Pharma

Roche will digitaler Vorreiter sein

Roche will führend in der medizinischen Datenanalyse werden. Der Konzern untermauert seine Ambitionen mit milliardenschweren Zukäufen.

Roche-Chef Severin Schwan sieht seinen Konzern im Startvorteil. (Foto: dpa)

Roche-Chef Severin Schwan sieht seinen Konzern im Startvorteil. (Foto: dpa)

Der schweizerische Pharmakonzern Roche will in der aktuellen Digitalisierungsphase der Branche ganz vorne mitmischen. „Wir hoffen, dass wir hier eine Vorreiterrolle einnehmen können“, sagte Konzernchef Severin Schwan in Frankfurt vor Journalisten. Die Digitalisierung bedeute für die Branche eine echte Revolution, mit der sich in Zukunft sicherlich die Medikamentenentwicklung beschleunigen lasse. „Noch sind wir aber ganz am Anfang.“ Der Konzern werde weiter in dieses Feld investieren, ergänzte Schwan.

Daten von Krebspatienten

Roche hatte sich jüngst über eine knapp zwei Milliarden Dollar schwere Übernahme der US-Firma Flatiron Health Zugang zu umfangreichen Daten von Krebspatienten und Know How bei deren Analyse verschafft, so die dpa. Dieses Wissen kann Roche nun mit jenen bei Gewebeproben gesammelten Daten seines Kooperationspartners Foundation Medicin verknüpfen. Weil die Plattform auch anderen Konzernen offensteht, hofft Schwan auf wachsende Datenmengen. Sie sollen es in Zukunft zunehmend leichter machen, Patienten die auf sie persönlich zugeschnittene, richtige Therapieform zukommen zu lassen, aber beispielsweise auch geeignete Kandidaten für Medikamentenstudien zu finden.

Pilotprojekt in Krankenhäusern

Neben der ebenfalls zugekauften Online-Plattform Mysugr für Diabetes-Patienten führt Roche in Deutschland derzeit ein digitales Pilotprojekt in Krankenhäusern durch. Durch die Aufarbeitung der klinischen Daten eines Patienten soll Ärzten die Entscheidung bei der Tumorbehandlung erleichtert werden. Kooperationspartner seien General Electric und das Technologieunternehmen Accenture.

Damit sieht Schwan seinen Konzern im Startvorteil. Denn zwar gebe es mittlerweile viele Anbieter auf dem Markt, doch mit dem „Dreieck“ aus Diagnostik, Pharma und Datenmanagement sei Roche bislang als einziger unterwegs. Dennoch dürfte das Datenmanagement kein wichtiger Ergebnisbringer für den Konzern werden, räumte Schwan ein. Die Beiträge dürften bescheiden bleiben, glaubt er. „Unsere Investitionen zahlen sich aber dann aus, wenn wir es dank der Daten schaffen, Medikamente besser und schneller zu entwickeln.“

„Der Baseler Pharmariese, der umgerechnet rund 48 Milliarden Euro umsetzt, ist mit seiner Digitalisierungs-Strategie beileibe nicht alleine unterwegs“, so das Handelsblatt. Praktisch alle großen Pharma- und Medizintechnik-Konzerne, darunter auch die deutschen Pharmakonkurrenten Bayer und Boehringer sowie der Diagnostikkonzern Qiagen, hätten das Thema Digitalisierung auf ihrer Agenda inzwischen weit nach oben gesetzt.

Doch auch große Technologiekonzerne wie IBM, Apple oder Google würden ins datengetriebene Gesundheitsgeschäft drängen – genauso wie zahllose kleinere Tech- und Start-ups aus der Biotech-Branche. Aber: „Kaum ein Konzern geht das Thema aber so breit und massiv an wie Roche. Der Baseler Konzern ist zudem bislang auch der einzige Vertreter der Branche, der seine Ambitionen mit milliardenschweren Zukäufen untermauert.“

Auch außerhalb der Onkologie zeige Roche Flagge in Sachen Digitalisierung – etwa mit der Übernahme des österreichischen Start-ups mySugr im vergangenen Jahr, so das Blatt weiter. Das Technologieunternehmen sei spezialisiert auf Handy-Apps, die Diabetikern das Management ihrer Krankheit erleichtere.

Digitalisierung birgt Herausforderungen

Die Digitalstrategie von Roche berge allerdings auch Herausforderungen, heißt es. Zum einen stecke ein erhebliches Risiko im sehr rapiden Wandel im Bereich der Informationstechnologien. Für Akteure, die mit großen Investitionen auf einzelne Technologien setzen, bestehe die Gefahr, dass sie sehr schnell von neuen Verfahren und Techniken überholt würden. Die zweite Herausforderung bestehe im Zugang zu den „Real-World-Daten“. „Die Hoheit über diese Daten liegt bisher bei Ärzten, Kliniken, Versicherungen und auch beim Patienten selbst. In den meisten europäischen Ländern sind die Zuständigkeiten sehr fragmentiert und über sehr viele unterschiedliche Institutionen verteilt“, schreibt das Handelsblatt. Auch die regulatorischen Bedingungen, etwa im Hinblick auf Datenschutz-Regelungen, seien unterschiedlich. Dadurch werde es für alle Akteure sehr schwierig, große Datenmengen, etwa aus dem Bereich der Krebsbehandlung zu aggregieren.

 

Kommentare

Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.