Wirtschaft

Alterung ist größtes Problem für deutsche Wirtschaft

Der IWF bewertet die Demografie in Deutschland als „ungünstig“. Die Regierung muss stärker in „Humankapital“ investieren.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat den deutschen Staat zu kräftigeren Investitionen aufgefordert. Mehr Anstrengungen, die öffentlichen Investitionen, das Arbeitskräfteangebot und das Produktivitätswachstum zu steigern, würden angesichts der Alterung der Bevölkerung das langfristige Wachstum des Landes heben, erklärte der IWF in seinen kürzlich veröffentlichten wirtschaftspolitischen Empfehlungen für Deutschland. Der Währungsfonds verwies dabei auf die immer noch erheblichen finanziellen Spielräume des deutschen Staates.
Der IWF lobt die Strukturreformen der Vergangenheit. Er hebt den niedrigen Stand der Arbeitslosigkeit und Verschuldung hervor. Die Löhne stiegen mittlerweile schneller, das wird positiv bewertet. Doch die Demografie in Deutschland sei „ungünstig“.

Günstiges wirtschaftliches Umfeld

Der Koalitionsvertrag sehe zwar mehrere „willkommene Maßnahmen“ vor, um den Herausforderungen zu begegnen, erläutert der IWF, das derzeit günstige wirtschaftliche Umfeld biete für die Regierung jedoch die Gelegenheit, noch kräftiger zu handeln. Sie müsse stärker in sogenanntes „Humankapital“ investieren und das Rentensystem so reformieren, dass die Menschen länger arbeiten könnten. Dazu gehöre auch, das Risiko der Altersarmut zu senken. Mehr Anstrengungen als bisher verlangte der IWF von der Regierung auch im Kampf gegen die steigenden Wohnungspreise.

Zu dem gleichen Ergebnis kommt auch eine aktuelle Studie der Hans-Böckler-Stiftung, berichtet die dpa. Demnach seien Auswirkungen des demografischen Wandels auf die Sozialsysteme durch ein politisches Umsteuern auf einen Bruchteil reduzierbar. Den Wissenschaftlern zufolge könnte eine veränderte Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik die Belastungen für die deutschen Sozialkassen auf bis zu 20 Prozent der bislang erwarteten Belastungen senken.

Beschäftigungspotenziale nicht genutzt

Nach Ansicht der Forscher werden in Deutschland erhebliche Beschäftigungspotenziale nicht genutzt. Migranten, Frauen und Ältere seien im internationalen Vergleich relativ schwach in den Arbeitsmarkt integriert. Ihnen komme damit eine Schlüsselrolle zu: „Mit besserer Erwerbsintegration kann der demografisch bedingte Ausgabenanstieg ganz erheblich eingedämmt werden, ohne die Leistungsniveaus schmälern zu müssen und ohne das gesetzliche Rentenalter weiter nach oben zu verschieben“, heißt es in der Studie.

„Wir raten Politik und Wirtschaft deshalb dringend, eine Strategie mit mehr und besseren Arbeitsplätzen als zentrale Stellschraube zur Bewältigung des demografischen Wandels zu verfolgen“, sagte Gustav A. Horn von der Böckler-Stiftung. Der demografische Wandel sei dann „keine Monster-Welle“, die auf Deutschland zurolle, sondern „ein durchaus zu bewältigender Seegang“.

 

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