Telemedizin

Justizvollzug: Baden-Württemberg startet Videobehandlung

Erstmals ausschließlich ärztliche Fernbehandlung von Häftlingen mit technischer Unterstützung von A+ Videoclinic.

Ein Transportbus für Häftlinge fährt in eine Justizvollzugsanstalt ein. (Foto: dpa)

Ein Transportbus für Häftlinge fährt in eine Justizvollzugsanstalt ein. (Foto: dpa)

Das Justizministerium Baden-Württemberg startet ein Modellprojekt zur Videobehandlung im Justizvollzug. Die zuletzt signifikant gestiegene Anzahl an Häftlingen stellt den Justizvollzug mit den sprachlichen und kulturellen Verschiedenheiten vor große Herausforderungen. Die gestiegene Zahl psychischer Auffälligkeiten und sonstige Erkrankungen der Häftlinge erschweren die Aufrechterhaltung der Gesundheitsfürsorge. Dazu kommt eine Überalterung der Gefängnis-Insassen, die, wie im Leben außerhalb der Mauern, oftmals besondere Betreuung erforderlich macht.

„In diesem Zusammenhang durchgeführte Gefangenentransporte in nahegelegene Kliniken und Arztpraxen gestalten sich komplex und bergen die Gefahr des Ausbruchs oder Übergriffs“, erklärt Dr. Merschitz, Geschäftsführer der Videoclinic. Ein von der A+ Videoclinic entwickeltes Video- und Patientensicherheitssystem soll nun die tägliche Arbeit der Justizvollzugsbediensteten und Pfleger erleichtern. Ein per Video zugeschalteter Arzt kann innerhalb weniger Minuten Sprechstunden mit Inhaftierten durchführen.

Reduktion von Überweisungen

Die A+ Videoclinic ermöglicht durch das speziell für den öffentlichen Bereich entwickelte Programm eine Reduktion von Überweisungen und Einweisungen in außerhalb der Haftanstalten gelegene Einrichtungen. Die sogenannte RemoteTriage©, eine auf evidenzbasierten Leitlinien aufgebaute Software, unterstützt den Arzt, die Behandlung auf dem höchsten medizinischen Standard auch über Video durchzuführen und bietet darüber hinaus die Sicherheit der lückenlosen Dokumentation aller Behandlungsfälle.

Rund 30 Ärzte der Videoclinic stehen rund um die Uhr per Video zur Verfügung. Neben dem 24h-Notdienst werden im Rahmen des Modellprojekts auch Sprechstunden für inhaftierte Jugendliche und Frauen angeboten. Das Projekt des Justizministeriums Baden-Württemberg ist zunächst auf sechs Monate angelegt.

Änderung der Berufsordnung nötig

Im Sommer 2016 hatte die Landesärztekammer Baden-Württemberg ihre Berufsordnung geändert, um die ausschließliche ärztliche Fernbehandlung im Rahmen von Modellprojekten zu ermöglichen. Mit der Ergänzung von § 7, Abs. 4, Satz 3 wurden bundesweit erstmalig Modellprojekte zugelassen, bei denen ärztliche Behandlungen ausschließlich über Kommunikationsnetzte durchgeführt werden. Voraussetzung für derartige Erprobungen ist, dass sie evaluiert und von der Landesärztekammer Baden-Württemberg genehmigt werden.

Die A+ Videoclinic wurde Anfang des Jahres gegründet und bietet sowohl öffentlichen Einrichtungen (Polizei, Justizvollzug) als auch deutschen Unternehmen und ihren Mitarbeitern telemedizinische Lösungen.

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