmitteln auf.

Fortschritt bei Genehmigung von Monsanto-Deal

Doch vor der größten Übernahme in der Geschichte des Traditionskonzerns gelang es Bayer in der eigenen Agrarsparte nicht, niedrigere Verkaufspreise und negative Währungseffekte durch Sparsamkeit bei Herstellung, Marketing und Vertrieb auszugleichen. Wegen eines unerwartet schwachen Pflanzenschutzgeschäfts in Brasilien hatte sich Bayer schon von seinen Umsatz- und Ergebniszielen für 2017 verabschieden müssen. Die danach neu gefassten Vorgaben wurden nun bekräftigt.

Auch der Rivale BASF hat in Brasilien zu kämpfen. Niedrigere Preise und Verkaufsmengen dort ließen den Gewinn des Ludwigshafener Konzerns in seiner gesamten Agrarsparte um 80 Prozent einbrechen. Monsanto kam dagegen zuletzt ein stärkeres Geschäft mit Mais- und Sojasaaten zu Gute.

Weil sich die Verbindlichkeiten von Monsanto verringert haben, ist der Wert der geplanten Übernahme einschließlich übernommener Schulden laut Bayer-Finanzchef Johannes Dietsch auf 63,5 Milliarden Dollar gesunken. Bisher war im Zusammenhang mit der geplanten Bayer-Übernahme immer von 66 Milliarden Dollar die Rede. Bei der Genehmigung des Mega-Zukaufs meldete Bayer nun Fortschritte. „Wir haben jetzt etwa ein Drittel der erforderlichen Freigaben erhalten“, sagte Bayer-Chef Baumann. Er sieht sich auch durch den vereinbarten Verkauf von Geschäften mit der Landwirtschaft an BASF auf Kurs. „Wir gehen mit dieser Vereinbarung aktiv auf mögliche Bedenken der Behörden im Zusammenhang mit der geplanten Übernahme von Monsanto ein.“
Der Verkauf des Anteilspakets an BASF für knapp sechs Milliarden Euro lässt bei den Leverkusenern ordentlich die Kassen klingeln, wie auch der Rückzug aus der Kunststofftochter Covestro, der 4,7 Milliarden Euro einbrachte. Der Geldregen könnte nun auch die angekündigte milliardenschwere Kapitalerhöhung zur Finanzierung des Monsanto-Deals kleiner ausfallen lassen, wie Bayer andeutete. Dieses Jahr sei der Schritt noch nicht geplant. Man wolle zunächst hinreichende Sicherheit haben, dass der Monsanto-Zukauf auch genehmigt wird.

 

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