Analyse

Sanierungsstau schädigt die Gesundheit

Häuser in schlechtem Zustand führen häufig auch zu gesundheitlichen Problemen.

Eine europaweite Studie im Auftrag von Velux, das „Healthy Homes Barometer 2017“, hat festgestellt, dass Sanierungen nicht nur ein Klimaschutz-Thema sind. Denn Häuser in schlechtem Zustand führen häufig auch zu gesundheitlichen Problemen.

Laut der Untersuchung, die von Ecofys, dem Fraunhofer IBP und Copenhagen Economics erstellt wurde, klagen Bewohner von zu feuchten Gebäuden 66 Prozent häufiger über gesundheitliche Probleme als Bewohner von trockenen Häusern. Spezifische Erkrankungen lassen sich mit Feuchtigkeit daheim in Verbindung bringen: So leiden Menschen mit einer um 40 Prozent erhöhten Wahrscheinlichkeit an Asthma, wenn sie in einem feuchten oder von Schimmel befallenen Gebäude leben.

Auch dunkle Häuser und Wohnungen wirken sich auf die Gesundheit aus: Die Zunahme von Gesundheitsproblemen im Vergleich zu hellen Gebäuden liegt im europäischen Schnitt bei 52 Prozent. Die Studie umfasst dabei alle EU-Länder und assoziierte Staaten wie die Schweiz – mit einer großen Ausnahme. Deutschland ist nicht dabei, denn ausgerechnet dort gibt es laut den Auftraggebern keine ausreichende Datengrundlage. Europaweit leben laut der Untersuchung 80 Millionen Menschen in ungesunden Gebäuden. Wichtig ist: Eine Kausalität erschließt sich nicht zwingend aus dem statistischen Zusammenhang zwischen Gesundheitsproblemen und schlechter Wohnqualität. Möglich ist zum Beispiel, dass der Faktor Armut sowohl mit einer schlechten Wohnqualität als auch anderen Gesundheitsrisiken wie schlechter Ernährung und Rauchen korreliert. Allerdings legt die deutliche Zunahme von Gesundheitsproblemen nahe, dass tatsächlich ein direkter Zusammenhang besteht.

„Wir brauchen eine Sanierungsoffensive“, sagte Till Reine, Leiter Public Affairs bei Velux Deutschland, laut einer Mitteilung. Die deutsche Baupolitik müsse dem Thema Wohnqualität endlich die notwendige Bedeutung beimessen und die Modernisierung des Gebäudebestands ganz oben auf die Agenda setzen. Die Untersuchung taxiert die Folgekosten auf rund 82 Milliarden Euro pro Jahr in Europa. Würde die Sanierungsrate von rund einem Prozent pro Jahr auf zwei Prozent gesteigert, könne die Zahl der ungesunden Gebäude bis 2050 halbiert werden.

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