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Studie belegt Gewinnorientierung in Krankenhäusern

In Krankenhäusern wird zunehmend profitorientiert gehandelt. Das Vertrauen der Patienten steht auf dem Spiel.

Die Patientenzahlen in Krankenhäusern steigen, die Aufenthaltsdauer verkürzt sich. (Foto: Flickr/Nick Savchenko/CC BY-SA 2.0)

Die Patientenzahlen in Krankenhäusern steigen, die Aufenthaltsdauer verkürzt sich. (Foto: Flickr/Nick Savchenko/CC BY-SA 2.0)

Das Wohl der Patienten steht in deutschen Krankenhäusern nach einer neuen Studie nicht immer an erster Stelle. Bundesweit komme es aus Kostengründen vor, dass Patienten ohne medizinischen Grund im Krankenhaus behandelt würden, sagte Professor Karl-Heinz Wehkamp vom Socium Forschungszentrum der Universität Bremen. „Das System geht auf Lasten der Patienten und zu Lasten der Medizin“, zitiert die dpa den Mediziner. Auch das Krankenhauspersonal stehe unter enormem Druck.

Für ihre selbst finanzierte Studie befragten Wehkamp und Prof. Heinz Naegler, bis zu seiner Emeritierung Honorarprofessor an der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin sowie langjähriger Krankenhausmanager in Wien und Berlin, rund 60 Ärzte und Geschäftsführer aus Krankenhäusern in zwölf Bundesländern.

„Wir hätten noch viel mehr Ärzte interviewen können. Die meisten hatten geradezu ein Bedürfnis darüber zu sprechen, um Öffentlichkeit und Politik wach zu rütteln“, berichtet Prof. Karl-Heinz Wehkamp. Es gäbe aber auch Beispiele einer guten Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Geschäftsführern, bei der es vorrangig um das Patientenwohl gehe, so Prof. Naegler. Das Fazit für die Macher der Studie: Das Vertrauen der Patienten in die Medizin steht auf dem Spiel. Am Bett eines Patienten dürfe nicht gerechnet werden. Ihren rund 250 Seiten langen Bericht wollen sie im Dezember als Buch veröffentlichen.

Der Analyse zufolge werden ärztliche Entscheidungen durch betriebswirtschaftliche Vorgaben beeinflusst. In Interviews und Diskussionen gaben Ärzte und Geschäftsführer an, dass Entscheidungen über Aufnahme, Behandlungsart und Entlassung eines Patienten ohne Kostendruck häufig anders ausfallen würden. Demnach bieten Ärzte zum Beispiel eher gewinnbringende Behandlungsverfahren an. Beim Personal sorge die Arbeitsverdichtung für gesundheitliche Risiken.

„Diese Entwicklungen sind nicht nur für die Patienten bedenklich, auch der Arbeitsplatz Krankenhaus verliert für Mediziner und Pflege an Attraktivität. Das ließe sich umkehren, wenn den Krankenhäusern der Druck genommen würde, für ihre Zukunftssicherung gewinnorientiert verhandeln zu müssen und das Patientenwohl wieder ausschließliches Kriterium für medizinische Entscheidungen werden würde“, heißt es dazu in der Vorschau auf die Publikation.

„Erschreckend ist, dass die Politik das nicht zur Kenntnis nehmen will“, sagte Wehkamp mit Blick auf die alarmierenden Zustände in vielen Krankenhäusern. „Bei diesem Defizit an Grundfinanzierung können sie auch bei einer einigermaßen menschenwürdigen Personalpolitik nur sehr schwer Gewinne machen“, sagte er. In der Branche gebe es strukturelle Steuerungsschwächen und teilweise Fehlanreize.

 

 

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