Analyse

Jeder Dritte mit Schlafstörungen, starker Anstieg

Der Anteil der Bundesbürger mit Schlafproblemen ist innerhalb weniger Jahre deutlich gestiegen.

Die Auswirkungen des Schlafmangels auf die Leistungsfähigkeit sowie das Unfallrisiko im Straßenverkehr sind enorm. (Foto: Flickr/ Fernando Garcia/CC BY 2.0)

Die Auswirkungen des Schlafmangels auf die Leistungsfähigkeit sowie das Unfallrisiko im Straßenverkehr sind enorm. (Foto: Flickr/Fernando Garcia/CC BY 2.0)

In einer repräsentativen GfK-Umfrage für das Gesundheitsmagazin „Apotheken Umschau“ bei 2.161 Frauen und Männern ab 14 Jahren gab fast jeder Dritte (32,3 Prozent) an, zumindest gelegentlich unter Schlafstörungen zu leiden. Im Jahr 2015 war es nur jeder Vierte (26,3 Prozent), 2013 hatten darüber lediglich 23,3 Prozent geklagt.

Experten sehen in dieser Entwicklung einen Tribut an den modernen Lebensstil: Permanente Erreichbarkeit und Reizüberflutung durch elektronische Medien, Stress im Beruf und zunehmend auch in der Freizeit stören Schlafqualität und -dauer. „Wir haben den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus verloren, der sich an Hell und Dunkel orientiert“, sagt Professor Jörg Lindemann, Schlafmediziner am Uniklinikum Ulm. Die Auswirkungen des Schlafmangels auf die Leistungsfähigkeit sowie das Unfallrisiko im Straßenverkehr sind enorm. In der Umfrage räumte jeder siebte Autofahrer (14,5 Prozent) ein, schon mal am Steuer während der Fahrt kurz eingenickt zu sein. Studien weisen zudem darauf hin, dass eine schlechtere Nachtruhe das Risiko für Depressionen, Schlaganfälle und Demenz erhöht und die Lebenserwartung verkürzt.

Von einer behandlungswürdigen Störung sprechen Experten, wenn der Patient länger als einen Monat mindestens dreimal in der Woche schlecht schläft. Erster Ansprechpartner ist meist der Hausarzt. Er untersucht, ob eine Erkrankung hinter dem Problem steckt, etwa Bluthochdruck, Schilddrüsenüberfunktion, Depressionen oder nächtliche Atemaussetzer. „Sind jedoch ungünstige Gewohnheiten die Ursache, sollte der Patient überlegen, wie er sein Verhalten ändern kann“, betont Lindemann. Zum Beispiel durch den abendlichen Verzicht auf schwere Mahlzeiten und Alkohol. Laut GfK-Umfrage nutzen 17,4 Prozent der Deutschen mindestens mehrmals im Monat Alkohol zum Abschalten. Dieser beeinträchtige aber die Schlafqualität, so der Experte. Wichtig sei auch ein regelmäßiger Rhythmus: „Menschen mit Schlafproblemen sollten immer zur gleichen Zeit aufstehen und auf ein Nickerchen am Mittag verzichten.“

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