Versorgung

Überfüllte Notaufnahmen: Ärzte fordern mehr Alternativen

Ärzte wollen die vielfach überfüllten Notaufnahmen von Patienten entlasten, die keine wirklichen Notfälle sind.

Die Notaufnahme der Universitätsklinik „Otto von Guericke“ in Magdeburg. (Foto: dpa)

Die Notaufnahme der Universitätsklinik „Otto von Guericke“ in Magdeburg. (Foto: dpa)

Schon bei plötzlichem Unwohlsein gehen viele nicht erst am nächsten Morgen zum Hausarzt, sondern gleich in die Notaufnahme. Die Ärzte fordern nun ein stärkeres Gegensteuern. „Für den Patienten ist sein Problem momentan der Nabel der Welt, sonst wäre er ja nicht in die Notfallambulanz gegangen“, sagte Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery der Deutschen Presse-Agentur. „Besser wäre, wir könnten Patienten von vornherein klarer informieren und in die richtige Versorgungsstufe lenken. Dann werden sie auch von dem Arzt behandelt, dem dies am schnellsten möglich ist.“

Dass viele Menschen direkt ins Krankenhaus gehen, habe man sich jetzt 20 Jahre angeguckt. „Wir müssen einfach feststellen, dass Appelle und Hinweise nicht übermäßig viel gefruchtet haben. Darauf müssen wir jetzt reagieren“, forderte Montgomery.

Es gehe nicht um Verletzte bei Unfällen oder Menschen, die mit dem Hubschrauber gebracht würden. Im Fokus stünden Menschen, die nicht um die Möglichkeiten ambulanter Bereitschaftsdienste wüssten und deshalb direkt in Notaufnahmen gingen. „Das sind Patienten, die eigentlich nicht ins Krankenhaus gehören. Nur viele wissen das nicht. Der Mensch läuft ja nicht mit dem Sozialgesetzbuch unter dem Arm herum.“

Notaufnahmen sind für Schwerkranke

Montgomery warb dafür, in Kliniken gemeinsame „Portalpraxen“ von niedergelassenen Ärzten und Krankenhaus-Ärzten einzurichten, in denen jeder das mache, was er am besten könne. Er betonte zugleich: „Wenn in eine Klinik nachts nur zwei oder drei Notfälle kommen, macht es keinen Sinn, dort eine Portalpraxis einzurichten und neben dem schlaflosen Bereitschaftsdienst aus der Klinik auch noch einen schlaflosen niedergelassenen Arzt zu haben.“

In einigen Kliniken mit dramatisch gestiegenem Andrang gebe es inzwischen Sicherheitsdienste in Notfallambulanzen. „Manche Patienten werden teilweise sehr fordernd und aggressiv, wenn sie warten müssen und die Dringlichkeit der anderen Fälle nicht einschätzen können.“ Zwar könne man für manche Ungeduld Verständnis haben, Notaufnahmen seien aber für Schwerkranke da. „Andere müssen dann warten, weil wir nach Dringlichkeit vorgehen müssen und nicht nach dem Eintreffen.“

Versorgung in strukturschwachen Gebieten

Unterdessen sorgt der Plan, nur noch Kliniken mit hohen Standards bei der Infrastruktur den Status Notfallklinik zu geben, für Widerstand. Der Ärzteverband Marburger Bund forderte die Bundesländer auf, Notaufnahmen trotz der strengen Vorgaben zu erhalten. „Auch die Menschen, die kleinere Krankenhäuser in strukturschwachen Gebieten aufsuchen, haben einen Anspruch darauf, im Notfall schnell und gut versorgt zu werden“, sagte Verbandschef Rudolf Henke bei der Hauptversammlung der Gewerkschaft in Erfurt. „Die Bundesländer haben es nun ganz maßgeblich in der Hand, den Umfang der stationären Notfallversorgung auch in Zukunft maßgeblich zu bestimmen.“
Hintergrund ist ein Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses, des höchsten Entscheidungsgremiums des Gesundheitswesens. Von den heute 1748 Kliniken sollen künftig noch 1120 entsprechende Zuschläge bekommen und 628 Häuser aus der Notfallversorgung fallen. Henke sagte: „Das darf aber nicht das letzte Wort in dieser Angelegenheit sein.“ So hätten Krankenhausplanungsbehörden der Länder die Möglichkeit, weitere Krankenhäuser als Spezialversorger auszuweisen, die an der Notfallversorgung teilnehmen.

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