Wirtschaft

Medikamente sollen schneller beim Patienten ankommen

Eine neue Initiative will gute Ideen schneller und umfassender als bisher für die Patientenversorgung fruchtbar machen.

Die schnelle und gezielte Überführung präklinischer Forschungsergebnisse ist eine enorme Herausforderung für die Gesundheitsforschung. (Foto: dpa)

Die schnelle und gezielte Überführung präklinischer Forschungsergebnisse ist eine enorme Herausforderung für die Gesundheitsforschung. (Foto: dpa)

Bei der Entwicklung neuer Medikamente und Medizintechnik klafft eine Lücke zwischen der Entdeckung neuer potenzieller Wirkstoffe und Produkte und der Weiterentwicklung zu Arzneimitteln und Medizingütern durch die Industrie. Die Fraunhofer-Gesellschaft und die Helmholtz-Gemeinschaft haben gemeinsam mit der Deutschen Hochschulmedizin nun die Proof-of-Concept-Initiative ins Leben gerufen. Sie fördert die Translation von innovativen, vielversprechenden Forschungsvorhaben.

Deutschland hat Nachholbedarf

„Die Medizinforschung hat im letzten Jahrzehnt entscheidende Fortschritte gemacht: Das neue Verständnis molekularer und zellulärer Grundlagen von Krankheiten lässt neue, innovative Ansätze bei Diagnostik, Therapie und Prävention zu“, heißt es hierzu von der Fraunhofer-Gesellschaft. Das Verknüpfen von medizinischem Wissen mit Ingenieurs-Know-how ermögliche neuartige Medizinprodukte. Eines der größten Hindernisse auf dem notwendigen Weg zu neuen Medikamenten und Medizinprodukten bleibe jedoch die Translation – die Weiterentwicklung neuer, potenziell heilsamer Substanzen und Verfahren zu Kandidaten für anwendbare Therapeutika und Medizinprodukte durch die Industrie. „Diese Translation, also die schnelle und gezielte Überführung präklinischer Forschungsergebnisse in für den Menschen nützliche medizinische Anwendungen und Therapien, ist eine enorme Herausforderung für die Gesundheitsforschung. Für Deutschland sehen wir hier Nachholbedarf – die Proof-of-Concept-Initiative hat daher absolut wegweisenden Charakter“, erklärt Prof. Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft.

Bis zu zwölf Millionen Euro stellen die Fraunhofer-Gesellschaft, die Helmholtz-Gemeinschaft und die Deutsche Hochschulmedizin in den nächsten drei Jahren für die Proof-of-Concept-Initiative zur Verfügung. Anfang Februar wurden von einer hochrangig besetzten Fachjury aus Wissenschaft, Wirtschaft und Regulierungsbehörden die vielversprechendsten Forschungsvorhaben für eine Förderung bestimmt. „Wir haben aus 82 interessanten Bewerbungen vier innovative und herausragende Forschungsprojekte ausgewählt. Die Weiterentwicklung dieser potenziell bahnbrechenden Wirkstoffe und Therapeutika werden wir in den nächsten Jahren optimal unterstützen, damit sie schnell den Weg in die Medizin und in den Markt finden“, sagt Prof. Otmar D. Wiestler, der Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft.

Die hohe Zahl der Einreichungen belegt den erheblichen Bedarf in der Förderung von medizinischen Entwicklungsprojekten gerade im Bereich des Proof-of-Concept (PoC) in Deutschland. „Die Anzahl an qualitativ hochwertigen Bewerbungen auf unsere Ausschreibung war beeindruckend. Die eingereichten Projekte zeigen auch, wie gut die Standorte der Hochschulmedizin mit ihren außeruniversitären Partnern bereits zusammenarbeiten“, kommentiert Prof. Heyo Kroemer, Präsident des Medizinischen Fakultätentages.

Translationsprogramm für gesteigerten Forschungsbedarf

Die entstandene Initiative muss nun weiterentwickelt werden. Entsprechend äußert sich Prof. Otmar D. Wiestler: „Wir erkennen hier neben der rein wissenschaftlichen Seite auch politischen Handlungsbedarf: Die Förderung entsprechender medizinischer und diagnostischer Entwicklungen muss verbessert werden.“ Prof. Reimund Neugebauer ergänzt: „Um den gesteigerten Forschungsbedarf in diesem wichtigen medizinischen Sektor zu decken, sollte ein eigenes Translationsprogramm aufgelegt werden, das der Bund, die Länder und Industriepartner durch einen gemeinsamen Fonds finanzieren.“

Konkret schlagen die drei Projektpartner vor, einen Fonds mit einem Budget von rund 60 Millionen Euro aus je zur Hälfte öffentlichen und Industriemitteln über einen Zeitraum von zehn Jahren zur Entwicklung von potenziellen Wirkstoffen einzurichten. Auch sollte die medizinische Forschung durch ein erfahrenes Projektmanagement begleitet werden und zudem davon profitieren, frühzeitig die regulatorische und industrielle Perspektive in die Entwicklungen mit einzubeziehen.

„Universitätsklinika sind Orte der Translation an der Schnittstelle zwischen Forschung und Patientenversorgung. Mit der PoC-Initiative hoffen wir, gemeinsam mit unseren außeruniversitären Partnern gute Ideen schneller und umfassender als bisher für die Patientenversorgung fruchtbar zu machen“, sagt Professor Michael Albrecht, 1. Vorsitzender des Verbands der Universitätsklinika Deutschlands (VUD).

 

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