Pharmabranche

Merck: Krebsmittel Avelumab verfehlt Studienziel

Die Krebsimmuntherapie konnte die Gesamtüberlebenszeit nicht verbessern. Mehr Forschung nach Zulassung nötig.

Merck muss einen Rückschlag bei seinem Krebsmittel Avelumab verkraften. (Foto: Flickr/National Eye Institute/CC BY 2.0)

Merck muss einen Rückschlag bei seinem Krebsmittel Avelumab verkraften. (Foto: Flickr/National Eye Institute/CC BY 2.0)

Der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck muss bei seinem größten Medikamenten-Hoffnungsträger einen Rückschlag verkraften. Die Krebsimmuntherapie Avelumab verfehlte in einer Phase-III-Studie zur Behandlung von Patienten mit inoperablem, rezidivierendem oder metastasiertem Magenkrebs das Studienziel, wie Merck mitteilte. Im Vergleich zu einer Chemotherapie konnte Avelumab die Gesamtüberlebenszeit nicht verbessern. In der Studie wurden Patienten behandelt, bei denen die Krankheit bereits nach zwei vorausgegangenen Therapien fortgeschritten war.

Von der Krebsimmuntherapie, für die Merck eine Partnerschaft mit dem US-Pharmakonzern Pfizer geschlossen hat, soll in Zukunft ein Großteil der neuen Pharmaumsätze des hessischen Unternehmens kommen, so Reuters. Avelumab ist unter dem Namen Bavencio bereits zur Behandlung einer seltenen und aggressiven Form von Hautkrebs und für Blasenkrebs zugelassen. In Europa hat Merck die Zulassung im September dieses Jahres erhalten.

Forschung zum Nutzen erforderlich

Nach der Zulassung von Krebsmedikamenten ist aus Sicht eines Arzneimittelexperten mehr Forschung zum Nutzen erforderlich, berichtet auch die dpa. Das entscheidende Manko sei, dass man die dringend innerhalb der ersten zwei, drei Jahre nach der Zulassung nötigen Studien nicht bekomme, sagte der Onkologe Wolf-Dieter Ludwig kürzlich im ARD-Morgenmagazin. Es brauche wieder mehr unabhängige klinische Forschung, vor allem müssten sich die jeweiligen Pharma-Hersteller beteiligen, so Ludwig weiter. Er ist Vorsitzender der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft.

Hintergrund der ARD-Recherchen ist eine Studie, die vor einigen Wochen im Fachblatt „The BMJ“ erschienen ist. Die Autoren kamen zum Schluss, dass bei knapp der Hälfte der 68 zwischen 2009 und 2013 von der Europäischen Arzneimittelagentur zugelassenen Krebstherapien selbst Jahre nach der Zulassung unsicher sei, ob sie das Leben verlängern oder die Lebensqualität verbessern. Und wenn Vorteile im Vergleich zu älteren Medikamenten oder Placebos gezeigt wurden, seien diese oft klinisch nicht relevant gewesen.

Die Krankenkasse Barmer GEK etwa beklagte bereits im Sommer fehlende späte Bewertungen sowie explodierende Kosten für Krebstherapien. Es könne um 100 000 Euro und mehr gehen, pro Patient im Jahr. Laut Robert Koch-Institut bekamen nach jüngsten Daten im Jahr 2013 rund 483 000 Menschen in Deutschland neu die Diagnose Krebs.

Ludwig sagte im ARD-Morgenmagazin, gerade die Onkologie sei ein „extrem lukratives Gebiet“ für Hersteller. Diese versuchten, Medikamente mit „häufig unseriösen Versprechungen“ in den Markt zu drücken. Pro Jahr gehe es um 10 bis 12 Medikamente, teils nur an kleinen Gruppen getestet. Bleibe der Wissensstand nach der Zulassung dürftig, müsse man in Betracht ziehen, die Kostenerstattung wieder zu beenden. Das sei ein wichtiger Schritt, um die Hersteller zu weiteren Studien zu zwingen, so der Experte.

 

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