Digitalisierung

Mehr Zeit für digitale Vernetzung aller Praxen nötig

Die Anbindung aller Ärzte an die Telematik-Infrastruktur verzögert sich / Frist soll um sechs Monate verlängert werden

Die Anbindung aller Praxen an ein neues bundesweites Gesundheitsdatennetz erfordert aus Sicht der Ärzte wegen fehlender technischer Geräte mehr Zeit. Es sei unrealistisch, dass bis Ende des Jahres alle 100.000 Praxen damit ausgestattet werden können, erklärte die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) in Berlin. Diese vorgegebene Frist solle daher mindestens um ein halbes Jahr bis Mitte 2019 verlängert werden. Nach bisherigen Verzögerungen seien derzeit erst rund 7500 speziell verschlüsselte Geräte installiert.

Nach wie vor gebe es nur einen Anbieter der die Konnektoren für den Anschluss der Praxen an die TI bereitstellt, so die Kassenärztliche Bundesvereinigung. Zwar hätten für dieses Frühjahr weitere Hersteller ihren Markteintritt angekündigt, doch auch das sei fraglich. Selbst wenn die Hardware zur Verfügung stünde, wäre es unrealistisch, alle 100.000 Praxen bis zum Ende des Jahres – wie vom Gesetzgeber vorgegeben – an die TI anzubinden, so KBV-Vorstand Kriedel.

Risiken für Ärzte

„Zum anderen ist absehbar, dass die Preise für die Komponenten sich nicht so entwickeln werden, wie es in der ursprünglichen Kalkulation der Erstattungsbeträge berechnet war. Wir haben es hier mit einer möglichen Unterdeckung im vierstelligen Bereich pro Praxis zu tun. Damit ergeben sich zwei Arten von Risiken für die Ärzte: Zum einen das Preisrisiko, wobei die Praxis auf einem Teil der Kosten sitzenbleibt – zum anderen das Sanktionsrisiko. Hier droht ein Abzug von einem Prozent des ärztlichen Honorars, wenn das Versichertenstammdatenmanagement nicht ab 1. Januar 2019 über die TI durchgeführt wird“, erläuterte Kriedel.

Konkret geht es um eine Art Datenautobahn („Telematikinfrastruktur“), die alle Beteiligten des Gesundheitswesens wie Ärzte, Krankenhäuser, Apotheken und Krankenkassen vernetzen soll, berichtet die dpa. Kriedel betonte, die Umrüstung müsse wie vorgesehen für die Praxen kostenfrei bleiben. „Ich sehe keinen Grund, warum ein Arzt auch nur einen Euro zuzahlen muss.“

Sanktionsrisiko entschärfen

Die KBV habe deshalb erneut Verhandlungen mit dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung aufgenommen, um die aktuelle Marktsituation bei der Finanzierung der TI-Komponenten zu berücksichtigen. So ist es auch in der TI-Finanzierungsvereinbarung vorgesehen.

Parallel zur Fristwahrung habe die KBV das Schiedsamt angerufen, so Kriedel. Um das Sanktionsrisiko zu entschärfen, will die KBV außerdem beim Gesetzgeber eine erneute Fristverlängerung um mindestens ein halbes Jahr, also bis Mitte 2019, erwirken. „Ursprünglich waren ohnehin zwei Jahre für den technischen Rollout der TI vorgesehen. Die Schuld, dass dieser Zeitraum immer weiter zusammengeschrumpft ist und die Fristen nicht eingehalten werden können, liegt nicht bei den Ärzten, sondern es ist der Markt, der aktuell nicht ausreichend liefern kann“, so Kriedel.

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