Medizintechnik

Medikament oder Plagiat: Laser erkennen den Unterschied

Forscher am Fraunhofer Institut für Angewandte Festkörperphysik arbeiten an einem Laser, der Medikamente exakt identifiziert.

Der Quantenkaskadenlaser kann Medikamente identifizieren. (Foto: Fraunhofer IAF)

Der Quantenkaskadenlaser kann Medikamente identifizieren. (Foto: Fraunhofer IAF)

Wissenschaftler am Fraunhofer IAF haben einen Quantenkaskadenlaser (QCL) entwickelt, der Medikamente in Bruchteilen einer Sekunde von Plagiaten unterscheiden kann.

Die Technologie hinter der Innovation ist die Rückstreuspektroskopie. Sie macht sich zunutze, dass jede chemische Substanz einen individuellen Anteil infraroten Lichts absorbiert. „Bestrahlen wir eine Substanz mit einer entsprechenden Lichtquelle, erhalten wir eine für den Stoff charakteristische Rückstreuung“, so Dr. Ralf Ostendorf, Leiter des Geschäftsfeldes „Halbleiterlaser“ am Fraunhofer-Institut für Angewandte Festkörperphysik IAF in Freiburg. Besonders gut eignet sich der Bereich des mittleren Infrarotspektrums (MIR), um Stoffe und Substanzen zweifelsfrei zu identifizieren. Das Licht hat hier eine Wellenlänge von drei bis 12 Mikrometern. Moleküle weisen in diesem Spektralbereich ein charakteristisches Absorptionsverhalten auf, was das QCL-Messsystem hervorragend nachweisen kann.

Der QCL kann in wenigen Millisekunden gezielt auf einzelne Absorptionslinien innerhalb eines sehr breiten Spektralbandes eingestellt werden, was bedeutet, dass in kürzester Zeit sehr viele Informationen zum Absorptionsverhalten einer Substanz ermittelt werden können. „Mit Hilfe der hohen spektralen Brillanz des Lasers und der schnellen Wellenlängenabstimmung sind rasch sehr exakte Rückschlüsse möglich, ähnlich eines menschlichen Fingerabdrucks“, sagt Ostendorf. Der entwickelte QCL schafft es somit, selbst kleinste Mengen einer bestimmten Substanz in Echtzeit nachzuweisen, was eine deutliche Verbesserung im Vergleich zu bisherigen Systemen darstellt.

Fit für Einsatz in der Pharmabranche

Die präzisen Quantenkaskadenlaser entwickeln Forscher des Fraunhofer IAF gemeinsam mit Kollegen des Fraunhofer-Instituts für Photonische Mikrosysteme IPMS in Dresden. Das Fraunhofer IAF arbeitet dabei an der Weiterentwicklung der Laserchips, das Fraunhofer IPMS ist für das miniaturisierte optische Beugungsgitter der Laser verantwortlich. Durch die Drehung dieses Gitters kann die Wellenlänge beim „Beleuchten“ der Substanzen kontinuierlich abgestimmt werden.

Derzeit macht das Projekt-Team die Laser fit für den Einsatz in der Pharmabranche: Im Labor haben die Forscher mit ihrer Methode bereits zuverlässig die Wirkstoffe von Alltagspillen für Kopfweh und Fieber ermittelt. In Zukunft soll die Technologie in der Massenproduktion von Arzneimitteln als Echtzeitkontrolle eingesetzt werden. Schon im Produktionsprozess sollen Präparate aussortiert werden können. „Es lassen sich nicht nur rasch fehlerhafte Margen aussortieren, sondern auch Medikamentenplagiate zuverlässig aufspüren. Die aufwendige und teure händische Kontrolle im Labor wäre obsolet“, fasst Ostendorf den Mehrwert zusammen.

Die Ursprünge des Verfahrens liegen in dem Bereich der Sicherheitstechnik: Im EU-Projekt „CHEQUERS“ entwickelt das Fraunhofer IAF beispielsweise einen tragbaren auf Quantenkaskadenlasern basierenden Detektor, der explosive oder toxische Substanzen berührungslos aus sicherer Entfernung erkennen kann. Aktuell suchen die Freiburger Forscher Industriepartner, um ihren Ansatz weiterzuentwickeln. „Erste Gespräche haben bereits stattgefunden. Im nächsten Schritt wollen wir mit unserer Sensorik auch einzelne Substanzen einer Wirkstoffmischung quantifizieren“, so Ostendorf über zukünftige Herausforderungen.

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