Pharmabranche

Ratiopharm-Mutterkonzern Teva streicht 14.000 Stellen

Die Ratiopharm-Mutter kündigt Massenentlassungen an. Die Gewerkschaft wappnet sich für den härtesten Kampf seit 30 Jahren.

Der kriselnde Pharmakonzern Teva will binnen zwei Jahren weltweit 14 000 Stellen streichen. Dies teilte das Unternehmen kürzlich mit. Teva (hebräisch für: Natur) ist Weltmarktführer unter den Generika-Herstellern und Israels größtes Unternehmen. Weltweit hat die Ratiopharm-Mutter nach eigenen Angaben rund 53 000 Mitarbeiter, damit ist jede vierte Stelle von den Kürzungen betroffen. Generika sind Nachahmer-Präparate von Medikamenten, die keinen Patentschutz haben.

Teva ist in Deutschland mit seiner Marke Ratiopharm bekannt, berichtet die dpa. Die schwäbische Firma aus Ulm gehörte einst dem Großindustriellen Adolf Merckle, 2010 wurde sie an Teva verkauft. Teva Deutschland hat hierzulande rund 2900 Mitarbeiter, von denen die meisten am Standort Ulm für die Marke Ratiopharm tätig sind.

Wie viele dieser Stellen vom Sparkurs des Konzerns betroffen sind, ist noch unklar. Aus der Zentrale in Petach Tikva wurde zuletzt keine Kürzungsvorgabe für das Stellennetz in einzelnen europäischen Ländern gemacht, nur für Israel wurde eine nationale Zahl bekanntgegeben: Dort sollen bis Ende 2019 rund 1700 Stellen gekürzt werden, das wäre ein Viertel des bisherigen Personals in dem Land. Ein Sprecher von Teva Deutschland sagte, man sei bereits heute sehr effizient aufgestellt. „Teva Deutschland war auch 2017 im Markt erfolgreich und wird die Jahresziele erreichen.“

Tevas neuer dänischer Chef, Kåre Schultz, sagte, man wolle mit einem Umstrukturierungsplan bis Ende 2019 drei Milliarden US-Dollar einsparen. Die meisten Entlassungen seien im kommenden Jahr geplant. Man plane die Schließung einer ganzen Reihe von Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen, Hauptquartieren und Bürogebäuden auf der ganzen Welt.

Teva steht schon länger wegen des zunehmenden Preisverfalls und anhaltender Absatzeinbußen in den USA unter Druck. Der israelische Konzern hatte Anfang November wegen des Preiskampfes in den USA zum dritten Mal in diesem Jahr seine Prognose gesenkt. „Die Umstrukturierung ist notwendig, um die Organisation zu vereinheitlichen und zu vereinfachen und die Unternehmensleistung zu verbessern“, sagte Schultz. „Wir dürfen keine Zeit verschwenden.“

Kein Überleben ohne aggressive Kürzungen

Das angesehene israelische Wirtschaftsblatt TheMarker schrieb, der Teva-Chef habe gewarnt, ohne aggressive Kürzungen könne das Unternehmen nicht überleben. Teva habe Schulden von 35 Milliarden Dollar (rund 30 Milliarden Euro), schrieb das Blatt. Hintergrund sei vor allem die Übernahme des Generika-Herstellers Actavis.

Spürbare Einbußen musste der Konzern auch hinnehmen, nachdem er den Patentschutz für das Medikament Copaxone verlor, das zur Behandlung von Multipler Sklerose dient. Das von Teva selbst entwickelte Medikament war 1996 auf den Markt gekommen und lange wichtigster Umsatzbringer des Pharmakonzerns. Der US-Hersteller Mylan hat inzwischen eine günstigere Nachahmervariante auf den Markt gebracht.

Israel stehe nun der größte Kampf gegen Entlassungen seit drei Jahrzehnten bevor, schrieb TheMarker. Zuletzt habe Ende der 1980er Jahre die Unternehmensgruppe Koor Industries, die damals der Histadrut gehörte, 16.000 Stellen gestrichen. Es werde nun befürchtet, dass die Entlassungen den vollkommenen Rückzug Tevas aus Israel einläute, schrieb die Zeitung Haaretz.

Auch die Politik hat sich inzwischen eingeschaltet: Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sprach mit dem Teva-Chef Schultz und äußerte sich besorgt, wie sein Sprecher mitteilte. Netanjahu habe Schultz gebeten, den Schaden für die israelischen Angestellten so klein wie möglich zu halten und „Tevas Identität als israelisches Unternehmen zu wahren“.

Kommentare

Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.