Biotech

TCR-Krebsstudie startet: Medigene erwartet höhere Verluste

Der Biotech-Konzern Medigene rechnet 2018 mit höheren Forschungskosten / Wichtige Studie zu Krebsimmuntherapie startet

Nach längeren und kostenintensiven Vorbereitungen startet das Biotech-Unternehmen Medigene mit seiner Studie zu einer neuartigen Krebsimmuntherapie. Weil die Forschungsaufwendungen deshalb in diesem Jahr nochmals deutlich steigen dürften, stellt Medigene vorsorglich auf höhere Verluste ein, berichtet die dpa. Im Tagesgeschäft könnte sich das Minus demnach nahezu verdoppeln, wie das Unternehmen in Planegg bei München erklärte.

In der Medizin sind Verluste in der Studien- und Anlaufphase für Medikamente nichts Ungewöhnliches. An der Börse hatte Medigene lange mit der Aussicht auf den Studienstart punkten können. Seit Jahresbeginn liegt die Aktie mit rund 30 Prozent im Plus. Nun reagierten die Investoren zwar positiv, aber nicht mehr überschwänglich überrascht. „Medigene bleibe in seinem Fahrplan“, kommentierten die Analysten der Baader Bank in einer ersten Reaktion. Die Aktie stand zuletzt in einem sehr schwachen TecDax-Marktumfeld leicht unter Druck.

Hoffnung neuartige Krebsimmuntherapie

Das Unternehmen setzt nach einem tiefgreifenden Umbau seine Hoffnungen vor allem auf eine neuartige Krebsimmuntherapie mit T-Zell-Rezeptoren (TCRs). In der nun anlaufenden Sicherheits- und Machbarkeitsstudie der Phase I/II werden Patienten mit verschiedenen Blutkrebserkrankungen beobachtet. Die TCR-Therapie unter den Namen MDG1011 soll ihrem Immunsystem auf die Sprünge helfen, sich selbst gegen die Krankheit zu wehren. Weltweit gibt es bislang nur sehr wenige Unternehmen, die an dieser Therapie forschen. Der US-Konzern Celgene hofft aber bereits in den USA auf eine beschleunigte Zulassung.

Für Medigene ist MDG1011 der erste klinische TCR-Produktkandidat im Programm. Medigene sucht nun nach weiteren Entwicklungskandidaten, zum einen für Partnerunternehmen, aber auch, um die eigene Pipeline zu füllen.

Für die weitere Forschung sehen die Bayern ihre Kasse noch über zwei Jahre hinaus gut gefüllt: Dank einer Privatplatzierung neuer Aktien konnte sich Medigene 2017 rund 20 Millionen Euro an zusätzlichen Mitteln sichern. Zum Stichtag 31. Dezember saß das Unternehmen damit auf flüssigen Mitteln in Höhe von knapp 52 Millionen Euro – in etwa so viel wie ein Jahr zuvor. Im laufenden Jahr will Medigene nun bis zu 10 Millionen mehr als 2017 in seine Forschung und Entwicklung pumpen, die Kosten hierfür dürften damit auf 22 bis 24 Millionen Euro steigen, so die Planung.

Verlust 2018 eingeplant

Dies geht zu Lasten des Ergebnisses: Gerechnet wird für 2018 mit einem Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) in Höhe von minus 21 bis minus 23 Millionen Euro. Der Umsatz wird bei 7,5 bis 9,5 Millionen Euro gesehen. In seine Prognosen rechnet das Unternehmen allerdings keine möglichen Meilensteinzahlungen oder Zuflüsse aus Partnerschaften und eventuellen Transaktionen ein.

Im vergangenen Jahr hatte Medigene auch dank einer neuen Entwicklungskooperation mit dem US-Unternehmen bluebird seinen Umsatz um 17 Prozent auf 11,4 Millionen Euro gesteigert. Der operative Verlust (Ebitda) fiel wegen des Rechteverkaufs eines Medikaments mit 12,1 Millionen Euro geringer aus als ursprünglich noch zu Jahresbeginn befürchtet. Unter dem Strich rutschte das Unternehmen allerdings deutlicher in die roten Zahlen: Der Fehlbetrag betrug knapp 13,6 Millionen Euro nach einem Verlust von 9,5 Millionen ein Jahr zuvor. Im Vorjahr hatte Medigene jedoch vom Verkauf eines Anteils am britischen Biotech-Unternehmen Immunocore profitiert.

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