Technologie

Blockchain: Start-up gibt Patienten Daten-Kontrolle zurück

Ein Blockchain-Start-up will ein globales, elektronisches Gesundheitssystem bereitstellen / Erster Fall Flüchtlingslager

Mit Hilfe der Blockchain-Technologie sollen Patienten wieder Herr ihrer Daten werden. (Foto: dpa)

Mit Hilfe der Blockchain-Technologie sollen Patienten wieder Herr ihrer Daten werden. (Foto: dpa)

Das Bockchain-Start-up Iryo will den Besitz von medizinischen Daten wieder in die Hände derer legen, in die sie eigentlich gehören: die des Patienten. Die Vision: Er soll künftig wieder die volle Kontrolle über seine Krankheitsgeschichte erhalten. Iryo schlägt vor, ein partizipatives Gesundheitsnetzwerk mit einem modernen elektronischen Gesundheitsaktensystem zu schaffen. Flüchtlingslager im Nahen Osten sind nun der erste reale Anwendungsfall, berichtet enterprise times.

Durch die Einführung von OpenEHR-medizinischen Standards und als Open-Source-Lösung hofft Iryo, das Problem der Interoperabilität medizinischer Aufzeichnungen anzugehen und eine verbesserte Benutzererfahrung für Patienten, Mitarbeiter im Gesundheitswesen, Manager und Forscher zu bieten.

Das Problem, dem nicht nur Iryo derzeit gegenübersteht: Patienten auf der ganzen Welt können derzeit nur wenig oder überhaupt keinen Einfluss darauf nehmen, was mit ihren Krankenakten geschieht. Sie müssen unter Umständen mehrere Fachärzte aufsuchen und werden dadurch gezwungen, Kopien ihrer Aufzeichnungen von einem Gesundheitsdienstleister zum nächsten zu tragen.

Datenhoheit beim Patienten

Darüber hinaus ist der Großteil der medizinischen Daten über verschiedene Institutionen und Anbieter im Gesundheitswesen verstreut, die alle mit mangelnder Interoperabilität zu kämpfen haben. Ärzte haben daher keine andere Wahl, als mit unvollständigen Anamnesen zu arbeiten, was dem Niveau der Betreuung nicht gerade zugutekommt. Durch Rückübertragung der Datenhoheit bei medizinischen Unterlagen auf den Patienten und durch die Einführung eines konsistenten medizinischen Standards (auch openEHR genannt) will das Blockchain-Start-up Iryo den Wert medizinischer Daten in der gesamten Branche neu definieren.

Daten von Identität abgekoppelt

Iryo arbeitet mit einer NGO namens „Walk With Me“ zusammen und stellt eine IT-Infrastruktur bereit, die darauf abzielt, die Qualität der Gesundheitsversorgung in den von der Organisation verwalteten Lagern im gesamten Nahen Osten zu verbessern. Iryo will es Patienten und ihren Familien ermöglichen, ihre medizinischen Daten sicher in ihren eigenen mobilen Geräten zu speichern. Aufgrund der erschwerten Bedingungen in Konfliktzonen müssen Patienten in der Lage sein, ihre Krankengeschichte mit sich zu führen. Die Iryo-Plattform wird in Flüchtlingslagern im gesamten Beqaa-Tal im Libanon zum Einsatz kommen. Als nächstes sollen weitere Länder wie Syrien, Jordanien, Irak, Ägypten und Dschibuti folgen.

Das slowenische Start-up will Krankenakten zu einem Trägerinstrument machen, das von der Identität abgekoppelt wird und grundsätzlich unter der Kontrolle des Inhabers, in diesem Fall des Patienten, verbleibt. Der Zugang zu medizinischen Daten wird durch den Einsatz einer Blockchain und moderner Verschlüsselungsprotokolle ermöglicht.

Selektive Datenauswahl

Dem Portal enterprise times zufolge, könnten die Patienten wählen, wie sie mit ihrer Krankengeschichte umgehen wollen. Entweder sie teilen die Krankengeschichte mit Krankenhäusern, Spezialisten und Forschern – und überall auf der Welt. Oder sie gehen selektiv vor und bestimmten, welche relevanten Teile ihrer medizinischen Akte in einem vordefinierten Zeitlimit eingesehen werden darf.

Und wie steht es um die Sicherheit? Die Benutzer verschlüsseln ihre Daten auf ihren mobilen Geräten mit einem öffentlichen Schlüssel. Ein privater Entschlüsselungsschlüssel verbleibt auf dem Gerät des Patienten. Wann immer jemand auf Patientendaten zugreifen möchte (z. B. ein Arzt oder ein Forscher), muss der Patient den Zugang genehmigen. Dies geschieht dadurch, dass der Patient in seiner IryoEHR-App auf „Ja“ klickt, wodurch der öffentliche Schlüssel des Arztes erneut verschlüsselt wird.

Akzeptanz fraglich

„Interessant ist Iryos Einstellung. Das Halten von medizinischen Daten wird als ‘toxisches Gut‘ wahrgenommen“, heißt es weiter. „Zu viele Daten an einem Ort bergen ein zu großes Haftungsrisiko.“ Eine Herausforderung werde jedoch die Akzeptanz der Patienten sein. Die Frage hier sei, ob der Nutzen die Skepsis überwinde, besonders weil mobile Geräte so leicht zu stehlen seien. Eine andere Herausforderung werde die Ärzteschaft sein – vom Arzt über das medizinische Personal bis hin zu den Institutionen, die die medizinische Versorgung übernehmen.

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