Technologie

Chinesisches Start-up will durch Daten heilen

Ein chinesisches Start-up will Gesundheitsdaten von einer Million Menschen auswerten. Ziel ist die frühzeitige Warnung vor Krankheiten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) besichtigt das Start-up iCarbonX. (Foto: dpa)

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) besichtigt das Start-up iCarbonX. (Foto: dpa)

Das chinesische Start-up iCarbonX hat sich zur Aufgabe gemacht, möglichst viele Daten über den Zustand des menschlichen Körpers zu sammeln und zur Frühdiagnose von Krankheiten zu verwenden. Das 2015 gegründete chinesische Start-up in Shenzhen will es seinen Kunden ermöglichen, jederzeit über ihren Gesundheitszustand informiert zu sein.

Etwa mit Hilfe von DNA-, Speichel-, Blut- oder Urinproben soll für Nutzer eine digitale Karte des Körpers geschaffen werden, die über die Gesundheit informiert und bei Krankheiten frühzeitig warnt, berichtet die dpa.

Kooperation mit Kliniken und Fitnessclubs

Gründer Wang Jun beschäftigt nach eigenen Angaben mehrere hundert Mitarbeiter und sammelte in den ersten Finanzierungsrunden mehr als eine Milliarde US-Dollar Kapital ein. Der 41-jährige Biologe und Computerfachmann will in den nächsten fünf Jahren Gesundheitsdaten von bis zu einer Million Chinesen zusammentragen und auswerten. Dazu kooperiert iCarbonX etwa mit Fitnessclubs, Kliniken und hat auch in Großstädten eigene Messstationen eröffnet.

Langfristig sollen Daten über smarte Geräte im Haushalt gesammelt werden. Die Toilette könnte etwa den Urin analysieren, die Zahnbürste untersucht den Speichel und der Spiegel im Bad scannt mit einer 3D-Kamera den Zustand der Haut.

Vor allem ausländische Beobachter und Menschenrechtler sehen den sorglosen Umgang mit Daten in China sowie die massive Überwachung durch den Staat kritisch. Eine öffentliche Debatte über Datenschutz wird im bevölkerungsreichsten Land der Welt praktisch nicht geführt.

Totale Überwachung

Die Regierung arbeitet derzeit auch an einem sogenannten Sozialpunktesystem, das alle möglichen Daten der Bürger zusammenführt und auswertet. Das nationale Bewertungssystem, das an die totale Überwachung in George Orwells Roman „1984“ erinnert, soll ab 2020 zwischen guten und schlechte Bürgern oder Unternehmen entscheiden, und damit darüber, wer einen Job, einen Auftrag oder einen günstigen Kredit bekommt. Potenziell hängt davon sogar ab, wer in ein Flugzeug steigen darf.

Das Start-up stand auf dem Programm der China-Reise von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

 

Kommentare

Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.