Pharmaindustrie

Medigene sammelt frisches Kapital für Immunonkologie ein

Medigene sammelt mehr als 30 Millionen Euro ein. Das Unternehmen kalkuliert mit deutlich anziehenden Forschungskosten.

Das Biotech-Unternehmen Medigene polstert seine Kasse für die Immuntherapie-Forschung erneut auf. Das Unternehmen aus Planegg bei München sammelte in einer beschleunigten Privatplatzierung bei institutionellen Investoren rund 32 Millionen Euro brutto ein. Zuletzt hatte sich die TecDax-Firma vor fast genau einem Jahr über eine Kapitalerhöhung frische Mittel bei Geldgebern geholt, berichtet die dpa.

In der jetzigen Platzierung gingen 2,23 Millionen neue Aktien zum Preis von je 14,50 Euro weg, wie Medigene mitgeteilt hatte. Dies entspreche rund 10 Prozent des gegenwärtigen Grundkapitals. Der Platzierungspreis liegt damit etwas mehr als zwei Prozent unter dem letzten Xetra-Schlusskurs.

Zugleich nutzte mit QVT Financial ein großer Investor die zuletzt wieder bessere Stimmung für Biotech-Aktien für einen Teilausstieg. QVT hatte den Angaben zufolge den Anteil über die Platzierung von 1,1 Millionen Aktien bei institutionellen Investoren von 9,5 auf gut 4 Prozent reduziert, sitzt aber weiter mit einem Vertreter im Aufsichtsrat von Medigene.

QVT gibt die Verwaltung von externem Kapital auf. Um seine externen Kapitalgeber auszuzahlen, werden derzeit diverse Fonds aufgelöst und Firmenanteile versilbert. Gleichzeitig habe QVT aber für den Fonds eines eigenen Partners Medigene-Anteile hinzugekauft, erklärte eine Sprecherin. Auch zusätzlich zu den bestehenden institutionellen Aktionären konnte Medigene neue, auf die Medizinbranche fokussierte Investoren gewinnen.

Kostenintensive Forschung

Medigene braucht das Geld für seine kostenintensive Forschung an einer neuartigen Krebsimmuntherapie mit T-Zellrezeptoren (TCR). Das Unternehmen hatte unlängst hierzu eine Machbarkeitsstudie gestartet. Das Management um Vorstandschefin Dolores Schendel kalkuliert deshalb für dieses Jahr mit deutlich anziehenden Forschungskosten: Zur letzten Quartalsbilanz stellte Medigene für 2018 einen Anstieg auf 22 bis 24 Millionen Euro in Aussicht – im vergangenen Jahr hatte die Forschung noch knapp 15 Millionen Euro verschlungen. Der Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen soll infolgedessen von rund 12 Millionen Euro im Vorjahr auf 21 bis 23 Millionen Euro ansteigen.

Dank der Kapitalerhöhung sitzt Medigene nun immerhin wieder auf liquiden Mitteln in Höhe von rund 80 Millionen Euro. Dass bei der jetzigen Privatplatzierung die Investoren mehr Anteile nachgefragt hatten als angeboten wurden, ist für Finanzvorstand Thomas Taapken ein gutes Zeichen: „Die starke Nachfrage nach diesem Angebot unterstreicht deutlich das Interesse der Investoren an unserer fortschreitenden Entwicklungspipeline für T-Zell-Krebs-Immuntherapien“, sagte Taapken.

Für die Immuntherapie werden die T-Zellen über ein spezielles Verfahren so gestärkt, dass sie Krebszellen unschädlich machen können. Diese Idee weckt derzeit zunehmendes Interesse der Konzerne. In der Pharmalandschaft hat die T-Zellforschung in jüngster Zeit das Übernahmekarussell in Gang gesetzt. Mit einer ähnlichen Therapie (Cart) ist auch der Schweizer Pharma-Konzern Novartis bereits am Start. Seine Gentherapie Kymriah ist in den USA bereits zugelassen, in Europa wartet der Konzern noch auf grünes Licht. Für Medigene dürfte es bis dahin noch dauern.

 

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