Analyse

Zahl der Hausbesuche von Ärzten geht deutlich zurück

Ärzte in Deutschland haben in den vergangenen Jahren deutlich weniger Hausbesuche gemacht.

Die Zahl der Hausbesuche pro Arzt sank laut den Daten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung von 2009 bis 2017 von 592 auf 484. (Foto: dpa)

Die Zahl der Hausbesuche pro Arzt sank laut den Daten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung von 2009 bis 2017 von 592 auf 484. (Foto: dpa)

Gab es 2009 noch 30,3 Millionen Hausarzt-Visiten bei Patienten und 2010 rund 27 Millionen, waren es 2016 nur 25,2 Millionen. Im vergangenen Jahr dürfte es laut einer Hochrechnung ein weiteres Minus auf 24,6 Millionen Besuche gegeben haben. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Linke-Anfrage hervor, über die zuerst das ARD-Hauptstadtstudio berichtete. Die Zahl der Hausbesuche pro Arzt sank laut den Daten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung von 2009 bis 2017 von 592 auf 484. „Während Ärzte in Westfalen-Lippe die wenigsten Hausbesuche absolvierten (im Mittel 349), habe es in der Vergangenheit die meisten im Saarland gegeben (im Mittel 894 Visiten pro Jahr und Arzt)“, so das Portal univadis.de.

Der Linke-Gesundheitsexperte Achim Kessler sagte, gerade auf dem Land müssten Menschen auf eine gute Versorgung mit Hausbesuchen vertrauen können, wenn ihnen kein Arztbesuch möglich sei. „Es sollte selbstverständlich sein, dass medizinisch notwendige Hausbesuche ohne Angst vor Rückzahlungsforderungen der Krankenkassen möglich sind“, zitiert ihn die dpa. Die Rückgänge legten nahe, dass Ärzte auch deswegen vorsichtig mit Hausbesuchen umgingen, weil ihnen nach Wirtschaftlichkeitsprüfungen Forderungen auf Honorarrückzahlung entstehen könnten.

„Der Bundesregierung zufolge ist es Aufgabe der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) und Krankenkassen, die ärztlichen Leistungen auf ihre Wirtschaftlichkeit hin zu überprüfen“, so univadis.de. „Ob dies nach Durchschnittswerten geschehe oder anderen Kriterien, sei bundesweit unterschiedlich und nicht zwingend. Wie dies ausgestaltet werde, liege allein im Verantwortungsbereich der jeweiligen KVen und Kassen.“

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz sprach von einer alarmierenden Entwicklung. Verlierer seien Pflegebedürftige und Demenzkranke, die auf den Hausarzt daheim hofften. „Wenn ihnen die Kraft zum Praxisbesuch fehlt, drohen sie so noch mehr abgehängt zu werden“, sagte Vorstand Eugen Brysch. Es sei absurd, wenn zu viele Hausbesuche mit Honorarkürzungen bestraft würden.

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