Technologie

Japanisches Krankenhaus setzt nachts auf Roboter

Roboter sollen die Arbeit in einem japanischen Krankenhaus unterstützen. Zum Einsatz kommen sie in der Logistik.

Japans Bevölkerung schrumpft rapide. Angesichts niedriger Geburtenraten und zunehmender Überalterung könnte die Zahl der Bewohner der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt von derzeit rund 127 Millionen auf unter 100 Millionen im Jahr 2053 sinken. Japan altert so rasant wie kein anderes Industrieland, berichtet die dpa. Mehr als ein Viertel der Bevölkerung ist inzwischen älter als 65 Jahre.

Diese Entwicklung hat zur Folge, dass auch die Arbeitskräfte knapp werden. Das Land braucht neue Lösungen. Kein Wunder, dass Japan eine der führenden Roboter-Nationen ist. Roboter gelten dort als wegweisend, ob als Alten- oder Krankenpfleger, als Verkäufer, Verwaltungsfachkraft oder Werkstattarbeiter.

Nach Ansicht des japanischen Professors Hiroshi Ishiguro werden sie schon mittelfristig wichtige Aufgaben in der Gesellschaft übernehmen. „Ich denke, schon in naher Zukunft werden wir eine Roboter-Gesellschaft haben“, meinte der Leiter der Robotik-Abteilung der Universität Osaka anlässlich der Cebit 2017. „Es reicht nicht, Roboter nur in Fabriken einzusetzen, wir können sie auch noch in vielen anderen Bereichen einsetzen“, so der Akademiker.

Einsatz in der Logistik

In der japanischen Stadt Nagoya wurde seine Prognose nun umgesetzt: Im dortigen Krankenhaus werden die Ärzte seit Februar zwischen 17 und 8 Uhr von insgesamt vier Robotern unterstützt, berichtet das Portal Engadget. Als Assistenz während einer Operation werden sie allerdings nicht zum Einsatz kommen. Helfen sollen die Roboter im Bereich Logistik, zum Beispiel, um Medikamente und medizinische Proben zu transportieren.

Die Funktionsweise erklärt das Magazin Trends der Zukunft: „Dafür werden sie von den Ärzten mithilfe eine Tablets herbeigerufen. Anschließend wird der zu transportierende Gegenstand im Inneren des Roboters platziert – wo auch die Fortführung der Kühlkette garantiert werden kann.“ Ebenfalls auf dem Tablet könnten die Ärzte dann den Zielort ihrer Sendung festlegen. Im Idealfall könne so etwa eine Blutprobe ohne menschliche Hilfe direkt ins Labor transportiert werden.

Die Roboter navigierten mithilfe eines Radarsystems und von Kameras durch die Gänge. Träfen sie auf einen Menschen, würde zunächst versucht, diesen zu umfahren. Sei dies nicht möglich, könne der Roboter auch sprechen. Er sagt dann: „Verzeihung! Bitte lassen sie mich durch!“. Eine Antwort oder weitere Formen der sprachlichen Kommunikation seien bisher aber nicht möglich.

Mehr Zeit für Patienten

Die Idee: Menschlichen Mitarbeiter haben so mehr Zeit für andere Aufgaben und können sich besser um ihre Patienten kümmern können. „Nicht ausgeschlossen ist aber natürlich auch, dass durch solche und ähnliche Einsätze von Robotern langfristig Stellen gestrichen werden“, heißt es weiter.

Entwickelt wurden die Roboter von Toyota Industries, einem Tochterunternehmen des gleichnamigen Autobauers, das sich auf die Entwicklung von Autoteilen und Elektronik spezialisiert hat. Tagsüber, so wird verlautet, sollen die neuen Helfer zunächst nicht zum Einsatz kommen: „Die Entwickler fürchten, dass dann zu viele Menschen auf den Fluren unterwegs sein könnten.“

Roboter könnten Arbeitsplätze vernichten

Was im japanischen Krankenhaus offenbar als Segen betrachtet wird, ist aber durchaus auch kritisch zu sehen. Denn der verstärkte Einsatz von Robotern und automatisierten Prozessen könnte bis zum Jahr 2030 weltweit 800 Millionen Arbeitsplätze vernichten, berichtet die BBC. Wie aus einem Bericht der Beratungsgesellschaft McKinsey hervorgeht, dürften besonders die entwickelten Industriestaaten des Westens von der Entwicklung betroffen sein.
McKinsey rechnet damit, dass weltweit etwa jede fünfte Tätigkeit durch Maschinen oder Algorithmen ersetzt werden könnte. In entwickelten Staaten wie den USA, vielen Ländern Europas sowie Japans ist sogar jeder dritte Beruf von der Automatisierung betroffen.

Explizit wird in dem Bericht Deutschland als eines der Länder genannt, die besonders im Fokus stehen. Demnach würden hierzulande bis zum Jahr 2030 etwa 15 Prozent der Computerspezialisten, Bürokaufleute, Verwaltungsangestellten, Buchhalter und Menschen in vergleichbaren Berufen ihre Stelle verlieren. Auch etwa 21 Prozent der Arbeitsplätze im Bereich der Mechanik, Sicherheit, Küchen und Gastronomie würden verschwinden.
Insgesamt müssten zwischen 3 und 12 Millionen Deutsche bis zum Jahr 2030 ihren Beruf wechseln beziehungsweise würden in einem solchen Umfang neue Stellen in den betroffenen Branchen gar nicht mehr entstehen.

Die Analysten rechnen auch damit, dass in den USA bis 2030 zwischen 39 und 73 Millionen Arbeitsplätze wegfallen, doch auch bis zu 20 Millionen neue Arbeitsfelder entstehen werden.

Ärmere oder weniger entwickelte Länder werden der Studie zufolge weniger Arbeitsplätze verlieren. In Indien etwa würden bis zum Jahr 2030 nur rund 9 Prozent der Stellen wegfallen, weil die Wirtschaft hier trotz mehrerer Initiativen wie der umstrittenen Bargeld-Reform noch stark ländlich und handwerklich geprägt ist.

Zu den gefährdetsten Berufen gehören McKinsey zufolge Aktienhändler, Maschinisten, Buchhalter und Verwaltungsangestellte. Tätigkeiten, bei denen die zwischenmenschliche Interaktion entscheidend ist – wie bei Ärzten, Lehrern oder Barkeepern, bleiben wahrscheinlich verschont. Auch Stellen, für deren Ausübung keine akademische Qualifikation erforderlich ist, sind relativ immun gegen eine Ersetzung.

 

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