Pharmaindustrie

Rezeptfreie Medikamente entwickeln sich zum Ladenhüter

Stagnierende Umsätze im Consumer Health-Geschäft schrecken Käufer ab / Herausforderungen durch Online-Wettbewerber

Im Internet ist der Wettbewerb in Gang gekommen, seit im Jahr 2004 die Preisbindung für rezeptfreie Medikamente aufgehoben wurde. (Foto: dpa)

Im Internet ist der Wettbewerb in Gang gekommen, seit im Jahr 2004 die Preisbindung für rezeptfreie Medikamente aufgehoben wurde. (Foto: dpa)

Der US-Pharmakonzern Pfizer hat scheinbar immer größere Schwierigkeiten, sein Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten loszuwerden. Wie der britische Konsumgüterkonzern Reckitt Benckiser mitteilt, habe er entsprechende Gespräche beendet. Man sei nur an einem Teil der Sparte interessiert gewesen. Vor einem Monat hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Kreise berichtet, Reckitt sei neben dem ebenfalls britischen Pharmakonzern GlaxoSmithKline das einzige Unternehmen gewesen, das überhaupt ein Gebot abgegeben habe, so die dpa.

Andere Konzerne wie Sanofi, Nestle und Johnson & Johnson hätten gleich abgewunken. Potentielle Käufer seien die stagnierenden Umsätze der Sparte ein Dorn im Auge gewesen. Auch die Herausforderungen durch Online-Wettbewerber wie Amazon seien kritisch betrachtet worden.

Im Oktober hatte Pfizer mitgeteilt, Überlegungen zur Zukunft seiner Sparte anzustellen. Für das Geschäft mit der sogenannten Consumer Health, nicht verschreibungspflichtige Mittel für Apotheke und Supermarkt, prüfe man „strategische Alternativen“. Zu den Optionen gehörten die volle oder teilweise Trennung von der Sparte entweder über eine Abspaltung, einen Verkauf oder auch eine andere Transaktion. Pfizer hat in dem Geschäft unter anderem Schmerzmittel wie Advil, aber auch Verdauungsmittel und Vitaminpräparate im Programm. Das Geschäft gehört mit Umsätzen von 3,4 Milliarden US-Dollar (2,9 Milliarden Euro) im vergangenen Jahr zu den weltweit größten Anbietern.

Die Entwicklung bei Pfizer dürfte auch in Darmstadt sorgenvoll betrachtet werden. Der Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck versucht ebenfalls, sein Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten loszuwerden. Einem Medienbericht von Anfang Februar zufolge bekommt aber auch er zunehmend Schwierigkeiten. Der schweizerische Nestle-Konzern habe sich aus dem Rennen zurückgezogen, hatte die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Kreise berichtet. Bloomberg hatte noch im Januar mitgeteilt, Nestle sei der wahrscheinlichste Käufer für das Merck-Geschäft. Der Konzern habe mit gut vier Milliarden Euro am meisten geboten.

Merck hatte im Herbst sein sogenanntes OTC-Geschäft („Over the Counter“) zur Disposition gestellt, und will sich stattdessen auf seine Pharmasparte mit neuen Mitteln wie dem Krebsmedikament Bavencio und der Multiple-Sklerose-Tablette Cladribin konzentrieren. Merck-Chef Stefan Oschmann hatte Ende 2017 in einem Interview mit dem Sender CNBC gesagt, er hoffe auf eine Vertragsunterzeichnung im ersten Halbjahr 2018.

 

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